Giselbert de Goslaria
Giselbert de Goslaria (geboren vor 1220; gestorben im Dezember 1264 oder 1266 in Goslar) war ein Ritter und Reichsvogt, der im Jahr 1227 ein Armenhospital (Goddesritterhaus) in Goslar stiftete.
Leben
Die Ritterfamilie de Goslarius, der Giselbert entstammte, soll im Gefolge Karls des Großen aus Mainfranken in das Gebiet um Goslar gekommen sein. Hier sollen sie sich am sogenannten Stapelplatz (oder Stapelhof) bei Hahndorf nördlich von Goslar zum Schutz der Kaufleute und mit der Einnahme des Wegezolls betraut worden sein. Zu diesen gehörten die Brüder Wedekind und Herezo de Stapele. Mit der Verlegung der königlichen Pfalz in Werla nach Goslar am Rammelsberg änderte die Familie ihre Bezeichnung in „de Goslaria“ um. Aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts sind insbesondere Giselbert und sein Bruder Volkmar (oder Folkmar) bekannt, die hier als Vögte eingesetzt waren. Giselbert wird in Urkunden mehrmals als lateinisch miles et civis Goslariensis ‚Soldat und Bürger Goslars‘ bezeichnet. Er bekleidete das Amt als Vogt nachweislich in den Jahren ab 1220, 1226 wurde es von Volkmar ausgefüllt und bis Juli 1227 war wieder Giselbert der Vogt und gründete an der Königsbrücke ein Hospital zur Unterbringung und Verpflegung der Armen. Nachdem König Heinrich VII. am 26. August 1227 den Schutz der Einrichtung bestätigt hatte, übertrug Giselbert das Hospital an den Deutschen Orden. Von 1236 bis 1241 wird er in den Urkunden nochmals als Vogt der Reichsvogtei genannt, dem die Verwaltung der königlichen Güter und des Königshofes anvertraut war. Zugleich war er befugt die Verwaltung und das Gericht zu leiten und besaß die militärische Befehlsgewalt.
Burchard von Wildenstein war einer seiner Söhne.[1]
Armenhospital
Die Gebäude des Hospitals des Deutschordens „St. Mariae und B. Martini“ befanden sich nahe dem rechten Ufer der Abzucht, gegenüber dem Großen Heiligen Kreuz. Es gab im Garten ein freistehendes, längliches Gebäude und zum Eingang hin zwei kleineren Häuser. Die Giebelseiten waren jeweils mit steinernen, gleichseitigen Kreuzen verziert. Giselbert hatte das Spital an der Königsbrücke gegründet, um dort 13 bedürftige Personen aufnehmen, pflegen und versorgen zu können. Der König Heinrich VII. hatte es zudem dem Schutz des Domdechanten und der Äbte vom Kloster Walkenried und dem Kloster Riddagshausen unterstellt. Die benachbarte ältere königliche Kapelle St. Spiritus wurde kurz danach mit dieser Stiftung verbunden. Das Hospital wurde von Giselbert reich ausgestattet und mit Gütern zur Versorgung versehen. Mit der aufkommenden Konkurrenz durch das 1254 gegründete städtische Neue Hospital verlor es an Bedeutung.[2][3] 1546 wurden die Gebäude des Hospitals und die Kapelle durch den Deutschorden an den Rat der Stadt Goslar verkauft, der in dem als St. Elisabethenhaus bezeichneten Gebäude die neu gegründete Lateinschule einrichtete.
1898/1899 wurde bei Räumungsarbeiten im Bereich eines alten Stalles auf dem Gelände am Hohen Weg der Gedenkstein für den Vogt Giselbert entdeckt. Die Steinplatte ist rund 2 m hoch und 80 cm breit und zeigt Giselbert in lebensgroßer, ganzer Figur, mit einem Dreiecksschild in der linken und dem Schwert als Zeichen der Vogteiwürde in der rechten Hand. Der Schild ist mit einer Umschrift versehen:
Des Weiteren ist ober- und unterhalb des Wappenfeldes, in dem sich ein doppeltes Fünfblatt mit umrankendem Stempel befindet, folgendes eingraviert:
Am Rand der Steinplatte stehen noch diese Worte:[4]
Die Grabplatte befand sich vermutlich anfangs in der alten königlichen Kapelle S. Spiritus, die Giselberts Familie gehörte und später an den Fundort verbracht worden war. Nach der Bergung wurde sie zunächst im benachbarten Großen Heiligen Kreuz[5][6] und später in die Kaiserpfalz Goslar gebracht und dort aufgestellt.
Literatur
- Urkundenbuch der Stadt Goslar und der in und bei Goslar belegenen geistlichen Stiftungen. Band 1: 922 bis 1250. Hendel, Halle 1893, S. 92–93, 106, 478–479 (digitale-sammlungen.de).
- Theodor Asche: Das Hospitale S. Spiritus. In: Die Kaiserpfalz zu Goslar im Spiegel der Geschichte und die erste Blütezeit der Stadt. 2. Auflage. Julius Brumby Verlag, Goslar 1910, S. 6–8 (Textarchiv – Internet Archive).
- Hans Gidion: Der Goslarische Reichsvogt Giselbert de Goslaria. In: Harz-Zeitschrift. Band 14, 1962, S. 155–159.
- Christina Wötzel: Giselbert (de Goslaria). In: Horst-Rüdiger Jarck, Dieter Lent u. a. (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 8. bis 18. Jahrhundert. hrsg. im Auftrag der Braunschweigischen Landschaft e. V. Appelhans Verlag, Braunschweig 2006, ISBN 3-937664-46-7, S. 264–265.
Einzelnachweise
- ↑ Die verwunschene Geschichte des Birkenkopfes im Okertal – ein Kapitel Hahndorfer Geschichte?goslarer-geschichten.de.
- ↑ Das kaiserliche Domstift und der Domsprengel. In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. T. Schulzes Buchhandlung, Hannover 1899, Abschnitt: Hospital des Deutschen Ritterordens und Kapelle des heiligen Geistes, S. 38–70, hier S. 67–70 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Käthe Woltereck: Goslar. Aus dem Leben einer 1000-jährigen Stadt. 1924, S. 139 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Das Grosse Heilige Kreuz. In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. T. Schulzes Buchhandlung, Hannover 1899, S. 195–, hier S. 203 (Textarchiv – Internet Archive – Zeichnung der Grabplatte, hier allerdings mit dem Jahr MCCXLVI = 1266 wiedergegeben): „Ano dni MCC(LXVI) mesis decembris obiit Giselbertvs advocatvs“
- ↑ Theodor Asche: Das Hospitale S. Spiritus. In: Die Kaiserpfalz zu Goslar im Spiegel der Geschichte und die erste Blütezeit der Stadt. 2. Auflage. Julius Brumby Verlag, Goslar 1910, S. 6–8 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Grabstein des Vogtes Giselbert de Goslaria id.bildindex.de.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Giselbert de Goslaria |
| ALTERNATIVNAMEN | Giselbert von Goslar |
| KURZBESCHREIBUNG | Ritter und Reichsvogt |
| GEBURTSDATUM | vor 1220 |
| STERBEDATUM | Dezember 1264 oder Dezember 1266 |
| STERBEORT | Goslar |
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