Das Gebiet des Bezirksamtes setzte sich landschaftlich aus drei unterschiedlichen Teilen zusammen: einem flachen, in der Oberrheinischen Tiefebene gelegenen Westen, der in einem schmalen Streifen bis an den Rhein reichte, einem bergigen Osten im mittleren Schwarzwald, der durch das Tal der Kinzig geteilt wurde. Zwischen beiden verlief in nord-südlicher Richtung eine hügelige Übergangszone, die nördlich der Kinzig zu den Ortenau-Bühler Vorbergen, südlich davon zu den Lahr-Emmendinger Vorbergen zählt. Bei einer 1936 erfolgten Erweiterung kam noch das ebenfalls im Schwarzwald gelegene Tal des Oberlaufs der Rench dazu.
Anfang des 19. Jahrhunderts fand in der Ortenau eine politische Flurbereinigung statt. Offenburg fiel, in Umsetzung des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803, unter die badische Landeshoheit. Dessen Regierung ordnete die Stadt, wegen der vergleichbaren Strukturen, zunächst der getrennt östlich gelegenen Obervogtei Gengenbach zu, die hauptsächlich aus weiteren ehemals reichsfreien Gebieten zusammengesetzt worden war. Nach dem Preßburger Frieden 1805 und der Verabschiedung der Rheinbundakte 1806 waren mit dem kurzlebigen Herzogtum Modena-Breisgau, das auch die ehemals vorderösterreichischen Besitzungen der Ortenau umfasste, und den reichsritterschaftlichen Orten das Umfeld der Stadt ebenfalls an Baden gefallen. Daher wurde Offenburg 1807 von Gengenbach abgetrennt und Sitz des Oberamtes Offenburg, in dem die Stadt, die drei vorderösterreichischen Gerichte und das kleine, altbadischeAmt Staufenberg zusammenfasst wurden. In Umsetzung des Novemberedikts von 1809 war für Anfang 1810 die Aufteilung in ein Stadt- und erstes Landamt sowie ein zweites Landamt vorgesehen. Bereits kurz darauf wurde beschlossen, dass anstelle des Zweiten Landamtes das Amt Appenweier entstehen sollte, dem auch noch weitere Gebiete angeschlossen wurden. Den Rest bildete das Amt Offenburg.
Mit Inkrafttreten der Landkreisordnung vom 24. Juni 1939 entstand aus dem Bezirksamt der Landkreis Offenburg.
Orte und Einwohnerzahlen
1814
Bei der Errichtung des Bezirksamtes 1813 wurden vom bisherigen Amt Offenburg Marlen, Goldscheuer und Kittersburg an Kork abgegeben, dafür kamen vom Amt Lahr Oberschopfheim und Diersburg sowie vom aufgehobenen Amt Mahlberg Ichenheim, der Ottenweierhof, Dundenheim und Altenheim hinzu.[1]
1814 wird für das Gebiet des Bezirksamtes von 18.192 Einwohnern berichtet, die sich auf folgende Orte verteilten:[3]
1824 wechselten Dundenheim,[4]Ichenheim und der Ottenweierhof zum Bezirksamt Lahr.[5] 1834 wurde von 28.682 Menschen berichtet, die im Gebiet des Oberamtes lebten. Sie verteilten sich auf diese 24 Gemeinden:[6]
Im August 1871 wurde die Gemeinde Nesselried neu gegründet.[8] Mit der Zuordnung des Bezirksamt Gengenbach kamen 13 Gemeinden hinzu.
1913 wurde für den Amtsbezirk von 65.800 Einwohnern berichtet, die sich somit auf 38 Gemeinden verteilten:[9]
¹ Zusätzlich, als Abgesonderte Gemarkung mit eigener polizeilicher Verwaltung.
1939
Mit dem Gesetz über die Neueinteilung der inneren Verwaltung wurde das Bezirksamt Oberkirch mit 20 Gemeinden am 1. Oktober 1936 aufgelöst und Offenburg zugeteilt. Zugleich wurden abgetreten: Altenheim, Appenweier, Marlen, Müllen und Urloffen an das Bezirksamt Kehl sowie Nordrach, Oberentersbach, Oberharmersbach, Unterentersbach, Unterharmersbach und Zell am Harmersbach an das Bezirksamt Wolfach.[10] Dorthin wechselte am 1. April 1939 noch Biberach.[11]
Zum Zeitpunkt der Umwandlung in den Landkreis Offenburg im Juni 1939 umfasste das Gebiet des Bezirksamts 47 Städte und Gemeinden, Einwohnerzahlen laut Volkszählung im Mai 1939:[12]
Das hier, mit 129 Bewohnern, ebenfalls genannte Fabrik Nordrach hatte als Abgesonderte Gemarkung mit eigener polizeilicher Verwaltung den Status einer teilselbständigen Gemeinde inne.
1913 waren noch Rohrburg und Gottswald vorhanden.[9] In der Badischen Gemeindeordnung von 1921 war die Auflösung der abgesonderten Gemarkungen festgelegt worden.[14] Daher verschwanden auch sie in den nachfolgenden Jahren.
↑ abBeilage A: Ämtereinteilung, veröffentlicht im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt am 30. Juli 1813, Heft XXII, S. 135.
↑Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden, Band 7: Max Wingenroth: Kreis Offenburg. Tübingen 1908, S. 510.
↑Johann L. Büchler (Herausgeber): Das Großherzogthum Baden nach seinen Kreisen, Hofgerichtsprovinzen und Amtsbezirken topographisch dargestellt. Zweite vermehrte und umgearbeitete Auflage 1814, S. 54f.
↑Entsprechender Beschluss vom 5. Juli 1824, veröffentlicht am 30. Januar 1824 im Großherzoglich-Badischen Staats- und Regierungsblatt, Heft XV, S. 96.
↑Entsprechender Beschluss vom 23. Januar 1824, veröffentlicht am 30. Januar 1824 im Großherzoglich-Badischen Staats- und Regierungsblatt, Heft II, S. 21.
↑Hof- und Staats-Handbuch des Grossherzogthums Baden, Jahrgang 1834, S. 339–342
↑Beiträge zur Statistik der inneren Verwaltung des Großherzogthums Baden. Zwanzigstes Heft: Die Volkszählung vom Dezember 1864, I. Teil, S. 35.
↑Entsprechende Verordnung vom 15. Juli 1871, veröffentlicht im Gesetzes- und Verordnungsblatt für das Großherzogtum Baden am 21. Juli 1871, Heft XXVII, S. 147
↑ abHof und Staats-Handbuch des Grossherzogthums Baden 1913, Statistischer Anhang Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek, S. 354f.
↑Statistik des Deutschen Reichs. Band 550: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich aufgrund der Volkszählung 1939, Berlin, 1940, S. 211.
↑Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Baden. Neue Folge, zweites Heft, zugleich 48. Heft der Reihe: Die Volkszählung vom 1. Dezember 1885, 2. Teil: Ortsverzeichnis. S. 67
↑Wolfram Angerbauer: Die Amtsvorsteher der Oberämter, Bezirksämter und Landratsämter in Baden-Württemberg : 1810 bis 1972. Herausgegeben 1996 von der Arbeitsgemeinschaft der Kreisarchive beim Landkreistag Baden-Württemberg. S. 95