Uwe Kemmesies

Uwe Kemmesies (2025)

Uwe Kemmesies (* 3. März 1964 in Coesfeld) ist ein deutscher Soziologe. Er ist wissenschaftlicher Direktor beim Bundeskriminalamt, Koordinator des MOTRA-Forschungsverbundes (Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung) und Professor an der Hochschule Fresenius in Wiesbaden. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich kriminologischer Forschung zu Radikalisierungs- und Extremismusphänomenen und zum Konsum (illegaler) Drogen.

Leben

Berufliche Laufbahn

Uwe Kemmesies studierte zwischen 1984 und 1989 Soziologie, Pädagogik und Psychologie an der Universität Münster, bevor 1996 die Promotion zum Dr. phil. an der Universität Bremen erfolgte.

Seit 1986 ist Kemmesies als Sozialwissenschaftler tätig – zunächst im Feld der Drogenforschung. Er wirkte als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Soziologie und Sozialpädagogik der Universität Münster an der ersten sozialwissenschaftlichen Studie in Deutschland zu kontrolliertem Gebrauch von illegalen Drogen und zu selbstinitiiertem und -organisiertem Ausstieg aus der Abhängigkeit von illegalen Drogen mit.[1] Aus diesem universitären Forschungsprojekt ging das Institut zur Förderung qualitativer Drogenforschung, akzeptierender Drogenarbeit und rationaler Drogenpolitik (INDRO e.V.[2]) hervor, zu dessen Gründungsmitgliedern Kemmesies gehört und für das er bis 1996 als Projektleiter über Drittmittel geförderte Forschungsarbeiten – insbesondere zum Phänomen offener Drogenszenen – durchführte.

Von 1997 bis 2003 war Kemmesies als wissenschaftlicher Angestellter in Forschung und Lehre an der Goethe-Universität Frankfurt am Main tätig. Er initiierte innovative Studien zum Umgang mit illegalen Drogen. Unter anderem konzipierte er im Auftrag der Stadt Frankfurt die am Centre for Drug Research der Goethe-Universität durchgeführte Längsschnittstudie Montoringsystem Drogentrends (MoSyD)[3], die bis heute fortgeführt wird – seit 2024 durch das Institut für Suchtforschung Frankfurt Main (ISFF)[4]. Ferner initiierte und leitete er eine über vier Jahre durch die Volkswagenstiftung geförderte Studie zum (kontrollierten) Drogenkonsum im bürgerlichen Milieu.[5]

2003 nahm Kemmesies eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kriminalistischen Institut des Bundeskriminalamts auf. Vor dem Hintergrund des in westlichen Staaten zunehmend in den Fokus rückenden religiös-islamistisch motivierten Terrorismus war er dort mit dem Aufbau eines entsprechenden Forschungsschwerpunkts betraut. Aus dieser Entwicklung ging im Jahr 2005 die Einrichtung der Forschungsstelle Terrorismus/Extremismus[6] hervor, die er von der Gründung bis zum Jahr 2024 als wissenschaftlicher Direktor leitete. Dort initiierte er u. a. über ein internationales Symposium unter dem Titel Monitoring Terrorism/Extremism – Prospects for Phenomena Monitoring on European Level das European Expert Network on Terrorism Issues[7] und den im Rahmen der zivilen Sicherheitsforschung durch das BMFTR (seit 2019) sowie BMI (seit 2020) und BMBFSFJ (2025) geförderten MOTRA-Forschungsverbund, dessen Koordinator er ist.

Von 2014 bis 2016 lehrte Kemmesies am Institut für Politikwissenschaft der Philipps-Universität Marburg als Lehrbeauftragter. Seit 2024 ist er als Gründungsdirektor des Institut für angewandte Radikalisierungsforschung und Extremismusprävention (in_rex)[8] nebenamtlich an der Hochschule Fresenius in Wiesbaden tätig.

Kemmesies ist wissenschaftlich und politisch beratend tätig (s.u. Beiratstätigkeiten).[9] Seine Forschungstätigkeit hat in politischen Gruppen des linken und rechten Lagers immer wieder stärkere Reaktionen ausgelöst – insbesondere sein Vortrag auf einem Extremismus-Kongress der AfD in Berlin im Jahr 2017, bei dem er sich öffentlich von den politischen Positionen der AfD distanzierte.[10][11][12] Zur Sicherung wissenschaftlicher Transparenz und zur Dokumentation wissenschaftlicher Neutralität wurde sein Vortrag mit weitergehenden Quellenangaben auf der Homepage des Bundeskriminalamt veröffentlicht.[13] Aufgrund seiner Rolle als Koordinator des Forschungsverbundes und Verantwortlichkeit für den MOTRA-Forschungsverbund entsprechend dem § 5 des TMG wurde er auf dem der Neuen Rechten zugeordneten Internetportal Recherche D als Gegner gelistet.[14]

Familie

Uwe Kemmesies ist mit der Künstlerin Andrea Kemmesies verheiratet und hat mit ihr zwei Kinder. Unter dem Eindruck der Corona-Krise initiierte er gemeinsam mit seiner Frau eine Spendenaktion – die Kunst zu helfen[15][16] – in Wiesbaden und gab mit Gerhard Trabert einen Leseband – Solidarität in Zeiten von Corona und darüber hinaus – heraus, der sich als ein Plädoyer für nachhaltige Armutsbekämpfung versteht.

