Desulfobulbus

Desulfobulbus

Desulfobulbus propionicus Typstamm 1pr3T

Systematik
Domäne: Bakterien (Bacteria)
Abteilung: Thermodesulfobacteriota
Klasse: Desulfobulbia
Ordnung: Desulfobulbales
Familie: Desulfobulbaceae
Art: Desulfobulbus
Wissenschaftlicher Name
Desulfobulbus
Widdel 1988

Desulfobulbus ist eine Gattung von Bakterien. Die Arten können verschiedene organische Verbindungen, wie beispielsweise Propionsäure oder Alkohole als Kohlenstoff- und Energiequelle nutzen. Hiervon werden Elektronen zu bestimmten Schwefelverbindungen, wie beispielsweise Sulfat, übertragen und Sulfid bzw. Schwefelwasserstoff gebildet. Die Arten zählen also zu den dissimilatorischen sulfatreduzierenden Mikroorganismen, sie führen die Desulfurikation durch. Es handelt sich um eine anaerobe Atmung: Anstatt wie bei der „normalen“ Atmung Sauerstoff, werden hierbei die Schwefelverbindungen als Elektronenakzeptoren genutzt. Einige Arten sind auch zur Disproportionierung von Schwefelverbindungen und der Schwefeloxidation in der Lage.[1] Auch zu der Fermentation (Gärung) sind die Arten fähig. Besonders die Art Desulfobulbus propionicus ist aufgrund ihrer bedeutenden Rolle im Schwefelkreislauf aquatischer Sedimente, ihres breiten Substratspektrums und ihrer Vielseitigkeit bei der Nutzung verschiedener Stoffwechselwege von großem Interesse.[2] Die Arten kommen in sauerstoffarmen Bereichen von Süßwasser, Brackwasser und marinen Lebensräumen vor und wurden auch aus Pansen, Tiermist und Klärschlamm isoliert.[1]

Merkmale

Die Zellen der Arten von Desulfobulbus sind eiförmig bis stäbchenförmig oder zitronenförmig mit zugespitzten Enden. Andere Arten weisen eine eher stäbchenförmige Gestalt und weniger spitze Enden auf. Sie kommen einzeln, paarweise oder in Ketten vor. Sporenbildung wird nicht beobachtet. Die Bakterien sind gramnegativ: Die Zelle sind von einer Doppelmembran mit einer dazwischen liegenden, dünnen Mureinschicht umgeben. Sie sind entweder durch ein einzelnes polares Flagellum beweglich oder unbeweglich. Der Typstamm von D. propionicus ist unbeweglich, elektronenmikroskopische Aufnahmen dieses Stammes zeigten das Vorhandensein von Pili, aber keine Flagellen. Kolonien auf anaeroben Agarmedien sind weißlich bis gräulich und glatt.[1]

Stoffwechsel und Wachstum

Propionat-Ion
1-Propanol
Lactat-Ion
Pyruvat-Ion

Die Arten von Desulfobulbus nutzen relativ kleine Verbindungen wie Propionat, Ethanol, 1-Propanol oder auch Lactat oder Pyruvat als Elektronendonatoren und Kohlenstoffquellen. Diese organische Verbindungen werden unvollständig zu Acetat und Kohlendioxid (CO2) oxidiert. Die Arten zählen zu den dissimilatorischen Sulfatreduzierer: Sulfat, Sulfit und häufig auch Thiosulfat dienen als terminale Elektronenakzeptoren und werden hierbei zu Schwefelwasserstoff (H2S) reduziert. Neben Desulfobulbus wird die Stoffwechselvariante der unvollständigen Oxidation zu Acetat beispielsweise noch bei Desulfomicrobium, Desulfotomaculum und Desulfovibrio beobachtet. Andere Schwefelreduzierer sind dem hingegen dazu in der Lage die Substrate vollständig zu CO2 zu oxidieren. Hierzu zählen Arten von Desulfobacter, Desulfobacterium, Desulfococcus und Desulfonema. Hierbei sind Enzyme tätig, die vom reduktiven Acetyl-CoA Weg (der oxidative Wood-Ljungdahl-Weg) bekannt sind. Diese Arten können das Acetyl-CoA, welches durch den Abbau von Fettsäuren durch β-Oxidation gebildet wird, vollständig zu CO2 verstoffwechseln.

