Die Gemeinde liegt am Beginn des Leitzachtales auf einer Seehöhe zwischen 750 und 1884 Metern inmitten der bayerischen Voralpen. Das Talgebiet ist landwirtschaftlich geprägt, das übrige Gemeindegebiet gebirgig mit zahlreichen Almflächen und großen Waldgebieten. Markantester Berg und Hausberg von Bayrischzell ist der Wendelstein, höchster Berg ist die Rotwand. Neben der Leitzach gibt es zahlreiche weitere Bäche sowie den im Gebirge gelegenen Soinsee.
Lage
Bayrischzell liegt im Mangfallgebirge zwischen Schliersee im Westen und Oberaudorf im Osten. Der Ort befindet sich am Fuß des Wendelsteins, zu Füßen des Sudelfelds (gegenüber dem Arzmoos-Tal) und unterhalb des Sudelfeldpasses. Er liegt am Nordausgang des Ursprungtals. Im Süden grenzt die Gemeinde an Tirol (Gemeinde Thiersee), der Grenzübergang befindet sich am Ursprungpass (Bäckeralm). Im Norden liegt Fischbachau. Der Ort befindet sich 23 km südöstlich von Miesbach, 25 km nordwestlich von Kufstein und 20 km westlich von Oberaudorf. Im westlichen Gemeindegebiet nahe der Grenze zur Gemeinde Schliersee liegen das Taubensteinhaus auf 1567 Meter Höhe sowie das Rotwandhaus (1737 m).
Etwa 500 und 700 nach Christus entstanden Rodungen im heutigen Gemeindegebiet.
Im Jahr 1076 gründete an dieser Stelle die Gemahlin Haziga des Pfalzgrafen Otto II. von Scheyern-Wittelsbach eine Eremitenklause mit der Kapelle Margarethenzell. 1079 wurde diese in ein Kloster umgewandelt, das allerdings bereits 1085 nach Fischbachau verlegt wird.
Durch seine Nähe zu Tirol war Bayrischzell (Innernzell oder Die Zell) sowohl in den Spanischen und ÖsterreichischenErbfolgekriegen als auch in den Napoleonischen Kriegen Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen auch örtlicher Gebirgsschützen mit den Tirolern. 1811/12 wurde Die Zell (oder Margarethenzell) eine selbständige Pfarrkuratie. Seit 1832 wird der Ort offiziell Bayrischzell genannt. Am 5./6. Dezember 1846 fand dort ein Haberfeldtreiben mit über 100 Treibern statt. Um 1900 setzte allmählich der Fremdenverkehr ein. Das heutige Wappen soll mit den silbernen Rauten an die enge historische Beziehung zu den Wittelsbachern erinnern.
Nachdem um 1900 eine Leitzachtalbahn München–Westerham–Bayrischzell projektiert wurde, ist seit dem 1. Oktober 1911 in Bayrischzell der Endbahnhof der Bahnstrecke Schliersee–Bayrischzell in Betrieb,[5] seit 1970 auch die Talstation Bayrischzell-Osterhofen der Wendelstein-Seilbahn.
Siedlungs- und Einwohnerentwicklung
Historische Ortsteile waren Ambach, Bayer47.6793512.00156, Brunn47.677712.0052, Forsthaus47.6777612.00939, Heißenbauer47.6924811.95612, Jäger47.6797711.99275, Kloaschau47.6270711.97886, Lechner47.6816311.99249, Leiten, Mainwolf47.6810711.99751, Oberberg47.6870111.98931, Oberlarch47.6759812.02199, Ried47.6925811.96761, Strein47.6761712.00894, Tann47.6732412.02336, Tannmühl und Utz47.6737312.00465.[6]
Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Einwohnerzahl von 1570 auf 1610 um 40 Einwohner bzw. um 2,6 %.
