Erwin Wurm arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten an einem vielschichtigen Werk, das sich mit Erweiterung der Begriffe Plastik/Skulptur umschreiben lässt. Sein Werk umfasst Materialskulpturen, Aktionen, Videos, Fotos, Zeichnungen und Bücher. Eine der einflussreichsten Werkgruppen stellen dabei Wurms One Minute Sculptures dar. Erwin Wurm zählt zu den erfolgreichsten Gegenwartskünstlern.
Von 2002 bis 2006 lehrte er als Professor am Institut für Kunst und Kulturwissenschaften/Kunstpädagogik und von 2007 bis 2010 für Bildhauerei/Plastik und Multimedia am Institut für Bildende und Mediale Kunst der Universität für Angewandte Kunst Wien.
Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er durch seine One Minute Sculptures bekannt, für die Personen mit Alltagsgegenständen in einem überraschenden Zusammentreffen posieren, was Wurm dann durch Fotografien dokumentiert. Häufig handelt es sich dabei auch um Ausstellungsbesucher, die so innerhalb der Ausstellungssituation selbst zum Objekt ästhetischer Erfahrung werden, womit das Verhältnis von Subjekt und Objekt thematisiert ist. Populär wurden diese One Minute Sculptures unter anderem durch das Video der Gruppe Red Hot Chili Peppers zu ihrer Single Can’t Stop aus dem Jahr 2003, in dem Erwin Wurm als Inspirationsquelle genannt wird. Bekannt sind auch Wurms „Fat“-Skulpturen, die kleinbürgerliche Statussymbole wie Autos oder Einfamilienhäuser in einem „verfetteten“, aufgeblähten Zustand zeigen.
Im Herbst 2006 widmete ihm das MUMOK im MuseumsQuartier in Wien eine Ausstellung. Für Aufregung sorgte dort vor allem ein Einfamilienhaus in Originalgröße, das schräg und verkehrt am Dach des MUMOK-Gebäudes angebracht wurde. 2010 zeigte das Kunstmuseum Bonn Werke Wurms aus der Zeit von 2007 bis 2009.[1]
Auf der 54. Kunstbiennale in Venedig 2011 war Wurm mit „Narrow House“ vertreten, einem Modell seines Elternhauses, auf ein Sechstel seiner Größe in der Längsachse reduziert. „Narrow House“ war bereits 2010 in der Ausstellung in Klosterneuburg zu sehen.[2]
„Humor ist eine Waffe“, hat Erwin Wurm einmal gesagt. Doch versteht er sich nicht als Humorist, seinen Witz setzt er ein, um den „Alltag aus einer anderen Perspektive“ zu zeigen.[3] So sind seine Arbeiten von einem häufig ins Satirische gehenden skurrilen Humor getragen. Ganz in diesem Sinne gestaltete er 2008 ein „Selbstporträt als Essiggurkerl“, das sich heute im Besitz des Museums der Moderne Salzburg befindet.[4]
Für die Fastenzeit 2020 installierte Wurm im Wiener Stephansdom ein 80 Quadratmeter großes Fastentuch in Form eines violetten Strickpullovers als symbolisches Zeichen für „wärmende Nächstenliebe“.[5]
Als einer der ersten etablierten Künstler veröffentlichte Wurm Ende August 2021 zum Anlass des 20. Jubiläums seines ersten Fat Cars eine 15-sekündige Videosequenz namens Breath In, Breathe Out als NFT auf der Flow-Blockchain.[6][7] Das Werk zeigt einen Schwenk um einen scheinbar atmenden roten Porsche inmitten einer grünen Naturlandschaft und wurde über die zur König Galerie gehörigen MISA-Webseite vertrieben.[8] Die Darstellung greift die Idee Wurms der digitalen Darstellung aus der Zeit des ersten Fat Cars auf, die mit Hilfe von Opel umgesetzt werden sollte, an den damaligen technischen Möglichkeiten jedoch scheiterte.[8][9]
Im Mai 2021 wurde die knapp 60 cm große Skulptur „Kapuzenmann“ aus einer Galerie auf der Wiener Freyung, in der sie ungesichert ausgestellt war, gestohlen. Der Schaden wird mit 60.000 Euro angegeben.[13]
Berin Golonu (Hrsg.): Erwin Wurm, I love my time, I don’t like my time. Ostfildern-Ruit: Hatje Cantz 2004. ISBN 3-7757-1547-9Inhalt.
Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (Hg.): Erwin Wurm: The artist who swallowed the world. Hrsg. Ostfildern: Hatje Cantz 2006. ISBN 978-3-7757-1866-0Inhalt.
Erwin Wurm – Der Künstler, der die Welt verschluckt. Der 55 Minuten lange Fernsehfilm wurde am 30. Jänner 2013 vom deutsch-französischen Fernsehsender arte gezeigt.[18]