Peter Treutlein

Peter Treutlein (* 26. Januar 1845 in Wieblingen (heute ein Stadtteil von Heidelberg); † 26. Juli 1912 in Karlsruhe) war ein deutscher Mathematiker, Mathematikdidaktiker, Mathematikhistoriker und Reformpädagoge. Von 1866 bis 1912 war er Mathematiklehrer und Schulleiter in Karlsruhe.
Leben und Werk
Von seinem Vater, einem Lehrer und Organisten, erhielt Treutlein eine umfassende Allgemeinbildung. Von 1862 bis 1866 studierte er Mathematik und Naturwissenschaften an der Universität Heidelberg. 1866 ging er als Lehramtspraktikant ans Karlsruher Gymnasium und wurde dort 1868 zum Gymnasialprofessor ernannt. 1894 wurde er Leiter des Karlsruher Reform- und Realgymnasiums. Bei der Ausgliederung der Goetheschule, des heutigen Goethe-Gymnasiums, gestaltete er den Neubau und war 1908 bis 1912 deren erster Schulleiter. Einer seiner Schüler war der Mathematiker Hermann Wiener.
1908 wurden zwei wichtige mathematikdidaktische Kommissionen gegründet: der Deutsche Ausschuss für den mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht (DAMNU) und die Internationale mathematische Unterrichtskommission (IMUK). Treutlein war von Anfang an Mitglied in beiden Kommissionen. Den Vorsitz übernahm der Göttinger Mathematikprofessor Felix Klein.
Als Reformpädagoge vertrat Treutlein zwei zentrale Thesen: Allgemeinbildung verlangt neben alten Sprachen auch Naturwissenschaften und neue Sprachen; jeder Mensch muss unabhängig von seiner sozialen Herkunft Zugang zu Bildung haben.
Treutleins Lehrbücher zur Geometrie können als Hauptwerke seines mathematikdidaktischen Schaffens gelten. Er publizierte auch zu mathematikhistorischen Themen und schlug vor, dass Mathematikgeschichte als Teil der Kulturgeschichte in den Mathematikunterricht einbezogen werden sollte.
1869 heiratete er Barbara Heß und hatte mit ihr drei Kinder.
Publikationen (Auswahl)
- Gabriele Dörflinger (Hg.): Moritz Cantor: Vorlesungen über Geschichte der Mathematik. Rezensionen von Peter Treutlein. Heidelberg, Universitätsbibliothek 2012 (Online).
- Die höheren Lehranstalten. In: Stadtrat der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe (Hg.): Karlsruhe 1911. Festschrift. Der 83. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte gewidmet. Braun, Karlsruhe 1911, S. 409–418 (Online).
- Der geometrische Anschauungsunterricht. Teubner, Leipzig und Berlin 1911; Nachdruck: Schöningh, Paderborn 1985.
- Übungsbuch für den Rechenunterricht an höheren Schulen. Drei Teile. Schauenburg, Lahr in Baden, Teil 1: 5. Aufl. 1919; Teil 2: 5. Aufl. 1920; Teil 3: 4. Aufl. 1913.
- mit Julius Henrici: Lehrbuch der Elementar-Geometrie. In mehreren Teilen bzw. Bänden. Teubner, Leipzig ab 1881.
- Die deutsche Coss. In: Zeitschrift für Mathematik und Physik 24 (1879), Supplement (= Abhandlungen zur Geschichte der Mathematik 2), S. 1–124 (SUB Göttingen Online; Internet Archive Online).
- Der Traktat des Jordanus Nemorarius „De numeris datis“. In: Zeitschrift für Mathematik und Physik 24 (1879), Supplement (= Abhandlungen zur Geschichte der Mathematik 2), S. 125–166 (SUB Göttingen Online; Internet Archive Online).
- Das Rechnen im 16. Jahrhundert. In: Zeitschrift für Mathematik und Physik 22 (1877), Supplement (= Abhandlungen zur Geschichte der Mathematik 1), S. 1–100 (SUB Göttingen Online; Internet Archive Online).
- Geschichte unserer Zahlzeichen und Entwickelung der Ansichten über dieselbe (Beilage zu dem Programm des Großherzoglichen Gymnasiums zu Karlsruhe). Braun, Karlsruhe 1875 (Online).
Literatur
- Jürgen Schönbeck: Peter Joseph Treutlein. In: Badische Biographien NF 4 (1996), S. 296–298; auch in: Landeskunde entdecken online Baden-Württemberg (Online).
- Paul Stäckel: Peter Treutlein (mit dem Bildnis Treutleins im Text). In: Jahresbericht der Deutschen Mathematiker-Vereinigung 21 (1912) S. 384–386 (Online).
Weblinks
- Literatur von und über Peter Treutlein im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Schriften von Peter Treutlein in der Deutschen Digitalen Bibliothek
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Treutlein, Peter |
| ALTERNATIVNAMEN | Treutlein, Peter Joseph; Treutlein, Josef Peter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Mathematiker, Mathematikdidaktiker, Mathematikhistoriker und Reformpädagoge |
| GEBURTSDATUM | 26. Januar 1845 |
| GEBURTSORT | Wieblingen |
| STERBEDATUM | 26. Juli 1912 |
| STERBEORT | Karlsruhe |
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