Politik
Gemeinderat
Bei der Gemeinderatswahl 2014 stellten die CSU, die Freien Wähler, die Bürgervereinigung Gemeinsam für Bayrischzell und die Ständevereinigung eine Gemeinsame Liste auf. Alle zwölf Gemeinderäte kommen von dieser Liste. Die Wahlbeteiligung lag bei 67,9 Prozent.[7]
Blasonierung: „Über blauem Schildfuß, darin drei stehende silberne Rauten, in Blau ein silberner, aus der Teilungslinie emporsteigender Berg, belegt mit einem schwarzen Gemsenkopf.“[9]
Das Wappen wird seit 1959 geführt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Freizeit- und Sportanlagen
Das angrenzende Sudelfeld mit 19 Liftanlagen und rund 31 km präparierten Abfahrten ist eines der bekanntesten Skigebiete im bayerischen Alpenraum und das größte zusammenhängende Skigebiet Deutschlands. Es ist vom Ort aus mit der Sesselbahn zu erreichen.[10]
Der Wendelstein ist seit 1970 unter anderem durch die Seilbahn von Bayrischzell-Osterhofen aus zu erreichen. Das Wendelsteiner Skigebiet ist mit seinen etwa 10 km Pisten ein Geheimtipp für geübte Fahrer.
Im Winter stehen für Langlaufsportler 96 km gespurte Loipen zur Verfügung. Im Sommer sind auf einer Länge von 28 km mehrere Nordic-Walking-Touren abgesteckt.
Außerdem gibt es ein geheiztes Freischwimmbad, Tennisplätze und eine Minigolf-Anlage und im Winter einen Eisplatz und eine Eisstockbahn.
Bayrischzell liegt direkt an der Bundesstraße 307 (Miesbach – Tatzelwurm (Sudelfeld)) sowie an der Staatsstraße 2075 (Bayrischzell – Bäckeralm (Ursprungpass), weiter nach Thiersee (Tirol)).
Seit Mai 2024 hält der DAV BergBus (Linie 396) Richtung Hinterthiersee und Bahnhof München Ost in Bayerischzell. Die Buslinie wird nur während der Sommersaison am Wochenende bedient und liegt komplett im Tarifgebiet des MVV.[11]
Der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband wurde als Arbeitsgemeinschaft deutscher Sportreferenten noch vor der Konstituierung der Bundesrepublik am 2. April 1948 in Bayrischzell gegründet.[12]
In der Nacht zum 26. Juni 2006 wurde der BraunbärJJ1, alias Bruno, der im Mai 2006 von Italien über Tirol nach Bayern einwanderte, auf der 1500 m hohen Kümpflalm in der Nähe der Rotwand im Spitzingseegebiet im Gemeindebereich Bayrischzell von zwei Jägern und einem Polizisten durch einen Lungenschuss auf 150 m Entfernung getötet. Der präparierte Braunbär wird seit April 2008 im Münchener Museum Mensch und Natur ausgestellt.
Im Herbst 2007 drehte Regisseur Rainer Kaufmann in der Umgebung von Bayrischzell den ZDF-Fernsehfilm Das Beste kommt erst. In den 1980er Jahren wurde in Bayrischzell auch Erben will gelernt sein gedreht. Derzeit ist Bayrischzell Drehort der Fernsehserie Frühling.
Weitere Persönlichkeiten mit Bezug zu Bayrischzell
Hugo Junkers (1859–1935), Ingenieur, lebte in den 1930er Jahren hier im Arrest
Friedrich Veit (1861–1948), evangelischer Theologe, hier gestorben
Albert Einstein (1879–1955), lädt 1914 seine damalige Freundin und zukünftige Frau Elsa (geb. Löwenthal) zu sich nach Bayrischzell ein, wo er Gast war[13]
Philipp Harth (1885–1968), Bildhauer, hier gestorben
Hermann Göring (1893–1946), nationalsozialistischer Politiker, lebte in den frühen 1920er Jahren in Bayrischzell
Lotte Pichler (* 1933), Umweltaktivistin und Sportfunktionärin, arbeitet und lebt in Bayrischzell
Blick auf das Ortszentrum
Gemeindeteil Geitau (mittig) mit Wendelstein-Seilbahn
Blick vom Wendelstein auf Bayrischzell (links), dahinter südlich das Ursprungtal, mittig der Seeberg, davor das Leitzachtal
Bahnhofsgebäude
Literatur
Bayrischzell, Landkreis Miesbach, Oberbayern, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie alter Landkarte der Umgebung von Bayrischzell).
↑Gemarkungs- und Gemeindeverzeichnis. Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, 14. Juli 2020, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Februar 2021; abgerufen am 29. Januar 2021.Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ldbv.bayern.de