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Sara Levy, geboren als Sara Itzig (geboren 19. Juni1761 in Berlin; gestorben 11. Mai1854 in Berlin[1]) war eine deutsche Cembalistin, Mäzenin und Musikaliensammlerin. Ihr Salon war der Treffpunkt der bedeutendsten Musiker und Gelehrten Berlins, und sie ist vor allem auch als Philanthropin bekannt geworden.
Abraham Mendelssohn Bartholdy, der Gatte ihrer Nichte Lea, kannte Carl Friedrich Zelter seit seiner Kindheit, da dieser im Hause seines Vaters Moses Mendelssohn verkehrte. Sara Levy drang darauf, dass Zelter der Lehrer von Abrahams älteren Kindern, Fanny und Felix, wurde. Von ihr erhielt Zelter manche wertvollen Handschriften von Kompositionen der Bach-Familie zum Geschenk. Zudem hat sie in ihrem Testament ihre umfangreiche und kostbare, aus Handschriften und Erstdrucken bestehende Musikbibliothek der Singakademie vermacht. 1854, unmittelbar nach ihrem Tod, wurden diese Schätze aus Geldnot an die Berliner Staatsbibliothek für einen Schleuderpreis verkauft. Aber schon zu Lebzeiten hatte sie der Singakademie große Teile ihrer Notensammlung zur Verfügung gestellt.
Sara Levy wird von ihren Zeitgenossen, unter anderem Louis Pierre Edouard Bignon, dem Gesandten Napoleons, als hochgebildete, charakterfeste und überaus wohltätige Frau geschildert. Sie setzte sich für die Berliner Waisenhäuser ein und vermachte diesen nach ihrem Tod 20.000 Taler. Anders als die meisten ihrer Verwandten, die zum Christentum konvertierten, blieb sie dem jüdischen Glauben zeit ihres Lebens treu.
Musik und Philosophie bildeten ihre Hauptinteressen. Sie hatte keine Kinder, kümmerte sich jedoch um einige ihrer Neffen und Nichten, darunter, neben den Mendelssohn-Kindern, um den späteren Juristen Julius Eduard Hitzig und den Münzsammler Benoni Friedländer.
Literatur
Bach-Archiv Leipzig, Internationale Mendelsohn-Stiftung (Hg.): „Bach-Kultus“ in Berlin um 1800. Sara Levy und ihr musikalisch-literarischer Salon (Katalog zur Ausstellung im Gartenhaus des Mendelssohn-Hauses Leipzig vom 30. Oktober bis 15. Dezember 2002), Leipzig 2002.
Martina Bick: Musikerinnen der Familie Mendelssohn (= Reihe Jüdische Miniaturen, Band 202), Berlin 2017.
Rebecca Cypess, Nancy Sinkoff (Hrsg.): Sara Levy's World: Gender, Judaism, and the Bach Tradition in Enlightenment Berlin. Woodbridge 2018.
Petra Wilhelmy-Dollinger: „Emanzipation durch Geselligkeit: Die Salons jüdischer Frauen in Berlin zwischen 1780 und 1830“. In: Marianne Awerbuch und Stefi Jersch-Wenzel (Hrsg.): Bild und Selbstbild der Juden Berlins zwischen Aufklärung und Romantik. Berlin 1992, S. 21–138.
Petra Wilhelmy-Dollinger: „Musikalische Salons in Berlin 1815–1840“. In: Hans-Günter Klein (Hg.): Die Musikveranstaltungen bei den Mendelssohns – Ein musikalischer Salon? Die Referate des Symposions am 2. September 2006 in Leipzig (= Leipzig – Musik und Stadt – Studien und Dokumente, Band 2), Leipzig 2006, S. 17–34.
Peter Wollny: „‚Ein förmlicher Sebastian und Philipp Emanuel Bach-Kultus‘. Sara Levy, geb. Itzig und ihr musikalisch-literarischer Salon“. In: Anselm Gerhard (Hrsg.): Musik und Ästhetik im Berlin Moses Mendelssohns (= Wolfenbütteler Studien zur Aufklärung, Band 25). Tübingen 1999, ISBN 3-484-17525-7, S. 217–255.
Peter Wollny: „Sara Levy and the Making of Musical Taste in Berlin“. The Musical Quarterly Vol. 77, No. 4 (1993), S. 651–688.
Cornelia Bartsch: Artikel „Sara Levy“. In: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 14. März 2018.
Hanna Bergmann und Freia Hoffmann: Artikel „Levy, Sara, geb. Itzig“. In: Europäische Instrumentalistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts. Online-Lexikon des Sophie Drinker Instituts, hrsg. von Freia Hoffmann, 2007/2022.
↑Petra Wilhelmy: Der Berliner Salon im 19. Jahrhundert. (1780–1914) (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, Band 73). Berlin u. a. 1989, ISBN 3-11-011891-2, S.719 (zugleich: Universität Münster, Dissertation, 1987).
↑Petra Wilhelmy-Dollinger: Die Berliner Salons. Mit historisch-literarischen Spaziergängen. Berlin u. a. 2000, ISBN 3-11-016414-0, S.147.