Die dtv Verlagsgesellschaft mbH und Co. KG (dtv) ist ein deutscher Publikumsverlag mit Sitz in München. Sie wurde 1960 unter dem Namen Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG als gemeinsamer Taschenbuchverlag von elf Verlagen gegründet. Seit 1996 verlegt dtv zunehmend Original- und Erstausgaben sowie seit 2012 ein eigenes Hardcover-Programm. 2013 betrug der Umsatz des Unternehmens mit 112 Mitarbeitern 62 Mio. Euro, wobei jährlich ca. 500 Neuerscheinungen bei rund 7000 lieferbaren Titeln (inkl. E-Books) herauskommen.[1] Die Umfirmierung von Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG zu dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG erfolgte im Juni 2015.[2]
Die Gründung ging auf Joseph Caspar Witsch zurück, der zehn seiner Kollegen der „Bücher der Neunzehn“ für eine gemeinsame Taschenbuchreihe gewinnen konnte. Die Vereinigung stellte zunächst eine Art Rechte-Verwertungsgesellschaft dar, die ausschließlich die Bücher der beigetretenen Verlage herausgeben sollte. Am 30. November 1960 erfolgte die Eintragung der Firma ins Handelsregister; vorläufiger Geschäftsführer wurde Curt Vinz. Am 15. Januar 1961 nahm der Verlag offiziell seine Tätigkeit auf und stand jetzt unter der Leitung Heinz Friedrichs. Friedrich war der damalige Programmdirektor von Radio Bremen und von 1956 bis 1959 Cheflektor der Fischer-Bücherei. Bald wurden Lizenzen aus anderen Verlagen, die nicht zum Kreis der Gesellschaft gehörten, hinzugenommen, und eine eigene Produktion begann. Für die Ausstattung der Bücher war der Schweizer Grafiker Celestino Piatti verantwortlich, der ein einheitliches typografisches und grafisches Erscheinungsbild entwarf.
Als erster Titel erschien 1961 Heinrich BöllsIrisches Tagebuch und ist seitdem ununterbrochen als dtv-Nummer 1 lieferbar. Weitere Titel des Startjahres waren Karl JaspersDie Atombombe und die Zukunft des Menschen sowie Friedrich SieburgsNur für Leser. Die Umschlaggestaltung erregte Aufsehen, da Piatti die dtv-Bände entgegen den üblichen bunten Taschenbuchausstattungen in strahlendem Weiß präsentierte und jeweils ein individuelles Bild für den Titel verwendete. Des Weiteren benutzte er als Schrift die Akzidenz-Grotesk in rechtsbündigem Flattersatz. Celestino Piatti gestaltete bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem Verlag 1993 rund 6000 dtv-Umschläge.[3]
Bei dtv premium werden seit 1996 broschierte Original- und Erstausgaben aus den Bereichen Belletristik und Sachbuch im größeren Format vorgestellt. 2012 startete das Hardcoverprogramm dtv Hardcover mit Rita Falks Roman Hannes und Jussi Adler-Olsens Thriller Verachtung.[4] 2014 wurde das Label dtvDIGITAL gegründet, um die E-Book-Aktivitäten des Verlags zusammenzufassen.[5]
Bereits im Gründungsjahr erschien die erste Reihe des Hauses, die dtv dokumente, deren erster Band Das Urteil von Nürnberg 1946 wurde. In der Serie sollten Dokumente zur Historie und Zeitgeschichte sowie zur Kunst, Literatur und Geistesgeschichte mit authentischen Texten herausgegeben werden. In den sechziger Jahren kam es zu weiteren Serien wie dtv sachbuch, dtv kunst und die Wissenschaftliche Reihe (ab 1979 dtv wissenschaft). Gesamtausgaben von Schriftstellern wie Goethe, Schiller oder auch Büchner erschienen, und mit der Folge dtv weltliteratur kamen ab 1975 die so genannten „Dünndruck-Ausgaben“ auf den Markt. Nur durch die Verwendung von Dünndruckpapier konnten umfangreichere Werke wie GrimmelshausensSimplicissimus oder Romane von Dostojewski publiziert werden.
Bis heute haben sich einige Reihen der frühen Jahre erhalten, wie die 1973 aufgenommene Serie dtv zweisprachig und die 1977 gegründete Folge dtv großdruck. Letztere beinhaltet eine Auswahl von dtv-Titeln, die ungekürzt in einer augenfreundlichen „Garamond 12 Punkt“ erscheinen und vornehmlich für ältere und sehbehinderte Menschen gedacht sind. Ferner haben sich die Serien der Nachschlagewerke und Atlanten von den frühen sechziger Jahren bis heute behaupten können und bilden damit einen wichtigen Sektor im Verlagsprogramm.
