Von seinem Vater übernahm er die Güter Löthain und Neumark, auf denen er Erb-, Lehn- und Gerichtsherr war. Zum Gut Löthain gehörten mehrere Gruben, in denen Kaolin, das für die Porzellanherstellung in der Porzellanmanufaktur Meißen benötigt wird, und Ton abgebaut wurden. Der Familientradition folgend war Römer darüber hinaus an verschiedenen weiteren bergbaulichen Unternehmungen im Königreich Sachsen beteiligt.[2] Vom Dresdner Rat erwarb er 1833 für 4100 Taler ein Gut nebst Weinberg in Niederlößnitz, das seinerzeit als Römerberg bezeichnet wurde und nunmehr nach einem Nachbesitzer als Haus Reinhardtsberg bekannt ist.[9][10]
Über 30 Jahre lang betätigte sich Römer in der sächsischen Landespolitik. Auf den Landtagen 1836/37 bis 1847 war Römer Abgeordneter der Rittergutsbesitzer des Erzgebirgischen Kreises in der II. Kammer des Sächsischen Landtags.[11] Anschließend gehörte er auf den Landtagen 1848 bis 1863/64 als durch König Friedrich August II. ernannter Rittergutsbesitzer der I. Landtagskammer an.[12] Als während der Revolutionsjahre 1848/49 der Landtag nach dem liberalen Wahlrecht vom 15. November 1848 gewählt wurde, vertrat Römer auf dem Landtag 1849/50 den 14., 15. und 16. Wahlkreis (die Gegend um Großenhain, Meißen und Lommatzsch) in der I. Landtagskammer.[12][13] Er wird den rechten Kräften zugeordnet.[13] Vor dem Landtag 1866 legte er sein Mandat nieder.[14]
Römer blieb zeitlebens unverheiratet.[2] Er starb im November 1871 in Dresden und wurde auf dem Trinitatisfriedhof beerdigt. Das Grab ist erhalten.[15]
Sammlungen
Testamentarisch verfügte er 1859, dass seine Sammlungen an verschiedene sächsische Institutionen übergeben und öffentlich zugänglich gemacht werden sollten. Etwa 2600 Pflanzenbüchern, Vorlesungsnachschriften aus den Jahren 1822/23 und 1823/24, seine Autographensammlung und eine beträchtliche Geldsumme vermachte er der Universitätsbibliothek Leipzig.[16][17][18] Die Universitätsbibliothek Leipzig gestaltete 2013 eine Ausstellung mit Büchern aus Römers Sammlung unter dem Titel Römers Garten. Ein Spaziergang durch die Pflanzenbuchsammlung der Universitätsbibliothek Leipzig.[19][20][21] Ein von ihm angelegtes umfangreiches Herbarium als eine Sammlung gepresster und getrockneter Pflanzen, welches er dem Botanischen Institut der Universität Leipzig vermacht hatte, ging bei der Zerstörung des Institutsgebäudes im Zweiten Weltkrieg verloren.[20] Seine Porträtsammlung mit über 1000 Stichen und Radierungen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert nebst einer Handbibliothek zur Kunstgeschichte und Kupferstichkunde wurde Teil der Sammlungen des Städtischen Museums Leipzig.[22][23] Seine Münzsammlung von 29.000 Stücken, die insbesondere mittelalterliche Münzen enthielt und seine numismatische Buchsammlung an 1400 Bänden vermachte er dem Münzkabinett Dresden. Dubletten wurden gemäß der testamentarischen Bestimmungen versteigert und bildeten die Grundlage für einen Fond in Höhe von 15.000 Mark.[18][24][25][26] Seine Mineraliensammlung, die zu Teilen bereits von seinem Vater herrührte, schenkte Römer dem Mineralogischen Museum Dresden.[2][27]
Ehrungen
In Anerkennung seiner vielfältigen verdienstvollen Beteiligung an der Aufsicht und wissenschaftlichen Umordnung der königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft verlieh ihm König Friedrich August II. 1848 das Ritterkreuz des sächsischen Zivilverdienstordens.[28] 1853 erhielt er das Komtur I. Klasse des Albrechts-Ordens.[29]
↑Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen IV. Section, 1856, S. 215 (Wikisource).