Arten von Desulfobulbus können auch mit Wasserstoff (H2) als Elektronendonator wachsen, jedoch nicht chemoautotroph, Acetat ist in Gegenwart von Bicarbonat als Kohlenstoffquelle notwendig, es handelt sich also um ein chemolithoheterotrophes Wachstum.

Malat

Fehlt ein externer Elektronenakzeptor, kann das Wachstum je nach Art durch Fermentation (Gärung) von Lactat, Pyruvat, niedermolekularen Alkoholen, Malat oder Fumarat erfolgen.[1]

Die Art Desulfobulbus propionicus kann auch Nitrat und Eisen(III) als terminale Elektronenakzeptoren nutzen, die zu Ammoniak bzw. Eisen(II) reduziert werden. Das Wachstum von D. propionicus mit elementarem Schwefel als Elektronendonator und Fe(III) als Sulfidsenke und/oder Elektronenakzeptor verläuft jedoch sehr langsam.[2]

Vertreter der Gattung sind auch in der Lage Schwefelverbindungen durch die Disproportionierung und durch Oxidation zu nutzen.

Wachstum der einzelnen Arten findet bei Temperaturen zwischen 10 und 43 °C statt. Desulfobulbus propionicus hat ein optimales Wachstumstemperatur von 39 °C, andere Stämme weisen niedrigere Temperaturoptima von 28 bis 31 °C auf. Der pH-Bereich für das Wachstum liegt zwischen 6,0 und 8,6, mit einem Optimum von 7,2–7,6. Die Art D. alkaliphilus ist obligat alkaliphil und wächst bei pH 8,2–10,2, mit einem Optimum bei pH 9,4. Sie toleriert NaCl-Werte von zwischen 5,8 und 88 g/l. Die meisten Arten benötigen Süßwasser als Nährmedium. Desulfobulbus elongatus wächst am besten bei einer Natriumchlorid-Konzentration von 2 bis 5 g/l, während D. rhabdoformis und einige Stämme von D. propionicus 15–20 g NaCl benötigen.[1]

Es folgt eine Tabelle mit Merkmalen einiger Arten:[1]

Desulfobulbus alkaliphilus[3] Desulfobulbus elongatus[4] Desulfobulbus oligotrophicus[5] Desulfobulbus propionicus[6] Desulfobulbus rhabdoformis[7]
Morphologie Ovaler oder zitronenförmiger Stab Stange Ovalförmige Stäbe Ovaler oder zitronenförmiger Stab Stange
Zellgröße (µm) 1,0–1,5 × 2,0–2,5 0,6–1,0 × 1,5–2,5 0,9–1,0 × 1,6–2,2 1,0–1,3 × 1,5–2,0 0,6–1,0 × 1,7–3,5
Motilität + + +
GC-Gehalt (mol%) 52,8 (Tm) 59 (Tm), 61,7 (Genom) 51,7 (HPLC) 59,9 (Tm), 58,9 (Genom) 50,6 (HPLC)
Hauptmenachinon MK-5(H 2 ) MK-5(H 2 ) MK-5(H 2 ) MK-5(H 2 ) MK-5(H 2 )
Optimaler pH-Wert 9.4 7.0 7.6 7.2 6,8–7,2
Optimale Temperatur (°C) 33 31 35 39 31
Optimale NaCl-Konzentration (g/l) 11.7 0–1 2–5 0–1 15–20
Oxidation des Substrats Unvollständig Unvollständig Unvollständig Unvollständig Unvollständig
Verbindungen, die als Elektronendonatoren und Kohlenstoffquellen verwendet werden
H2 / CO2 a +b + b +b
Format a
Acetat a
Fettsäuren C3b C3 C3 C3 C3
Ethanol a + + +
Andere Alkoholika a n-Propanol n-Propanol n-Propanol
Laktat a + + + +
Pyruvat + + + + +
Fumarat a +
Succinat a +
Malat a +
Andere Nr
Fermentatives Wachstum a + + + +
Disproportionierung reduzierter Schwefelverbindungen a + Sulfit +d Nr
Verwendete Elektronenakzeptoren
Sulfat + + + + +
Sulfit + + + + +
Thiosulfat c + + + +
Schwefel c d Nr
Andere Nr Nitrat
  • Symbole: −, negativ; +, positiv; Nr, nicht angegeben; Tm, „melting temperature“ von DNA, Temperatur, bei der sich die beiden DNA-Stränge trennen (Denaturierung); HPLC, „High-Performance Liquid Chromatography“ (Flüssigchromatographie).
  • a D.Y. Sorokin, persönliche Mitteilungen.
  • b Nur in Gegenwart von Acetat.
  • c Unter nichtwachsenden Bedingungen wird es zu Sulfid reduziert.
  • d Schwefel kann in Gegenwart von Fe(III) disproportioniert werden.

