Digitale Brieftasche

Eine digitale Brieftasche (auch Digital Wallet[1] oder E-Wallet) ist eine Softwareanwendung, die es Nutzern ermöglicht, Guthaben oder Nachweise auf elektronischen Plattformen zu speichern und für Zahlungen für Waren und Dienstleistungen sowie als Identitätsnachweis zu nutzen. Nutzer eines E-Wallets erhalten ein Guthaben auf einem Konto (entspricht dem Auffüllen einer virtuellen „Geldbörse“) durch Einzahlung über die von ihm bevorzugte Zahlungsweise, beispielsweise per Kreditkarte, Überweisung oder Lastschrift. In der Europäischen Union werden die Betreiber solcher Plattformen als E-Geld-Institute reguliert.

Neben der Zahlungsfunktion ermöglicht eine digitale Brieftasche auf einem Mobilgerät auch die Speicherung von Wertzeichen wie Fahrkarten, Flugtickets oder Eintrittskarten in einer Mobile App. In der Europäischen Union befindet sich mit der EUDI-Wallet die Speicherung amtlicher Ausweise wie Personalausweis oder Führerschein in der Einführung.

Die digitale Brieftasche ist von einer elektronischen Geldbörse zu unterscheiden, die an einen materiellen Träger (Zahlungskarte) gebunden ist. Zu den digitalen Brieftaschen verwandt sind Krypto-Wallets, in denen Kryptowährung gespeichert werden kann.

Etymologie

Der Begriff überträgt die Brieftasche als Metapher in die digitale Welt, da die digitale und physische Brieftasche demselben Zweck dienen. Begriffe wie Digital Wallet, E-Wallet oder Mobile Wallet leiten sich vom englischen wallet für Brieftasche ab. Ein älterer Begriff ist Cyberwallet, der sich zusätzlich aus dem altgriechischen Präfix cyber- als Kunstwort für selbstregelnde Steuerungsmechanismen zusammensetzt.

Anwendung

Online-Zahlung

Mit dem virtuellen Guthaben, das sich im E-Wallet des Nutzers befindet, kann in Onlineshops oder bei Webportalen eingekauft werden. Diese Zahlungsmethode ist bei Online-Casinos, Online-Wettbüros, Auktionsplattformen wie eBay und bei Versandhändlern verbreitet. Einen speziellen Anwendungsfall stellen Micropayments dar. Bei geringwerten Gütern wie beispielsweise einzelnen Zeitschriften- oder Zeitungsartikel lohnen sich Zahlungsarten wie Kreditkarte aufgrund der Transaktionsgebühr nicht. E-Wallets können hier eine wirtschaftliche Alternative darstellen.

Vorteil für den Nutzer ist eine sofortige Bezahlung, ohne gegenüber dem Händler eine Bankverbindung herstellen zu müssen. Daneben bieten E-Wallets oft auch die Möglichkeit, Guthaben zwischen Privatpersonen kostenlos zu verschieben.

Mobile Nutzung

Bei einer Nutzung von Mobilgeräten wie Smartphones ist kontaktloses Bezahlen per Near Field Communication möglich.[2]

Neben der Zahlungsfunktion sind auch Ticketfunktionen möglich, mit der Fahrkarten, Flugtickets oder Eintrittskarten auf dem Smartphone gespeichert und per QR-Code vorgezeigt werden können. Das Vorzeigen von Ausweisen wie Personalausweis oder Führerschein soll mit der EUDI-Wallet ebenfalls ermöglicht werden.

Sicherheit

Zahlungstransaktionen werden gemäß Industriestandards wie PCI DSS verschlüsselt übertragen. Da das virtuelle Konto mit einem vorbestimmten Guthaben aufgeladen wurde, ist es nicht notwendig, bei einer Zahlung die Kreditkartendaten dem Händler offenzulegen. Somit ist das Missbrauchsrisiko geringer als bei einer direkten Kreditkartenzahlung, denn der Händler kann die Kreditkarten nicht entwenden, um damit andere Transaktionen durchzuführen.

Da jedoch persönliche Daten beim Anbieter der digitalen Brieftasche gespeichert werden, besteht das Risiko für den Diebstahl von persönlicher Anschrift oder Kreditkartendaten auf Seiten des Anbieters.

Etablierte Anbieter

Neben dem Weltmarktführer PayPal sind am deutschen Markt unter anderen die seit 2015 in der Paysafe-Gruppe vereinten Cyberwallets Skrill und Neteller sowie FidorPay der Fidor Bank aktiv. Masterpass war von 2015 bis 2019 in Deutschland aktiv.[3]

In der Schweiz konnte sich bisher Twint etablieren.

Im Bereich der digitalen Identifikation und Ausweise bieten fast alle großen Technologieunternehmen wie Apple, Google und Microsoft entsprechende Anwendungen an. 2023 gründete die Linux Foundation die OpenWallet Foundation (OWF) zur Förderung der Interoperabilität von Wallets.[4]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. The CFPB Office of Competition & Innovation and Office of Markets: Big Tech's Role in Contactless Payments: Analysis of Mobile Device Operating Systems and Tap-to-Pay Practices. In: Consumer Financial Protection Bureau. 7. September 2023, abgerufen am 22. Mai 2026 (englisch).
  2. Follmer, Sebastian: Was ist Google Wallet? Einfach erklärt. In: chip.de. CHIP Magazin, 8. August 2023, abgerufen am 22. Mai 2026.
  3. René Hesse: Mastercard schließt Masterpass in Deutschland. In: mobiflip.de. 4. Oktober 2019, abgerufen am 30. Oktober 2019.
  4. Paul Sawers: Linux Foundation Europe launches the OpenWallet Foundation to power interoperable digital wallets. In: TechCrunch. 23. Februar 2023, abgerufen am 25. Februar 2023 (amerikanisches Englisch).

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