Das Design wurde in den Jahren 1996/1997 neu gestaltet. Damals erschienen auch die ersten Bände der Reihe dtv premium.[6]
Die Verlagsreihen
Nachschlagewerke und Atlanten
Bereits 1962 brachte der Verlag Daten deutscher Dichtung von Herbert A. Frenzel und Elisabeth Frenzel heraus, dem weitere Bücher zur amerikanischen, englischen und französischen Literatur folgten. Zwei bzw. vier Jahre später erschien das erfolgreichste Buch des dtv überhaupt; der dtv-Atlas zur Weltgeschichte von Hilgemann und Kinder. Weitere Bände der Buchreihe Dtv-Atlas, unter anderem zur Biologie, Astronomie, Atomphysik, Baukunst und Musik, folgten. 1980 konzipierte der Verlag in Zusammenarbeit mit Georg Westermann in Braunschweig den Taschenatlas der Welt, womit dtv erstmals die Herausgabe eines „richtigen“ Atlas gelang. Neben Atlanten publiziert das Haus Spezial-Wörterbücher und -Lexika. Häufig werden Lizenzen etablierter Verlage erworben, wodurch u. a. die Reihe dtv-Lexikon entstand. Die Serie wurde auf der Grundlage der Brockhaus Enzyklopädie entworfen.
In der Reihe der Beck-Texte im dtv erscheinen gebundene Ausgaben zahlreicher ansonsten vor allem in Loseblattsammlungen wie Schönfelder und Sartorius erhältlichen Gesetzestexte. Um den zahlreichen Gesetzesänderungen Rechnung zu tragen, erscheinen vielfach jährlich, teilweise auch häufiger aktualisierte Neuauflagen.
Beck-Rechtsberater im dtv
In dieser Reihe erscheinen Ratgeber zu alltäglichen Rechtsthemen, die sich vor allem an juristische Laien richten.
Gesellschafter des dtv
Gesellschafter des dtv sind bzw. waren folgende Unternehmen:[1]
Ursprünglich gaben die beteiligten Verlage viele ihrer Hardcover-Titel als Taschenbuch bei dtv heraus. Die meisten der ehemaligen Gesellschafter mussten ausscheiden, weil sie eigene Taschenbuchreihen begründeten und damit in Konflikt mit dem Gesellschaftervertrag gekommen wären, beispielsweise Insel, Kiepenheuer & Witsch oder Piper. Andere, wie C. H. Beck und Oetinger, sind trotz eigener TB-Programme Gesellschafter geblieben.[8]
20 Jahre Deutscher Taschenbuch Verlag: 1961–1981. Eine Dokumentation. Redaktion: Michael Davidis, Hildegart Eichholz, Wolfram Göbel. dtv, München 1981, ISBN 3-423-99928-4 (enthält dtv-Gesamtverzeichnis 1961–1982 nach Nummern geordnet).
„Dein Brief kam wie gerufen …“ Heinz Friedrich als Verleger. Im Auftrag der Gesellschafter und der Mitarbeiter des Deutschen Taschenbuch Verlags herausgegeben von Wolfram Göbel. dtv, München 1990, ISBN 3-423-11253-0.
30 Jahre Deutscher Taschenbuch Verlag: 1961–1991. Daten, Bilder, Bücher. Redaktion: Werner Berthel und Michael Groth. dtv, München 1991, DNB911344993.
Jens Müller (Hrsg.): A5/03: Celestino Piatti + dtv. Die Einheit des Programms/The Unity of the Program (ins Englische übersetzt von Michael Robinson). Müller, Baden 2009, ISBN 978-3-03778-178-4 (Text deutsch und englisch).
dtv 50 Jahre. Kleine Verlagsgeschichte. Redaktion: Susanne Krones und Fritz P. Steinle. dtv, München 2011, DNB1049521099.
Elisabeth Kampmann: Kanon und Verlag. Zur Kanonisierungspraxis des Deutschen Taschenbuch Verlags. Akademie, Berlin 2011, ISBN 978-3-05-005191-8.
Daniela Völker: Deutscher Taschenbuch Verlag: dtv Taschenbücher (seit 1961). In: Das Buch für die Massen. Taschenbücher und ihre Verlage. Herausgegeben von Stefan Neuhaus, Tectum, Marburg 2014, ISBN 978-3-8288-3353-1, S. 240–250 (= Innsbrucker Studien zu Literatur und Film der Gegenwart. Band 9, DissertationUniversität Innsbruck 2013).
Hannes Hintermeier: Das Geheimnis des Sympathieträgers. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 9. März 2024, S.11.
↑Sie firmierte bis 2010 als jtu Jugend-Taschenbuch-Union GmbH
↑Holger Heimann: Manchmal fühle ich mich wie ein Investmentbanker. In: Börsenblatt des Deutschen Buchhandels, Heft 26 vom 1. Juli 2010, S. 22/23
↑Hannes Hintermeier: Verborgen im Karpfenteich. Den Verlag kennt jeder, den Verleger kaum einer: Warum dem dtv-Chef Wolfgang Balk das ganz recht war, zeigt sich bei seinem Abschied. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 3. Dezember 2015, S. 14.