James Allison (Technischer Direktor) John Owen (Chefdesigner) Loic Serra (Performance Direktor) Aldo Costa (Chefingenieur) Mike Elliott (Technologie Direktor) Eric Blandin (Aerodynamikchef)
Mit dem innovativen F1 W11 EQ Performance (siehe z. B. DAS) konnte das Mercedes-Werksteam beide Weltmeistertitel erneut verteidigen.[2]Lewis Hamilton wurde zum insgesamt siebten Mal Fahrerweltmeister und stellte damit den bisherigen Rekord von Michael Schumacher ein. Mit dem Wagen gelangen insgesamt 13 Grand-Prix-Siege, wovon elf durch Hamilton und zwei durch Valtteri Bottas eingefahren wurden.
Das Team nahm an den sechstägigen Vorsaisontests in Barcelona teil und fuhr dreimal Tagesbestzeit.[3]
Der W11 ist das Nachfolgemodell des W10. Da das technische Reglement zur Saison 2020 weitgehend stabil blieb und die Regel-Epoche in die vorletzte Saison ging, beruht der Wagen auf dem gleichen aerodynamischen Grundkonzept mit geringer Anstellung und langem Radstand. Wie bereits der Vorgänger wurde der W11 von dem bewährten Technikerteam um John Owen, Eric Blandin und Mike Elliott unter der Leitung von Technikchef James Allison entwickelt.
Wie alle Formel-1-Fahrzeuge des Jahres 2020 ist der Mercedes-AMG F1 W11 EQ Performance ein hinterradangetriebenerMonoposto mit einem Monocoque aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Außer dem Monocoque bestehen auch viele weitere Teile des Fahrzeugs, darunter die Karosserieteile und das Lenkrad aus CFK. Auch die Bremsscheiben sind aus einem mit Kohlenstofffasern verstärkten Verbundwerkstoff.
Die Gesamtbreite des Fahrzeugs beträgt 2000 mm, die Breite zwischen Vorder- und Hinterachse 1600 mm, die Höhe 950 mm. Der Frontflügel hat eine Breite von 2000 mm, der Heckflügel von 1050 mm sowie eine Höhe von 820 mm. Der Diffusor ist 175 mm hoch sowie 1050 mm breit. Der Wagen ist mit 305 mm breiten Vorderreifen und mit 405 mm breiten Hinterreifen des Einheitslieferanten Pirelli ausgestattet, die auf 13-Zoll-Rädern montiert sind.
Der Wagen ist eine Evolution des erfolgreichen Vorgängers, weist jedoch trotzdem einige Besonderheiten und Optimierungen auf. Nachdem die Kühlung der PU 2019 eine Schwachstelle des Gesamtpakets war, bestand eines der Entwicklungsziele in der Erhöhung der Kühlleistung, ohne aerodynamische Nachteile hinnehmen zu müssen. Einige Motorenkomponenten wurden zudem so optimiert, dass sie eine höhere Arbeitstemperatur erlaubten. Die Kühleinlässe konnten trotzdem nochmal verkleinert und die Seitenkästen tief unterschnitten werden, um die Anströmung zum Heck zu verbessern. Aus dem gleichen Grund wurden auch die Ansatzpunkte der Vorder- und Hinterradaufhängung am Chassis weiter hoch geschoben.[4]
Im Zuge der Testfahrten vor der Saison wurde bekannt, dass der Wagen ein neuartiges Lenksystem namens DAS (engl.: Dual Axis Steering) besitzt. Durch diese neuartige, dreidimensionale Lenkung kann der Fahrer durch ein Ziehen am Lenkrad, vornehmlich auf geraden Strecke, die Spur der Vorderräder aktiv beeinflussen, um die Vorderräder z. B. im Qualifying oder im Rennen während Safety Car-Phasen ins Temperaturfenster zu bringen.[5][6] Das Feature wurde erst am zweiten Testtag durch Onboard-Aufnahmen öffentlich. Das Team ließ sich die Legalität des Systems vor Testbeginn von der FIA bestätigen.
