Nach dem Studium arbeitete Bruns von 1878 bis 1880 in der Pariser Bibliothek, wo er Material für seine Forschungsarbeit sammelte. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit den handschriftlichen Kommentaren zu Aristoteles. Er führte auch seine Forschungen an Platons Schrift über die Gesetze fort. Nach seiner Heimkehr erreichte er an der Universität Göttingen seine Habilitation mit der Schrift Platons Gesetze, vor und nach ihrer Herausgabe durch Philippos von Opus (Weimar 1880), die von der Fachwelt positiv aufgenommen wurde. 1884 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt.
Bereits zwei Jahre später wechselte Bruns als außerordentlicher Professor an die Universität Kiel, wo er 1890 zum ordentlichen Professor ernannt wurde. 1897 lehnte er einen Ruf an die Universität Gießen ab.
Ivo Bruns trat in seiner Forschungsarbeit in verschiedenen Gebieten der Klassischen Philologie auf. Er beschäftigte sich intensiv mit Inhalt, Tradition und Rezeption der platonischen, aristotelischen und epikureischen Philosophie. Sein Hauptwerk ist die Monographie Das literarische Porträt der Griechen im fünften und vierten Jahrhundert (Berlin 1896; unveränderter Nachdruck 1961 von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, Darmstadt und dem Verlag Olms, Hildesheim), mit dem die zwei Jahre jüngere Schrift Die Persönlichkeit in der Geschichtsschreibung der Alten. Untersuchungen zur Technik der antiken Historiographie zusammenhängt (Berlin 1898).
Werke (Auswahl)
De legum Platonicarum compositione quaestiones selectae. Georg, Bonn 1877. (Digitalisat)
Plato's Gesetze vor und nach ihrer Herausgabe durch Philippos von Opus, eine kritische Studie. Böhlau, Weimar 1880. (Digitalisat)
Lucrez-Studien. Mohr, Freiburg i. Br. 1884. (Digitalisat)
Frauenemancipation in Athen, ein Beitrag zur attischen Kulturgeschichte des fünften und vierten Jahrhunderts. Schmidt & Klaunig, Kiel 1900.
Vorträge und Aufsätze. Beck, München 1905. (Digitalisat)
Das literarische Porträt der Griechen im fünften und vierten Jahrhundert vor Christi Geburt. Salzwasser Verlag, Paderborn 2013. ISBN 978-3-8460-3722-5
Literatur
Nachrufe
Alfred Schöne: Gedächtnisrede auf Ivo Bruns bei der akademischen Trauerfeier am 24. Mai 1901. In: Chronik der Universität Kiel für das Jahr 1900/1901, S. 60–72 (auch separat erschienen).
Alfred Schöne: Ivo Bruns. In: Biographisches Jahrbuch für Altertumskunde, 26. Jahrgang (1903), S. 1–15 (mit Schriftenverzeichnis).
Johann Sass: Bruns, Ivo. In: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog, 6. Jahrgang (1901), S. 76–77.
Gesammelte Werke
Theodor Birt (Herausgeber): Ivo Bruns, Vorträge und Aufsätze (mit Biografie und Bibliografie), München 1905.