Craugastor andi
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Craugastor andi | ||||||||||||
| (Savage, 1974) |
Craugastor andi, auf Englisch als Atlantic Robber Frog oder Yellow-legged Rain Frog[1] bezeichnet, ist eine Art innerhalb der Familie der Craugastoridae und gehört zur Gattung Craugastor. Im Spanischen wird er als Rana de Hojarasca bezeichnet; im Tschechischen ist der Name bezblanka kordillerská gebräuchlich.[1] Ein etablierter deutscher Name ist nicht bekannt.
Beschreibung
Craugastor andi gehört zur fitzingeri-Artengruppe innerhalb der Gattung Craugastor.[2][3] Die Kopf-Rumpf-Länge (SVL) beträgt bei Männchen bis zu 55 mm, bei Weibchen bis zu 80 mm; Weibchen sind deutlich größer als Männchen.[2]
Es handelt sich um einen kräftigen, mittelgroßen bis großen Frosch mit langen, muskulösen Beinen. Die Schnauze ist lang und elliptisch. Das Trommelfell ist deutlich sichtbar; sein Durchmesser beträgt bei Männchen etwa zwei Drittel, bei Weibchen etwa die Hälfte des Augendurchmessers. Die Rückenhaut ist glatt bis fein granuliert, ohne deutlich vergrößerte Tuberkel.[2]
Ein charakteristisches Merkmal der Art sind die stark vergrößerten, abgestutzten und eingebuchteten Haftscheiben an den zwei äußeren Fingern jeder Hand; die zwei inneren Finger tragen nur leicht erweiterte, runde Haftscheiben. Die Hände sind ohne Schwimmhaut. Die Zehenscheiben sind nur wenig breiter als die Zehen; zwischen den Zehen ist mäßig viel Schwimmhaut vorhanden.[2]
Die Rückenfärbung ist einheitlich bis gefleckt dunkelbraun, manchmal mit einem hellen Mittelrückenstreifen (jedoch nie als breiter Streifen). Die Unterseiten von Brust und Gliedmaßen sind stark dunkel gefleckt oder gepunktet. Ein charakteristisches Merkmal ist ein heller Mittelkehlstreifen. Die Bauchseite ist gelblich, unter den Hinterbeinen oft leuchtend gelb, gelegentlich lachsrot überhaucht. Die Lippen sind mit mehreren hellen Bändern oder unregelmäßigen Flecken gezeichnet. Ein besonders auffälliges Erkennungsmerkmal sind die tief schokoladenbraunen Oberschenkelrückseiten, die mit leuchtend gelben Flecken und/oder vertikalen Bändern gezeichnet sind; diese Zeichnung kann sich auch auf die Oberseiten der Oberschenkel erstrecken.[2]
Ähnliche Arten
Craugastor andi kann mit mehreren verwandten Arten verwechselt werden:[2]
- Craugastor fitzingeri: teilt viele diagnostische Merkmale, hat jedoch eine höckrige Rückenhaut, keine eingebuchteten Fingerscheiben, ist kleiner und trägt gelegentlich einen breiten Mittelrückenstreifen (aber nie einen schmalen Pinstreifen).
- Craugastor cuaquero: weist ein geflecktes Leistenmuster auf, ist kleiner und hat weniger Schwimmhaut zwischen den Zehen.
- Craugastor crassidigitus: ist kleiner; die Oberschenkelrückseiten sind einheitlich braun gefärbt, ohne gelbe Flecken oder vertikale Bänder.
Verbreitung
Craugastor andi ist endemisch in Costa Rica und kommt auf dem atlantischen Abhang der Gebirgsketten Cordillera de Guanacaste, Tilarán, Central und dem nordöstlichen Teil der Cordillera de Talamanca vor.[2][4] Die genaue Höhenverbreitung wird unterschiedlich angegeben: Die IUCN nennt 900–1.300 m ü. NN,[4] Leenders gibt 1.000–1.200 m an,[2] während die Amphibian Species of the World einen Bereich von 830–1.500 m verzeichnet.[3] Ein Vorkommen im äußersten westlichen Panama wird in manchen Quellen erwähnt,[3][5] von der IUCN jedoch nicht bestätigt.[4]
Lebensweise
Craugastor andi ist eine nachtaktive Art prämontaner Regenwälder und Nebelwälder. Die Art lebt baumbewohnend und wurde tagsüber in Bromelien mehrere Meter über dem Boden gefunden. Die Art hält sich bevorzugt in der Nähe von Fließgewässern auf. Zu Beginn der Regenzeit steigen adulte Männchen aus ihren baumbewohnenden Rückzugsorten herab und bewegen sich in Richtung nahegelegener Bachläufe. Paarung und Eiablage finden vermutlich in der Laubstreu oder einem anderen feuchten Mikrohabitat in Gewässernähe statt, wonach die Adulten in das Blätterdach zurückkehren.[2]
Über die Ernährung dieser Art sind keine Daten verfügbar.