Disproportionierung

Bei Desulfobulbus propionicus, D. elongatus und D. oligotrophicus wurde ein langsames Wachstum durch Disproportionierung von Schwefel beobachtet, wenn Acetat als Kohlenstoffquelle zugeführt wurde.[1][8][9][10] Hierbei wird elementarer Schwefel zu Sulfat und Sulfid disproportioniert. Dieser Prozess wird durch die Anwesenheit von Mangan(IV) beschleunigt. Die Sulfidoxidation bei D. propionicus verläuft zweiphasig: Zunächst erfolgt die Oxidation zu elementarem Schwefel, anschließend die Disproportionierung zu Sulfid und Sulfat. Desulfobulbus propionicus war das erste Bakterium, bei dem die Disproportionierung beschrieben wurde.[2]

Thiosulfat

Bei der Disproportionierung werden Schwefelverbindungen eines mittleren Oxidationszustandes verwendet. Die Verbindung wird in eine stärker oxidierte Verbindungen, wie Sulfat, und in eine stärker reduzierte Verbindung, wie Schwefelwasserstoff oder Sulfid, überführt. Ein Schwefelatom von Thiosulfat wird also höher oxidiert, während das andere Atom weiter reduziert wird.[11] Die Oxidation von Substraten führt üblicherweise zur Bildung von Acetat als Endprodukt. Die an dieser Art der „anorganischen Fermentation“ (engl.: „inorganic fermentation“) oder „Mineralfermentation“ (engl.:„mineral fermentation“) beteiligten Mikroorganismen sind in verschiedenen Phyla vertreten: Thermodesulfobacteria, Firmicutes (Bacillota), Gammaproteobacteria und Deltaproteobacteria.[12][13][14][15] Letztere gelten allgemein als eine Linie von Sulfatreduzierern.[16] Darüber hinaus ist die Fähigkeit zur Disproportionierung anorganischer Schwefelverbindungen relativ häufig bei Sulfatreduzierern.

Schwefeloxidation

Die Art Desulfobulbus propionicus wurde ursprünglich als strikt anaerober chemoorganotropher Organismus beschrieben. Später wurde entdeckt, das D. propionicus auch in der Lage ist, in Gegenwart von Sauerstoff wachsen und dabei Sulfid, elementaren Schwefel, Sulfit oder Polysulfid zu Sulfat zu oxidieren. Die Art zählt also auch zu den schwefeloxidierenden Bakterien. Desulfobulbus propionicus bildet hierbei hauptsächlich Thiosulfat aus elementarem Schwefel.[2][17][18]

Genetik

Von den Typstämmen von D. propionicus und D. elongatus wurde die gesamte DNA sequenziert. Das Genom von D. propionicus ist fast 3,9 Megabasenpaare groß und kodiert für 3.351 Proteine und 57 stabile RNAs.[2] Das Genom des Typstamms von D. elongatus ist 3.961.953 bp groß und kodiert für 3.490 Proteine und 75 stabile RNAs. Die dissimilatorische Adenosin-5'-phosphosulfat-Reduktase (AprBA) ist ein Schlüsselenzym im Sulfatreduktionsweg, das die reversible Zwei-Elektronen-Reduktion von Adenosin-5'-phosphosulfat ( APS ) zu Sulfit und Adenosinmonophosphat (AMP) katalysiert.[19] In beiden Genomen ist eine einzelne Kopie des aprBA-Gens vorhanden und direkt mit qmoABC verknüpft.

