Les Convers

Links das Portal des Tunnels nach La-Chaux-de-Fonds – rechts die überdeckte Autobahn; das ehemalige Stationsgebäude ist schon abgetragen

Les Convers ist der oberste Abschnitt des St.-Immer-Tals im Schweizer Juragebirge an den Grenzen der Kantone Neuenburg und Bern. Les Convers ist zudem die Bezeichnung der dortigen Siedlungen. Der Talabschnitt ist inzwischen nicht mehr über die Bahn zugänglich, sondern über eine Autobahnausfahrt; die Zufahrt ist Anstössern vorbehalten.

Geografie

Das Tal von Les Convers mit der gleichgenannten Streusiedlung liegt im Nordwesten des Kantons Bern im westlichen Abschnitt der Berner Gemeinde Renan – südöstlich des Gebiets der Stadt La Chaux-de-Fonds und nördlich der Gemeinde Val-de-Ruz des Kantons Neuenburg. Es erstreckt sich im breiten, auf 900 m ü. M. gelegenen Talabschnitt in nordost-/südwest-Richtung bei Renan zwischen einem Höhenzug des Faltenjuras und endet in einem schmalen, etwa zwei Kilometer langen, in südlicher Richtung zulaufenden Einschnitt. Im obersten (südlichen) Bereich steigt die Talsohle auf 1047 m ü. M..


Autobahnbrücke und Felsvorsprung Roc Mildeu

Auf der Ostseite erhebt sich über dem Tal von Les Convers das hohe und steile Felsmassiv des Roc Mildeu, der als südöstlicher Felssporn ein Bergplateau mit Weideflächen abschliesst und in der Gebirgsstruktur so wie die Motte im Südwesten ein Segment der äusseren Decken der Antiklinale am Mont d’Amin darstellt. Das Berggebiet über dem Roc Mildeu liegt im äussersten Südwesten des bernischen Sankt Immer-Tals im Gebiet der Gemeinde Renan. Am exponierten Grenzpunkt auf der Felskuppe treffen sich sowohl die Kantonsgrenze Bern–Neuenburg wie auch die Gemeindegrenze zwischen La Chaux-de-Fonds, Val-de-Ruz und Renan.

Bei Les Convers liegt das Quellgebiet der Schüss (französisch La Suze), die durch das Sankt Immer-Tal nach Biel fliesst und dort in den Bielersee mündet.[1] Der Quellbach entsteht in den engen Tälern Les Combes oberhalb von Les Convers im Gebiet Pré de Suze. Die kleinen Seitentäler und die Berglandschaft im verkarsteten Kalkgebirge weisen sonst keine Oberflächengewässer auf.[2]

Verkehrsgeografie

Der Bahnhof Les Convers um 1885

Die Lage des tiefen Taleinschnitts veranlasste die Bahngesellschaft Compagnie du Jura industriel dazu, beim Bau der Bahnstrecke Neuchâtel–Le Locle-Col-des-Roches in den 1850er Jahren statt eines fünf Kilometer langen Tunnels nach La Chaux-de-Fonds zwei kürzere anzulegen, die von beiden Seiten nach Les Convers führen. Die Bahnstrecke von Neuenburg passiert vom Bahnhof Chambrelien im Süden kommend den Tunnel des Loges, hat eine kurze offene Strecke im Talboden von Les Convers und erreicht danach gegen Nordwesten durch den Tunnel du Mont-Sagne den Bahnhof von La Chaux-de-Fonds. Von dieser 1860 eröffneten Bahnstrecke zweigte beim ehemaligen Bahnhof Les Convers die um 1874 gebaute Bahnstrecke durch das Sankt-Immer-Tal ab.[3] Als die Bahngesellschaft Chemins de fer du Jura bernois von dieser Linie aus im Jahr 1888 zwei Kilometer nördlich von Les Convers den Crosettes-Tunnel unter dem Mont Cornu vom Bahnhof Le Creux nach La Chaux-de-Fonds in Betrieb nahm, wurde die Zweigstrecke Les Convers-Le Creux nicht mehr benötigt.[4] Der Crosettes-Tunnel wurde später zur Lagerung problematischer Abfälle genutzt. Die Haltestelle Les Convers wurde bis in die 1990er-Jahre noch bedient, später aber aufgehoben und das Bahnhofsgebäude abgerissen.

Von Renan aus führt eine kleine, für den allgemeinen Verkehr gesperrte Lokalstrasse durch das enge Tal. Eine zweite Strasse Chemin de la Grand’Combe (was übersetzt «Weg des Grossen Tales» bedeutet) verbindet Les Convers im Südwesten mit der Hauptstrasse 20, die von La Chaux-de-Fonds über den Pass Vue des Alpes zur Kantonshauptstadt Neuenburg führt und im Talboden einen Anschluss an die Autobahn A20 hat. Diese ist als wintersicherer Verkehrsweg zwischen den Bergregionen des Kantons Neuenburg angelegt, durchquert das Gebirge neben der Bahnlinie mit dem Tunnel de la Vue-des-Alpes und dem neueren Tunnel du Mont-Sagne und ist auf der offenen Zwischenstrecke im Tal von Les Convers überdacht.

Geologie

Kartenausschnitt des Südzipfels des Hochtals von Les Convers (um 1950)

Die Abwinkelung des obersten Zipfels des Hochtals Les Convers entstand durch einen spektakulären Vorgang während der Gebirgsbildung des Juras. Als sich wegen der Entstehung der Alpen auch im Juragebiet die geologischen Schichten zu heben und im Raum, der heute zum Kanton Neuenburg gehört, der Faltenjura zu bilden begannen, kam es zu einem Bruch der oberen Gesteinsschichten, der sich über einen sehr langen Zeitraum zu einer Verwerfung von mehreren Kilometern Länge entwickelte. Die Verschiebung dieses Gebirgsteils wird auf Französisch als Décrochement de La Ferrière bezeichnet, nach der Ortschaft La Ferrière im Norden des Geotops (décrochement wäre wörtlich etwa mit Enthakung zu übersetzen). Die dabei entstandene talartige Struktur ist vom Les Convers im Süden über das Tal von Valanvron (östlich von La Chaux-De-Fonds) bis zur Schlucht Combe de Biaufond am Doubs im Norden deutlich zu erkennen.[5] Die zerrissenen Bergzüge und Täler des Faltenjuras auf beiden Seiten der Lücke falteten sich auf unterschiedliche Weise auf und sind heute über eine grosse Strecke gegeneinander verschoben.[6]

Commons: Les Convers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Verlauf der Schüss auf dem Geoportal des Kantons Bern.
  2. Gewässer bei Les Convers auf dem Geoportal des Kantons Neuenburg.
  3. Bienne-Sonceboz-Les Convers. In: Chronologie-jurassienne de l'époque romaine à nos jours. Abgerufen am 13. August 2026.
  4. Charles Lehmann: L’ancienne ligne de chemin de fer Le Creux-Les Convers. 25. Februar 2023, abgerufen am 13. August 2026.
  5. Hans Suter: Geologische Untersuchungen in der Umgebung von Les Convers–Vue des Alpes. Zürich 1920.
  6. Philippe Bourquin: Atlas géologique de la Suisse 1:25'000. Feuilles 114 Biaufond, 115 Les Bois, 116 La Ferrière, 117 St-Imier. Notice explicative. Bern 1946, S. 20.

Koordinaten: 47° 5′ 2,7″ N, 6° 51′ 53,4″ O; CH1903: 556429 / 214946

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