Bei den Hamburger Eisenbahnbrücken über die Norder- und die Süderelbe von 1868 bis 1872 verwirklichte Lohse als maßgeblicher Ingenieur zusammen mit der Brückenbauwerkstatt Johann Caspar Harkort in Duisburg erstmals den von ihm entwickelten und nach ihm benannten Träger. Dieser hat eine Parabel- bzw. Linsenform. Ober- und Untergurt sind hierbei als separate steife Bogenfachwerke ausgebildet, die durch Hängestäbe miteinander verbunden sind, während die Fahrbahn darunter gehängt ist. Um 1900 wurden die Lohse’schen durch Fachwerkbogen-Überbauten ersetzt.
1884 bis 1887 wurde der Lohse-Träger in Hamburg ein zweites und letztes Mal verwirklicht, und zwar bei einer Straßenbrücke über die Norderelbe, diesmal durch den Hamburger Ingenieur Franz Andreas Meyer wieder in Zusammenarbeit mit Harkort (seit 1872 AG für Eisen-Industrie und Brückenbau vorm. Johann Caspar Harkort). Die Träger wurden 1927/1928 durch Linsenträger mit Vollwandbögen ersetzt. 1956 bis 1960 wurde die Brücke erneut grundlegend umgebaut, die Brückenportale spätestens dabei entfernt. Die Vollwandträger der 1920er Jahre blieben erhalten.
Der Lohse-Träger war im Unterschied zu den damals üblichen Gitterträgern ästhetisch ansprechender und brauchte weniger Material, war allerdings z. T. statisch unbestimmt. Er setzte sich nicht durch, da bald statisch bestimmbare und ästhetisch noch ansprechendere Trägerformen entwickelt wurden.[2][3][4][5]
Ehrungen
Eine Trägerform im Brückenbau wird nach ihm benannt (Lohse-Träger, vgl. Laves-Träger, Pauli-Träger).
In Hamburg sind der Lohseplatz und der Lohsepark vor dem ehemaligen Hamburg-Hannoverschen Bahnhof, den er erbaute, nach ihm benannt, in Köln die Lohsestraße.
↑Hermann Lohse: Die Eisenbahnbrücken über die Elbe bei Hamburg und Harburg. In: Zeitschrift für Bauwesen. Nr.1, 1885, Sp.79–94, 177–202 (zlb.de).
↑Georg Mehrtens: Der deutsche Brückenbau im XIX. Jahrhundert. Denkschrift bei Gelegenheit der Weltausstellung 1900 in Paris. Julius Springer, Berlin 1900, S. 27 (Abb. 46), S. 29, S. 68, S. 70, S. 72.
↑Hermann Jordan, Eugen Michel: Die künstlerische Gestaltung von Eisenkonstruktionen. 2 Bände. Heymann, Berlin 1913, S. 13–15, S. 17, S. 115 f.
↑Philipp Stein: 100 Jahre GHH-Brückenbau. Oberhausen 1951, S. 58 f., Abb. 23.