Ökologie

Basierend auf 16S-rRNA-Gensequenzen in Datenbanken kommt Desulfobulbus im sauerstoffarmen Schwarzschlamm von Süßwassergräben und -seen, in Sodaseen, in Brackwasser und marinen Lebensräumen vor. Es findet sich außerdem in der Pansenflüssigkeit von Rindern, im Darmtrakt von Tieren sowie im anaeroben Schlamm von Tiermistdeponien und Kläranlagen.

Der Stamm 1pr3T „Lindhorst“ von Desulfobulbus propionicus wurde 1981 von Fritz Widdel aus anaerobem Schlamm eines Dorfgrabens in Lindhorst bei Hannover isoliert.[20] Weitere Stämme wurden aus anaerobem Schlamm eines Waldteichs bei Hannover und aus einem Wattgebiet der Jadebusen, aus anaerobem Gezeitensediment der Ems-Dollard-Mündung in den Niederlanden sowie aus einem mit Bergwerkssedimenten und Granulatschlamm beimpften sulfatreduzierenden Wirbelschichtreaktor isoliert.[2]

A) Transkriptmengen wichtiger Gene, die an der Disproportionierung anorganischer Schwefelverbindungen in „Candidatus Desulfobulbus rimicarensis“ beteiligt sind. (B) Disproportionierung anorganischer Schwefelverbindungen und Energieerhaltung in „Candidatus Desulfobulbus rimicarensis“. Die Transkriptmengen sind auf die Genlänge und die Gesamtzahl der Reads pro Datensatz (FPKM) normiert. Abkürzungen: AprAB, Adenylylsulfat-Reduktase; Sat, Sulfuradenylyltransferase; DsrABCD, dissimilatorische Sulfit-Reduktase vom reversen Typ; PhsAB, Thiosulfat-Reduktase; DsrMKJOP, Sulfitreduktions-assoziierter Komplex; QmoABC, mutmaßliche chinoninteragierende membrangebundene Oxidoreduktase; SUL, Sulfat-Permease; APS, Adenylylsulfat.

Der Typstamm APS1 von Desulfobulbus alkaliphilus wurde mit Propionat und Sulfat aus Sedimenten eines Sodasees in der Altai-Region, Russland, isoliert. Die Art alkaliphil („salzliebend“), es zeigt noch Wachstum bei 88 g/l NaCl.[1] Der Typstamm von D. elongatus wurde aus einem anaeroben Bioreaktor mit Propionat und Sulfat als selektiven Substraten isoliert. Desulfobulbus oligotrophicus wurde aus einem kommunalen mesophilen anaeroben Klärschlammfaulbehälter der Kläranlage in der Stadt Marrakesch in Marokko und Desulfobulbus rhabdoformis aus einem Wasser-Öl-Trennsystem auf dem Deck der Plattform Statfjord A im norwegischen Sektor der Nordsee isoliert.[1] Der Typstamm SM40T von D. aggregans wurde aus einem Meeressediment in der Region Skhira im Golf von Gabes isoliert, wobei Lactat als Kohlenstoffquelle und Elektronendonator und Sulfat als Elektronenakzeptor verwendet wurden.[21]