Fortpflanzung
Wie andere Arten der Gattung Craugastor weist C. andi eine direkte Entwicklung auf, bei der die Jungtiere ohne freies Kaulquappen-Stadium aus den Eiern schlüpfen.[4][2] Die Eier werden am Boden abgelegt, in der Laubstreu oder einem sonstigen feuchten Mikrohabitat in Bachnähe.[2]
Gefährdung
Craugastor andi wird von der IUCN auf der Roten Liste der gefährdeten Arten als „vom Aussterben bedroht“ (Critically Endangered, CR) – möglicherweise ausgestorben (Possibly Extinct) – geführt. Die Bewertung wurde am 10. September 2019 durchgeführt und 2020 veröffentlicht. Die geschätzte Zahl adulter Individuen beträgt 0–49; der Populationstrend gilt als abnehmend.[4]
Die Art war einst regelmäßig im Monteverde Cloud Forest Preserve und in der San Ramón Reserve anzutreffen, wurde jedoch seit 1990 trotz intensiver Nachsuchen an keinem ihrer bekannten Fundorte mehr nachgewiesen. In Cascajal (Provinz San José) wurde sie seit 1972 bei jährlichen Bestandserhebungen nicht mehr gefunden. Surveys in den Jahren 2010 und 2019 im Jardín Bosque Nuboso Nectandra und im El Silencio de Los Angeles Cloud Forest Reserve erbrachten ebenfalls keinen Nachweis. Es ist möglich, dass die Art bereits ausgestorben ist.[4][2]
Da die Art in Schutzgebieten mit ungestörten Wäldern vorkam, scheidet Habitatvernichtung als Hauptursache des Rückgangs aus. Als wahrscheinlichste Ursache gilt die Chytridiomykose durch den Pilz Batrachochytrium dendrobatidis (Bd), möglicherweise in Kombination mit dem Klimawandel. Bd wurde in Museumsexemplaren der Art nachgewiesen.[4][2]
Große Teile des bekannten Verbreitungsgebiets liegen innerhalb von Schutzgebieten. Als Schutzmaßnahme wird die Einrichtung einer Ex-situ-Population durch Gefangenschaftszucht empfohlen; weitere Bestandserhebungen an allen historischen Fundorten sind dringend erforderlich.[4]
Systematik und Taxonomie
Die Art wurde im Jahr 1974 von Jay M. Savage als Eleutherodactylus andi erstmals beschrieben. Der Holotyp (LACM 76858) stammt aus Costa Rica, Provinz San José, Cantón Coronado, 0,8 km nördlich der Mündung des Río Claro in den Río La Hondura, auf 1.150 m ü. NN.[3] Die Art wurde 2005 von Crawford und Smith in die Gattung Craugastor überführt.[3][4]
Sie gehört zur Craugastor fitzingeri-Artengruppe.[2][3]
Folgende Synonyme sind bekannt:[3][1]
- Eleutherodactylus andi Savage, 1974 (Basionym)
- Eleutherodactylus (Craugastor) andi
- Craugastor (Craugastor) andi
Einzelnachweise
- ↑ a b c Craugastor andi in der GBIF Backbone Taxonomy. Abgerufen am 21. Mai 2026.
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n Craugastor andi Twan Leenders: Amphibians of Costa Rica. A Field Guide. Comstock Publishing Associates, Cornell University Press, Ithaca und London 2016, S. 229–230. Abgerufen am 11. Mai 2026.
- ↑ a b c d e f g Craugastor andi Amphibian Species of the World 6.1, an Online Reference. American Museum of Natural History. Abgerufen am 21. Mai 2026.
- ↑ a b c d e f g h i Craugastor andi in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2020. Eingestellt von: IUCN SSC Amphibian Specialist Group, 2019. Abgerufen am 20. Mai 2026.
- ↑ Craugastor andi bei Map of Life. Abgerufen am 21. Mai 2026.
Literatur
- Crawford, A.J. and Smith, E.N. 2005. Cenozoic biogeography and evolution in direct-developing frogs of Central America (Leptodactylidae: Eleutherodactylus) as inferred from a phylogenetic analysis of nuclear and mitochondrial genes. Molecular Phylogenetics and Evolution 25: 536–555.
- Savage, J.M. 1974. Eleutherodactylus andi, new species. Herpetologica 30: 295.
- Savage, J.M. 2002. The Amphibians and Reptiles of Costa Rica: A Herpetofauna between two Continents, between two Seas. University of Chicago Press, Chicago, S. 237–238.
- Twan Leenders: Amphibians of Costa Rica. A Field Guide. Comstock Publishing Associates, Cornell University Press, Ithaca und London 2016, S. 229–230.
Weblinks
- Craugastor andi in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2020. Eingestellt von: IUCN SSC Amphibian Specialist Group, 2019.
- Craugastor andi bei AmphibiaWeb, University of California, Berkeley.
- Craugastor andi bei Amphibian Species of the World, American Museum of Natural History.
- Craugastor andi bei Map of Life.
- Craugastor andi bei Animal Diversity Web.
- Craugastor andi bei GBIF.
- Craugastor andi bei iNaturalist.
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