Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt in der Ukraine. Das gleichnamige Dorf siehe unter Butscha (Dorf), den gleichnamigen Fluss unter Butscha (Fluss).
Die heutige Stadt entstand als Siedlung um eine Bahnstation, die hier Ende des 19. Jahrhunderts an der heutigen Bahnstrecke Kowel–Kiew erbaut wurde. Der Name bezog sich auf den hier die Bahnstrecke kreuzenden Fluss Butscha. Bis zum 9. Februar 2006 war Butscha eine Siedlung städtischen Typs und der südlich gelegenen Stadt Irpin untergeordnet, danach wurde ihr der Stadtstatus zuerkannt und sie unter Oblastverwaltung gestellt.[4][5]
Im Rahmen der Verwaltungsreform vom 18. Juli 2020 wurde Butscha Verwaltungssitz eines neu gebildeten, gleichnamigen Rajons.[6]
Während des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 wurde Butscha als Teil der Offensive auf Kiew ein Ort von Kriegshandlungen. Am 27. Februar suchte die Ukraine gezielt eine russische Militärkolonne.[7] Sie wurde in Butscha gefunden und zerstört;[8] ansonsten erfolgte außer punktuellem Widerstand um den 5. März keine organisierte Verteidigung Butschas,[9] so dass es von russischen Truppen eingenommen wurde. Eine Gemeinderätin erklärte, dass die Ukraine, obwohl die russischen Truppen von Butscha aus Irpin beschossen hätten, nicht militärisch geantwortet hätte und somit die Zerstörung der Stadt verhindert worden sei.[9] Nach dem Rückzug der russischen Truppen am 31. März wurden in der Stadt zahlreiche Leichen von Zivilisten gefunden.[10] Die genaue Zahl der Toten war Anfang April noch unklar. Nach Angaben des Bürgermeisters von Butscha mussten 280 Leichen in Massengräbern beigesetzt werden, weil die drei Friedhöfe der Stadt noch in der Reichweite des russischen Militärs lagen. Nach Aussagen von Einwohnern sollen russische Soldaten ohne erkennbare Provokation auf Zivilisten geschossen haben.[11][12] Augenzeugen berichteten über die gezielte Tötung von Zivilisten durch russische Soldaten.[13] Einige der Opfer wiesen Spuren von Folter auf. Mehrere Frauen wurden vergewaltigt.[14] Russland bestreitet die Tötung von Zivilisten.[15][16] Butscha wurde zum weltweiten Medienthema.[17][18]
Bis August 2022 (Schlussbilanz) wurden 458 Leichen gefunden, von denen 419 Anzeichen dafür trugen, dass die Opfer erschossen, gefoltert oder erschlagen worden waren. 39 scheinen eines natürlichen Todes gestorben zu sein. Fast alle Toten waren Zivilisten.[19][20]
Verwaltungsgliederung
Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Butscha (Бучанська міська громада/Butschanska miska hromada). Zu dieser zählen auch die 2 Siedlungen städtischen Typs Babynzi und Worsel sowie die 11 in der untenstehenden Tabelle aufgelisteten Dörfer[21], bis dahin bildete sie die gleichnamige Stadtratsgemeinde Butscha (Бучанська міська рада/Butschanska miska rada) im Norden des Rajons Kiew-Swjatoschyn, war jedoch kein Teil desselben, sondern direkt der Oblastverwaltung unterstellt.
Am 17. Juli 2020 kam es im Zuge einer großen Rajonsreform zum Anschluss des Rajonsgebietes an den Rajon Butscha[22].
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Butscha Teil der Gemeinde:
Anna Kowalenko (* 1991), Politikerin, Aktivistin und Journalistin
Literatur
Galina Kossuth: Butschaer Tagebuch: zum hundertjährigen Jubiläum von Butscha. Herausgegeben von Leonhard Kossuth, NoRa, Berlin 2010, ISBN 978-3-86557-238-7.
Weblinks
Commons: Butscha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
↑Serhii Plokhy: Der Angriff: Russlands Krieg gegen die Ukraine und seine Folgen für die Welt. HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH, 2023, ISBN 978-3-455-01589-8.
↑Massengräber in Butscha – Bürgermeister von Kiewer Vorort berichtet von fast 300 Toten nach russischem Rückzug. In Der Tagesspiegel. 2. April 2022, abgerufen am 2. April 2022.