Stoffwechselwege bei „Candidatus Desulfobulbus rimicarensis“, rekonstruiert anhand des Genom-Entwurfs. Biosynthetische Aminosäuren sowie zentrale Vitamine und Cofaktoren sind auf rosa Hintergrund rot dargestellt. Gen-Transkripte mit hoher Expression sind violett hervorgehoben, während Gene mit mäßiger Transkriptmenge orange dargestellt sind. Abkürzungen: G1P, Glucose-1-phosphat; G6P, Glucose-6-phosphat; PRPP, Phosphoribosylpyrophosphat; PEP, Phosphoenolpyruvat; PG, Phosphoglycerat; Ala, Alanin; Arg, Arginin; Asn, Asparagin; Asp, Aspartat; Gln, Glutamin; Glu, Glutamat; Gly, Glycin; Ile, Isoleucin; Leu, Leucin; Lys, Lysin; Phe, Phenylalanin; Pro, Prolin; Ser, Serin; Thr, Threonin; Trp, Tryptophan; Tyr, Tyrosin; Val, Valin; His, Histidin; Met, Methionin; Cys, Cystein; Cah, Carboanhydrase; PorA, Pyruvat-Flavodoxin-Oxidoreduktase; PpsA, Phosphoenolpyruvat-Synthase; Tal, Transaldolase; Eno, Enolase; GapA, Glyceraldehyd-3-phosphat-Dehydrogenase; PycA, Pyruvat-Carboxylase; GltA, Citrat-Synthase; AcnA, Aconitat-Hydratase; Amt, Ammoniumtransporter; Urt, Harnstoff-ABC-Transporter; GlnA, Glutamin-Synthetase; GlnK, NifHD-Stickstoff-Regulationsprotein P-II; Glt, Glutamat-Synthase; ActP, Acetat-Permease; PTS, Phosphotransferase-System; Nuo, NADH-Ubichinon-Oxidoreduktase; DmsE, Decaheme-C-Typ-Cytochrom; CydAB, Cytochrom-d-Ubichinol-Oxidase; SDH, Succinat-Dehydrogenase; Cyt bc1, Cytochrom-bc1-Typ-Ubichinol-Oxidoreduktase; Cyt bd, bd-Typ-Cytochrom-Oxidase.

Die Art „Candidatus Desulfobulbus rimicarensis“ kommt innerhalb der Tiefseegarnele Rimicaris exoculata vor. In einem vergrößerten Teil des Cephalothoraxes dieser Garnelenart befindet sich eine dichte epibiotische, chemolithoautotrophe Bakteriengemeinschaft. Diese spielen eine wichtige Rolle in der Ernährung von R. exoculata. Das Bakterium nutzt den Wood-Ljungdahl-Weg zur Kohlenstoffassimilation und gewinnt hierbei Energie durch die Schwefeldisproportionierung. Dies unterscheidet sie deutlich von anderen Garnelen-Epibionten. Desulfobulbus rimicarensis ist vermutlich zur Stickstofffixierung fähig, ist aber besonders aktiv in der direkten Aufnahme von Ammoniak und Harnstoff aus dem Wirt oder der hydrothermalen Umgebung. Weiterhin lässt er sich von seinen freilebenden Verwandten durch verschiedene Merkmale unterscheiden, wie beispielsweise das Fehlen von Chemotaxis und Beweglichkeit, eine drastische Reduktion der Biosynthese-Gene für extrazelluläre Polysaccharide, eine Anreicherung von Genen, die für die Kohlenstofffixierung und den Schwefelstoffwechsel benötigt werden, sowie eine Resistenz gegenüber Umweltgiften.[12]

Mögliche Nutzung

Die Art Desulfobulbus propionicus ist in der Lage, gelöste Schwermetalle zu binden. Hier wurde die Wirkung auf die Metalle Cadmium (Cd2+) und Blei (Pb2+) und eine mögliche Anwendung zur Biomineralisation untersucht. Durch die Reduktion von Sulfat wird Schwefelwasserstoff bzw. Sulfid gebildet:

Diese Stoffe reagieren wiederum mit den Schwermetallen Cadmium und Blei und bilden somit Cadmiumsulfid und Bleisulfid:

Diese Verbindungen sind praktisch im Wasser unlöslich fallen als feste Verbindungen aus und lassen sich somit vom Wasser trennen was diesen Mechanismus für die Reinigung von mit diesen Metallen kontaminierten Wasser ermöglicht.[22]

Chemotaxonomie

Bei den meisten Arten wurden membrangebundene und lösliche Cytochrome vom Typ b und c identifiziert. Alle beschriebenen Arten von Desulfobulbus enthalten Desulforubidin als Sulfitreduktase und Menachinon-5(H2) als vorherrschendes Chinon. Das Enzym Desulforubidin dient dazu, innerhalb der Sulfatatmung Sulfit zu H2S reduzieren. Dieses Enzym tritt hauptsächlich bei der Ordnung Desulfobulbaceae auf. Eine andere Sulfidreduktase ist beispielsweise Desulfoviridin, das z. B. bei der Art Fundidesulfovibrio putealis gefunden wurde und Desulfofuscidin (z. B. bei Thermodesulforhabdus der Syntrophobacteraceae).[23][24]