↑ abcdeSitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis, Dresden e.V., Sitzungsberichte October bis Dezember 1871, 1871, S. 191–192 (Digitalisat).
↑Frank Andert (Red.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz. Hrsg.: Stadtarchiv Radebeul. 2., leicht geänderte Auflage. Stadtarchiv, Radebeul 2006, ISBN 3-938460-05-9.
↑Matthias Donath, Jörg Blobelt (Fotos): Sächsisches Weinland. Historische Weingüter und Weinberghäuser im Elbtal. Hrsg.: edition Sächsische Zeitung. 1. Auflage. Redaktions- und Verlagsgesellschaft Elbland, Dresden 2010, ISBN 978-3-941595-09-5.
↑Josef Matzerath: Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte. Die Mitglieder und Wahlbezirke der sächsischen Landtage (1833–1952), Dresden 2011, DNB1044139110, S. 320–321.
↑ abJosef Matzerath: Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte. Die Mitglieder und Wahlbezirke der sächsischen Landtage (1833–1952), Dresden 2011, DNB1044139110, S. 92–93.
↑ abJosef Matzerath / Uwe Ulrich Jäschke: Aspekte Sächsischer Landtagsgeschichte. Teil: Die Mitglieder und Wahlbezirke der sächsischen Landtage 1833 bis 1952. Teil 3: Wahlbezirke und Raumbezüge. Dresden 2011, DNB1046850660, S. 104–105.
↑Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen, 1866, S. 234 (Digitalisat).
↑Thomas Fuchs:
Formale Widerspenstigkeit. Nachlässe und Autographensammlungen. In: Thomas Fuchs/ Christoph Mackert/ Reinhold Scholl (Hrsg.): Das Buch in Antike, Mittelalter und Neuzeit. Sonderbestände der Universitätsbibliothek Leipzig (= Schriften und Zeugnisse zur Buchgeschichte, Band 20), Harrassowitz, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-447-06689-1, S. 163–175, urn:nbn:de:bsz:15-qucosa-201238.
↑ abNeuer Anzeiger für Bibliographie und Bibliothekwissenschaft, Bände 32–33, 1872, S. 123 (Digitalisat).
↑Ulrich Johannes Schneider/ Astrid Vieler (Hrsg.): Römers Garten. Aus der Pflanzenbuchsammlung der Universitätsbibliothek Leipzig, Katalog zur Ausstellung der Universitätsbibliothek Leipzig, 15.11.2013–30.03.2014 (= Schriften aus der Universitätsbibliothek Leipzig, Band 32), Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2013, ISBN 978-3-910108-74-5.
↑ abUlrich Johannes Schneider: Ein botanischer Garten aus Büchern. Die UB Leipzig stellt die Sammlung Römer aus. In: BIS – Das Magazin der Bibliotheken in Sachsen, 6. Jg., 2013, Heft 3, S. 148–149 urn:nbn:de:bsz:14-qucosa-130420.
↑Ralf Julke: Römers Garten. Wissens- und Sehenswertes zur faszinierenden Büchersammlung Rudolph Benno von Römer. In: Leipziger Zeitung vom 30. November 2013 (Online-Ausgabe).
↑Verzeichnis der Kunstwerke im Städtischen Museum zu Leipzig, 1887, S. 140 (Digitalisat).
↑Gerhard Winkler: Museum der Bildenden Künste Leipzig, Leipzig 1979, S. 16.
↑Bericht über die Verwaltung der königl. Sammlungen für Kunst und Wissenschaft zu Dresden, 1873, S. 12 (Digitalisat).
↑Führer durch die Königlichen Sammlungen zu Dresden, 1889, S. 180 (Digitalisat).
↑Blätter für Münzfreunde. Monatsschrift für Münz- und Schaumünzkunde, Band 2, 1882, S. 1057 (Digitalisat).
↑Mareen Czekalla: Das Museum für Mineralogie und Geologie in den Staatlichen Naturhistorischen Sammlungen Dresden. Von der kurfürstlichen Kunstkammer zum staatlichen Forschungsmuseum, Museum für Mineralogie und Geologie, Dresden 2006, S. 40.
↑Leipziger Zeitung vom 14. März 1848, S. 1 (Digitalisat).
↑Flora oder allgemeine botanische Zeitung, Band 36, 1853, S. 190 (Digitalisat).