Beiratstätigkeiten (Auswahl)

  • Seit 2025 Mitglied in dem von der EU-Kommission eingesetzten Research Committee des EU Knowledge Hub on Prevention of Radicalisation[17]
  • Seit 2022 Mitglied im Praxisbeirat des Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ)[18]
  • Seit 2008 Angehöriger des Steuerungskomitee des European Expert Network on Terrorism Issues (EENeT, s Einzelnachweis Nr. 8)
  • 2021 Mitglied in dem vom Bundesministerium des Innern eingesetzten multidisziplinären Expertenkreis Politischer Islamismus[19]

Schriften (Auswahl)

Monographien

  • Zwischen Rausch und Realität. Drogenkonsum im Bürgerlichen Milieu. VS Verlag, Wiesbaden 2004, ISBN 978-3-53114187-9.
  • Kompulsive Drogengebraucher in den Niederlanden und Deutschland: die offene Drogenszene in Amsterdam und Frankfurt am Main. VWB, Berlin 1996, ISBN 978-3-86135-066-8 (zugleich Dissertationsschrift, Universität Bremen).

Herausgeberschaften

Commons: Uwe E. Kemmesies – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Weber G., Schneider (1992) Herauswachsen aus der Sucht illegaler Drogen: Selbstheilung, kontrollierter Gebrauch und therapiegestützter Ausstieg. Forschungsbericht der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Institut für Soziologie und Sozialpädagogik i.G. Im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. https://d-nb.info/947689869
  2. INDRO e.V. Abgerufen am 2. August 2026.
  3. Kemmesies, U., Werse, B., Müller, O., Prinzleve, M. (2023) Drogentrends in Frankfurt am Main 2003 . Jahresbericht MoSyD. Im Auftrag des Drogenreferats der Stadt Frankfurt am Main. https://www.fb04.uni-frankfurt.de/57482320/MoSyD_Daten (abgerufen am 15. Juli 2026)
  4. Forschungsprojekte ISFF. Abgerufen am 2. August 2026.
  5. Rezensiert von Stephan Quensel – Uwe Kemmesies: […] Drogenkonsum im bürgerlichen Milieu. https://www.socialnet.de/rezensionen/3600.php (abgerufen am 15. Juli 2026)
  6. Bundeskriminalamt - Forschungs- und Beratungsstelle Terrorismus/Extremismus (FTE) (abgerufen am 17. Juli 2026)
  7. Welcome to the information portal of the European Expert Network on Terrorism Issues. Abgerufen am 17. Juli 2026.
  8. in_rex. Abgerufen am 17. Juli 2026.
  9. Anhörung zu MOTRA, Innenausschuss des Deutschen Bundestages am 25. März 2026 (https://www.bundestag.de/resource/blob/1156624/to030.pdf – abgerufen am 17. Juli 2026); Anhörung zu ‚Linksextremismus‘, Innenausschuss des Hessischen Landtages am 16. November 2026
  10. Maria Fiedler: Nachhilfe in Extremismus. In: Der Tagesspiegel 19. März 2017, abgerufen am 16. Juli 2026.
  11. Benjamin Konietzny: Afd bemüht sich um Debatte und Selbstkritik. In: ntv 18. März 2026, abgerufen: 16. Juli 2026.
  12. Toralf Staud: Extremismus auf dem „Extremismuskongress“. In: Die Zeit 19. März 2017, abgerufen am 16. Juli 2026.
  13. Kemmesies: Was treibt Extremismus und Terrorismus. Vortrag auf dem AfD-Extremismus-Kongress, 18. März 2017 - https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/AktuelleInformationen/WasTreibtExtremismusUndTerrorismus.html (abgerufen am 17. Juli 2026)
  14. Recherche D: Gegner – Uwe Kemmesies (abgerufen am 17. Juli 2026)
  15. Mirjam Ulrich: Kunst trotz Krise (abgerufen am 15. Juli 2026)
  16. Anke Hollingshaus: Spendenaktion für Bedürftige in der Corona-Krise (Interview) (abgerufen am 15. Juli 2026)
  17. EU Knowledge Hub on Prevention of Radicalisation. Abgerufen am 15. Juni 2026.
  18. Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt/Personen. Abgerufen am 17. Juli 2026.
  19. Bundesministerium des Innern eingesetzten multidisziplinären Expertenkreis Politischer Islamismus/Personen. Abgerufen am 17. Juli 2026.

Content Disclaimer

Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.

  1. The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
  2. There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
  3. It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
  4. Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
  5. Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.