Systematik

Die Gattung Desulfobulbus wurde im Jahr 1981 von Fritz Widdel mit der Art Desulfobulbus propionicus eingeführt. Sie zählt zu der Familie Desulfobulbaceae.[25]

Einige früher hier geführte Arten wurden anderen Gattungen zugeteilt. So werden die Arten Desulfobulbus japonicus, D. marinus, D. mediterraneus nun der neu eingeführten Gattung Desulfogranum zugeordnet. Diese Gattung zählt ebenfalls zu der Familie Desulfobulbaceae.[26] Der Gattungsname leitet sich vom neulateinischen Wort „desulfo-“ ab, was „entschwefeln“ bedeutet, und dem lateinischen Wort „bulbus“, was „eine Knolle oder eine Zwiebel“ bedeutet, was den „zwiebelförmigen Sulfatreduzierer“ ergibt.[2]

Arten von Desulfobulbus wachsen gut auf Sulfat und Propionat, wobei letzteres ein charakteristisches organisches Substrat für die Gattung darstellt. Die Verdopplungszeiten betragen hier ca. 10 Stunden. Andere sulfatreduzierende Bakterien, wie beispielsweise Desulfococcus multivorans, Desulfosarcina variabilis oder Arten von Desulfobacterium, können ebenfalls Propionat verwerten, diese Organismen oxidieren das Propionat jedoch vollständig und wachsen zudem langsamer als Desulfobulbus. Eine zuverlässige Differenzierung erfordert eine vergleichende 16S-rRNA-Gensequenzanalyse.

