Ludwig Philipp Weiss

Johann Ludwig Philipp Weiss, auch Louis Philipp Weiss (* 25. August 1764 in Fürstenfeldbruck; † 23. Mai 1824 ebenda) war ein deutscher Posthalter und Gastwirt sowie Mitglied der bayerischen Kammer der Abgeordneten.

Leben

Ludwig Philipp Weiss entstammte der Familie Weiss (Weiß), die ihren Ursprung am Starnberger See hatte und deren Mitglieder sich als Fischer betätigten. 1664 ordnete Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern an, das bestehende Postroutensystem der Familie Thurn und Taxis anzugliedern. Diese erteilte im Jahre 1680 der Familie Weiss die Zusicherung, dass sie das Posthalteramt bekommen würde. So entwickelte sich für sie das Erbamt Posthalterei, das von 1760 bis 1808 ruhte, als Jakob Weiss wegen einer Streckenverlegung als Posthalter abgesetzt wurde. Er war ein Sohn des Jakob Weiss (1712–1767) und dessen zweiter Ehefrau Maria Ursula Hörlin zu Bruck (* 1734) und heiratete am 3. September 1789 Maria Anna Laber (1769–1824), mit der er sechs Töchter und den Sohn Ludwig Erasmus (1801–1846, Posthalter) hatte.[1] Er besuchte das Jesuitengymnasium München und begab sich nach dem Abitur auf eine Ausbildungsreise, die ihn nach Straßburg, Paris und London führte.

Ehemalige Posthalterei in Fürstenfeldbruck, später Hotel zur Post

1789 übernahm er von seinem Vater das Amt des Posthalters. Am 27. Mai 1797 verlieh ihm der Generalpostmeister Karl Anselm von Thurn und Taxis das Reichspoststallmeister-Amt.[2] Er verfügte über umfangreichen Grundbesitz (Gutshof mit Kalkbrennerei in Lindach (Fürstenfeldbruck)), den sein Vater erworben hatte. Nach dem Einmarsch des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte in München im Jahre 1805 musste sich Weiss in seiner Funktion als Reichspoststallmeister um dessen Weiterreise kümmern und kurzfristig 140 Pferde und mehrere Wagen auftreiben. Napoleon würdigte seinen Einsatz. Während der napoleonischen Zeit war er als Hauptmann Chef der Nationalgarde, die 1809 das bayerische Heer nach französischem Vorbild durch Umwandlung der Bürgerwehr in eine Nationalgarde gebildet wurde. In dieser Zeit nannte er sich Louis Philipp Weiss.

Von 1819 bis 1822 hatte er ein Mandat für die Kammer der Abgeordneten, die neben der Kammer der Reichsräte der Krone Bayerns den Bayerischen Landtag bildete.

Sein größter Verdienst bestand in der Rettung des Klosters Fürstenfeld. Dieses wurde nach der Säkularisation 1803 auf seine Vermittlung hin von dem böhmischen Tuchfabrikanten Ignaz Leitenberger gekauft. Darüber hinaus hatte er großen Anteil am Erhalt der Klosterkirche. Einem Gerücht zufolge sollte diese mit Kanonen zerstört werden. Als Sprecher einer Delegation von Brucker Bürgern bat er den Herzog Max Joseph IV. von Bayern um Schonung des kostbaren Bauwerks. Dieser gab seine Zustimmung; so wurde die Klosterkirche erhalten.[2]

Ehrungen

  • 1953 wurde die Philipp-Weiss-Straße in Fürstenfeldbruck nach ihm benannt.[2]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Jakob Gross: Chronik des Marktes Fürstenfeldbruck. 1877 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. a b c Ingrid Zeilinger: Wie ein Posthalter Fürstenfeldbruck gerettet hat. 6. August 2018, abgerufen am 19. August 2026.

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