Beim Saisonstart in Österreich machte Red Bull von seinem Recht Gebrauch, Protest bei den Stewards gegen DAS einzulegen.[7] Allerdings wurde dieser abgewiesen, da das aktiv bedienbare System von der FIA als Teil des Lenksystems und nicht des Aufhängungssystems angesehen wird. Eine aktive Radaufhängung wäre lt. Artikel 10.2.3 des technischen Reglements der FIA verboten.[8] Zur Saison 2021 wurde das System verboten.
Der Rennwagen verfügte, wie alle Formel-1-Fahrzeuge seit 2011, über DRS und, wie bereits die Vorgänger W09 und W10, über das vorgeschriebene Halo-System zum Schutz des Fahrers.
Lackierung und Sponsoring
Der W11 EQ Performance war bei der Präsentation, den Testfahrten vor der Saison sowie beim geplanten Saisonauftakt in Australien in Silber lackiert. Zusätzlich gab es wegen des Hauptsponsors Petronas cyanfarbene Streifen sowie durch den Sponsor Ineos dunkelrote Farbakzente.
Als Statement gegen Rassismus und für mehr Diversität wurde nach den Protesten infolge des Todes von George Floyd die Grundfarbe des Fahrzeugs geändert und Silber wurde durch Schwarz ersetzt. Zudem wurde der Schriftzug „End Racism“ auf dem Halo-System angebracht.[9]
Zu Beginn der Saison Anfang Juli in Österreich präsentierte sich Mercedes als das stärkste Team, speziell im Qualifying. Valtteri Bottas gewann das Auftaktrennen, Lewis Hamilton wurde nach einer Fünf-Sekunden-Zeitstrafe als Vierter gewertet. Danach folgten Siege von Hamilton in der Steiermark, eine Woche später ebenfalls auf dem Red Bull Ring ausgetragen, sowie in Ungarn.
Auch in Silverstone zeigten sich die beiden Werksautos überlegen und fuhren im Qualifying über eine Sekunde gegenüber dem drittplatzierten Verstappen heraus. Im Rennen erlitten jedoch beide Fahrer in der Schlussphase Reifenschäden, wobei Bottas nach einem nötigen Boxenstopp nur Elfter wurde und Hamilton die letzte Runde noch hauchdünn vor Verstappen mit Plattfuß beenden konnte.
Beim Qualifying zum Italien-GP in Monza erzielte er in dem F1 W11 auf dem Weg zur Pole die höchste jemals gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit auf einer Runde. In einem insgesamt turbulenten Rennen am Folgetag mit dem Überraschungssieger Pierre Gasly wurde er jedoch nur Siebter, Bottas Fünfter.
Beim Großen Preis der Eifel auf dem Nürburgring egalisierte Hamilton mit seinem 91. Sieg zunächst Michael Schumachers Bestwert, bevor er durch den Sieg in Portugal zum neuen Rekordsieger avancierte.
Einen weiteren Doppelerfolg in der Reihenfolge Hamilton vor Bottas fuhr man beim Großen Preis der Emilia-Romagna in Imola ein. Damit sicherte sich Mercedes vorzeitig den siebten Konstrukteurstitel hintereinander und wurde damit zum alleinigen Rekordhalter. Mit einem überlegenen Sieg unter wechselhaften Wetterbedingungen wurde Hamilton in der Türkei im viertletzten Rennen der eingekürzten Saison vorzeitig zum siebten Mal Fahrerweltmeister. Er egalisierte damit den Rekord von Michael Schumacher. Außerdem war dies sein 73. Sieg mit Mercedes, soviele wie kein anderer Fahrer jemals für ein und dasselbe Team einfuhr.
Mercedes schloss die Konstrukteurswertung mit insgesamt 573 Punkten ab. Lewis Hamilton wurde mit 347 Punkten Weltmeister, während sich Bottas, der insgesamt 223 Zähler sammelte, wie im Jahr zuvor die Vizeweltmeisterschaft sicherte. George Russell belegte am Saisonende Platz 18 mit drei Punkten, die er bei seinem einzigen Einsatz für Mercedes in Bahrain einfuhr.