Es folgt eine Liste der Arten (Stand 2. Juli 2026):[25]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i Alexander Galushko, Jan Kuever: Desulfobulbus (16. September 2019) In: Bergey's Manual of Systematics of Archaea and Bacteria. 1. Auflage. Wiley, 2015, ISBN 978-1-118-96060-8, doi:10.1002/9781118960608.gbm01023.pub2 (englisch).
  2. a b c d e f g Ioanna Pagani, Alla Lapidus, Matt Nolan, Susan Lucas, Nancy Hammon, Shweta Deshpande, Jan-Fang Cheng, Olga Chertkov, Karen Davenport, Roxane Tapia, Cliff Han, Lynne Goodwin, Sam Pitluck, Konstantinos Liolios, Konstantinos Mavromatis, Natalia Ivanova, Natalia Mikhailova, Amrita Pati, Amy Chen, Krishna Palaniappan, Miriam Land, Loren Hauser, Yun-Juan Chang, Cynthia D. Jeffries, John C. Detter, Evelyne Brambilla, K. Palani Kannan, Olivier D. Ngatchou Djao, Manfred Rohde, Rüdiger Pukall, Stefan Spring, Markus Göker, Johannes Sikorski, Tanja Woyke, James Bristow, Jonathan A. Eisen, Victor Markowitz, Philip Hugenholtz, Nikos C. Kyrpides, Hans-Peter Klenk: Complete genome sequence of Desulfobulbus propionicus type strain (1pr3T). In: Standards in Genomic Sciences. Band 4, Nr. 1, 20. Februar 2011, ISSN 1944-3277, S. 100–110, doi:10.4056/sigs.1613929, PMID 21475592, PMC 3072085 (freier Volltext) – (englisch).
  3. Dimitry Yu. Sorokin, Tatjana P. Tourova, Anzhela N. Panteleeva, Gerard Muyzer: Desulfonatronobacter acidivorans gen. nov., sp. nov. and Desulfobulbus alkaliphilus sp. nov., haloalkaliphilic heterotrophic sulfate-reducing bacteria from soda lakes. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 62, Pt_9, 1. September 2012, ISSN 1466-5026, S. 2107–2113, doi:10.1099/ijs.0.029777-0 (englisch).
  4. E. Samain, H.C. Dubourguier, G. Albagnac: Isolation and characterization of Desuljobulbus elongatus sp. nov. from a mesophilic industrial digester. In: Systematic and Applied Microbiology. Band 5, Nr. 3, Oktober 1984, ISSN 0723-2020, S. 391–401, doi:10.1016/s0723-2020(84)80040-5 (englisch).
  5. Abdelaziz El Houari, Magali Ranchou-Peyruse, Anthony Ranchou-Peyruse, Adrien Dakdaki, Marion Guignard, Lahcen Idouhammou, Rhizlane Bennisse, Radia Bouterfass, Rémy Guyoneaud, Abdel-Illah Qatibi: Desulfobulbus oligotrophicus sp. nov., a sulfate-reducing and propionate-oxidizing bacterium isolated from a municipal anaerobic sewage sludge digester. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 67, Nr. 2, 1. Februar 2017, ISSN 1466-5026, S. 275–281, doi:10.1099/ijsem.0.001615 (englisch).
  6. Widdel, F. (1980) Anaerober Abbau von Fettsäuren und Benzoesäure durch neu isolierte Arten sulfat-reduzierender Bakterien. PhD thesis. Georg-August-Universität zu Göttingen. Lindhorst/Schaumburg-Lippe. Göttingen.
  7. T. Lien, M. Madsen, I. H. Steen, K. Gjerdevik: Desulfobulbus rhabdoformis sp. nov., a sulfate reducer from a water-oil separation system. In: International Journal of Systematic Bacteriology. Band 48, Nr. 2, 1. April 1998, ISSN 0020-7713, S. 469–474, doi:10.1099/00207713-48-2-469 (englisch).
  8. P. H. Janssen, Alexandra Schuhmann, F. Bak, Werner Liesack: Disproportionation of inorganic sulfur compounds by the sulfate-reducing bacterium Desulfocapsa thiozymogenes gen. nov., sp. nov. In: Archives of Microbiology. Band 166, Nr. 3, 13. September 1996, ISSN 0302-8933, S. 184–192, doi:10.1007/s002030050374 (englisch).
  9. Friedrich Widdel, Gert-Wieland Kohring, Frank Mayer: Studies on dissimilatory sulfate-reducing bacteria that decompose fatty acids. In: Archives of Microbiology. Band 134, Nr. 4, Juli 1983, ISSN 0302-8933, S. 286–294, doi:10.1007/bf00407804 (englisch).
  10. Abdelaziz El Houari, Magali Ranchou-Peyruse, Anthony Ranchou-Peyruse, Adrien Dakdaki, Marion Guignard, Lahcen Idouhammou, Rhizlane Bennisse, Radia Bouterfass, Rémy Guyoneaud, Abdel-Illah Qatibi: Desulfobulbus oligotrophicus sp. nov., a sulfate-reducing and propionate-oxidizing bacterium isolated from a municipal anaerobic sewage sludge digester. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 67, Nr. 2, 1. Februar 2017, ISSN 1466-5026, S. 275–281, doi:10.1099/ijsem.0.001615 (englisch).
