Synode von Pisa

Die Synode von Pisa (1135) wurde im Mai 1135 von Papst Innozenz II. im Zuge seines kirchenpolitischen Konflikts mit dem Gegenpapst Anaklet II. einberufen. Es handelte sich um kein ökumenisches Konzil, sondern um eine bedeutende Regionalsynode.
Vorgeschichte und Kontext
Im Jahr 1130, in der Nacht des Todes von Papst Honorius II., wählten sechzehn Kardinäle Innozenz II. zum neuen Oberhaupt der Kirche. Nur wenige Stunden später trat ein weiteres Konklave aus zwanzig Kardinälen zusammen und bestimmte Anaklet II. zum Papst. Keine der beiden Wahlen entsprach den damaligen kirchenrechtlichen Vorgaben, die zu dieser Zeit ohnehin nicht eindeutig definiert waren. In der Geschichtswissenschaft wird diese Doppelwahl einerseits als Ausdruck der tiefen Rivalität zwischen den beiden mächtigen römischen Adelsfamilien der Frangipani (Unterstützer von Innozenz) und der Pierleoni (Unterstützer von Anaklet) gedeutet. Andererseits spiegelte sie einen tiefen ideologischen Graben innerhalb des Kardinalskollegiums wider: Während die jüngeren Kardinäle seit dem Wormser Konkordat (1122) die innere Erneuerung der Kirche anstrebten, sahen die älteren Kardinäle das Ziel der Gregorianischen Reform primär darin, dem Kaiserreich immer weitere Zugeständnisse abzuringen.
Anaklet II., der fest mit Roger II. von Sizilien verbündet war, konnte sich in Rom behaupten und regierte dort acht Jahre lang. Innozenz II. musste aus Italien fliehen und suchte Zuflucht in Frankreich. Dort gelang es ihm, die Unterstützung von König Ludwig VI. zu gewinnen, der im Oktober 1130 das Regionalkonzil von Clermont einberief. Auf diesem Konzil wurde Innozenz II. durch den einflussreichen Abt Bernhard von Clairvaux zum rechtmäßigen Pontifex erklärt und Anaklet II. exkommuniziert. Im folgenden Jahr präsidierte Innozenz das Regionalkonzil von Reims, auf dem er den Kirchenbann (Anathem) über Anaklet erneuerte.
Zwar konnte Innozenz II. im Jahr 1133 im Gefolge von Kaiser Lothar III. von Supplinburg kurzzeitig nach Rom zurückkehren, er musste die Stadt jedoch bald wieder verlassen und zog sich nach Pisa zurück, das ihm als neuer Zufluchtsort diente.
Verlauf und Beschlüsse der Synode
Im Mai 1135 eröffnete Innozenz II. die Synode in Pisa. Auf der Synode (im Englischen, Französischen und Italienischen spricht man vom Konzil) manifestierte sich ein enges Bündnis zwischen dem Papst, Bernhard von Clairvaux und dem noch jungen Templerorden. Die Expansion der Templer in Italien war eng an den Sieg der Fraktion um Innozenz II. geknüpft, der dem Orden sehr gewogen war. Bernhard von Clairvaux trat auf der Synode publizistisch und rhetorisch scharf gegen die Gegenpartei auf.
Das Konzil endete im Juni 1135 und fasste folgende wesentliche Beschlüsse:
- Bekämpfung des Schismas: Die kirchenrechtlichen Sanktionen gegen die gegnerische Fraktion wurden erneuert. Sowohl der Gegenpapst Anaklet II. als auch sein wichtigster weltlicher Verbündeter, Roger II. von Sizilien, wurden erneut mit dem Kirchenbann belegt.
- Absetzung wegen Simonie: Das Konzil setzte den Fürstbischof von Lüttich, Alexander I., wegen des Vorwurfs der Simonie (Kauf von geistlichen Ämtern) ab.
- Verurteilung von Häresie: Der radikale Wanderprediger Heinrich von Lausanne (auch bekannt als Heinrich von Cluny) wurde wegen häretischer Lehren verurteilt und inhaftiert.
Folgen
Das Schisma endete im Jahr 1138 mit dem Tod Anaklets II. Dessen kurzzeitiger Nachfolger Viktor IV. dankte nach wenigen Monaten auf Druck Bernhards von Clairvaux ab, woraufhin Innozenz II. allgemein als einziges legitimes Oberhaupt der katholischen Kirche anerkannt wurde.
Um den Beschlüssen von Clermont, Reims und Pisa die höchste rechtliche Feierlichkeit und universelle Gültigkeit zu verleihen, berief Innozenz II. im Jahr 1139 das Zweite Laterankonzil ein, das als Ökumenisches Konzil die Dekrete von Pisa endgültig bestätigte.
Literatur
- Dieter von der Nahmer: Die Synode von Pisa 1135. In: Studi Medievali. Serie 3, Vol. 13, 1972, S. 123–156.
- Stefan Weiß: Die Urkunden der päpstlichen Legaten im Zeitalter des Schismas von 1130. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 1994.
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