  11. Walter Reineke, Michael Schlömann: Kreisläufe von Schwefel, Eisen und Mangan. In: Umweltmikrobiologie. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2020, ISBN 978-3-662-59654-8, S. 321–343, doi:10.1007/978-3-662-59655-5_8.
  12. a b Lijing Jiang, Xuewen Liu, Chunming Dong, Zhaobin Huang, Marie-Anne Cambon-Bonavita, Karine Alain, Li Gu, Shasha Wang, Zongze Shao: “Candidatus Desulfobulbus rimicarensis,” an Uncultivated Deltaproteobacterial Epibiont from the Deep-Sea Hydrothermal Vent Shrimp Rimicaris exoculata. In: Applied and Environmental Microbiology. Band 86, Nr. 8, April 2020, S. e02549–19, doi:10.1128/AEM.02549-19, PMID 32060020, PMC 7117923 (freier Volltext) – (englisch).
  13. Ken Takai, Koki Horikoshi: Thermosipho japonicus sp. nov., an extremely thermophilic bacterium isolated from a deep-sea hydrothermal vent in Japan. In: Extremophiles. Band 4, Nr. 1, 10. Februar 2000, ISSN 1431-0651, S. 0009–0017, doi:10.1007/s007920050132 (englisch).
  14. Bradley E. Jackson, Michael J. McInerney: Thiosulfate Disproportionation by Desulfotomaculum thermobenzoicum. In: Applied and Environmental Microbiology. Band 66, Nr. 8, August 2000, ISSN 0099-2240, S. 3650–3653, doi:10.1128/aem.66.8.3650-3653.2000 (englisch).
  15. Anna Y. Obraztsova, Chris A. Francis, Bradley M. Tebo: Sulfur Disproportionation by the Facultative Anaerobe Pantoea agglomerans SP1 as a Mechanism for Chromium(VI) Reduction. In: Geomicrobiology Journal. Band 19, Nr. 1, Januar 2002, ISSN 0149-0451, S. 121–132, doi:10.1080/014904502317246219 (englisch).
  16. Kai Finster: Microbiological disproportionation of inorganic sulfur compounds. In: Journal of Sulfur Chemistry. Band 29, Nr. 3-4, 1. August 2008, ISSN 1741-5993, S. 281–292, doi:10.1080/17415990802105770.
  17. Simone Dannenberg, Michael Kroder, Waltraud Dilling, Heribert Cypionka: Oxidation of H2, organic compounds and inorganic sulfur compounds coupled to reduction of O2 or nitrate by sulfate-reducing bacteria. In: Archives of Microbiology. Band 158, Nr. 2, Juli 1992, ISSN 0302-8933, S. 93–99, doi:10.1007/BF00245211 (englisch).
  18. Heribert Cypionka, Friedrich Widdel, Norbert Pfennig: Survival of sulfate-reducing bacteria after oxygen stress, and growth in sulfate-free oxygen-sulfide gradients. In: FEMS Microbiology Letters. Band 31, Nr. 1, Februar 1985, S. 39–45, doi:10.1111/j.1574-6968.1985.tb01129.x (englisch).
  19. Birte. Meyer, Jan Kuever: Phylogeny of the alpha and beta subunits of the dissimilatory adenosine-5′-phosphosulfate (APS) reductase from sulfate-reducing prokaryotes – origin and evolution of the dissimilatory sulfate-reduction pathway. In: Microbiology. Band 153, Nr. 7, 1. Juli 2007, ISSN 1350-0872, S. 2026–2044, doi:10.1099/mic.0.2006/003152-0 (englisch).
  20. Friedrich Widdel, Norbert Pfennig: Studies on dissimilatory sulfate-reducing bacteria that decompose fatty acids II. Incomplete oxidation of propionate by Desulfobulbus propionicus gen. nov., sp. nov. In: Archives of Microbiology. Band 131, Nr. 4, Juni 1982, ISSN 0302-8933, S. 360–365, doi:10.1007/BF00411187 (englisch).
  21. Hanen Kharrat, Fatma Karray, Manon Bartoli, Wajdi Ben Hnia, Najla Mhiri, Marie-Laure Fardeau, Feten Bennour, Lotfi Kamoun, Didier Alazard, Sami Sayadi: Desulfobulbus aggregans sp. nov., a Novel Sulfate Reducing Bacterium Isolated from Marine Sediment from the Gulf of Gabes. In: Current Microbiology. Band 74, Nr. 4, 17. Februar 2017, ISSN 0343-8651, S. 449–454, doi:10.1007/s00284-017-1211-4 (englisch).
  22. Qianyanyu Chen, Qi Min, Hui Wu, Li Zhang, Youbin Si: Biomineralization of Cd2+ and Pb2+ by sulfate-reducing bacteria Desulfovibrio desulfuricans and Desulfobulbus propionicus. In: Frontiers in Environmental Science. Band 13, 8. Mai 2025, ISSN 2296-665X, doi:10.3389/fenvs.2025.1591564 (frontiersin.org [abgerufen am 4. Juli 2026]).
  23. Bergey's Manual of Systematics of Archaea and Bacteria. 1. Auflage. Wiley, 2015, ISBN 978-1-118-96060-8, doi:10.1002/9781118960608.gbm01886 (englisch).
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