Gertrud Herrmann

Gertrud Herrmann, um 1930

Gertrud Alice Herrmann (* 15. Juni 1896 in Plauen; † nach dem 13. Juli 1942) war eine deutsche Germanistin und Pädagogin jüdischer Abstammung, die Opfer des Holocaust wurde.

Leben

Familie und Ausbildung

Gertrud Herrmann war die jüngste Tochter des Plauener Spitzenwarenfabrikanten Max Herrmann (1860–1919) und dessen Ehefrau Emilie, geborene Adler (deportiert 1942). Gemeinsam mit ihren Geschwistern Elsa (* 1893)[1] und Adolf Kurt (1895–1992)[2] wuchs sie in bürgerlichen Verhältnissen auf. Sie besuchte das Realgymnasium ihrer Vaterstadt und begab sich nach ihrem mit dem Prädikat vorzüglich bestandenen Schulabschluss an die Universitäten von Kiel und Leipzig, um von 1916 bis 1923 die Fächer Germanistik und Latein zu studieren.

Gedenktafel für Gertrud Herrmann, Funkenburgstraße 26, Leipzig
Stolperstein für Gertrud Herrmann

Beruflicher Werdegang

1922 erhielt sie eine Anstellung als Studienassessorin an der von Hugo Gaudig geleiteten und von ihm zu einem reformpädagogischen Zentrum mit internationalem Ruf entwickelten II. höheren Mädchenschule in Leipzig. Dort unterrichtete sie die Fächer Deutsch, Geschichte, Latein und Stenografie. Aufgrund der Qualität ihres Unterrichts und ihres überdurchschnittlichen pädagogischen Engagements erwarb sie sich in kürzester Zeit die Achtung und Sympathie der gesamten Schulgemeinschaft. Die hohe Wertschätzung ihrer beruflichen Arbeit gipfelte 1929 in der Verleihung des Titels Studienrat, der ihr als erster jüdischer Frau in Sachsen zuerkannt wurde.

Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus

Auf Grundlage des sogenannten Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 wurde Gertrud Herrmann aufgrund ihrer jüdischen Herkunft und trotz erheblicher Proteste von Schulleitung und Elternschaft aus dem Schuldienst der Gaudigschule entlassen. Sie lebte vorübergehend bei ihrem Bruder in Plauen, der die väterliche Fabrik übernommen hatte.

1934 fand sie eine Anstellung als Lehrerin an der 1912 von Ephraim Carlebach gegründeten Höheren Israelitischen Schule in Leipzig. Darüber hinaus stand sie gemeinsam mit Hedwig Burgheim dem Verein Israelischer Kindergarten e. V. vor, der jedoch am 4. Dezember 1939 von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde.

Ab 1940 konnte der Unterricht an der Israelitischen Schule nur noch sporadisch stattfinden. Nach den ersten Deportationen vom 21. Januar und 10. Mai 1942 verblieben nur noch 61 Schüler an der Schule, die lediglich von Gertrud Herrmann und dem damaligen Direktor Katzmann betreut wurden. Nachdem die jüdischen Schulen aufgrund eines Geheimerlasses vom 30. Juni 1942 geschlossen werden mussten, betreute Gertrud Herrmann die Kinder des jüdischen Kinderheims in Leipzig. Gemeinsam mit den 19 Heimkindern wurde sie am 13. Juli 1942 im Zuge der dritten Deportation Leipziger Juden Richtung Osten abtransportiert. Ihr Schicksal gilt als ungeklärt. Anzunehmen ist jedoch, dass sie im KZ Auschwitz ermordet wurde.

Ehrungen

Auf Initiative ihrer ehemaligen Schülerinnen, die den Holocaust überlebt hatten, wurde der Name von Gertrud Herrmann 1994 in die Gedenkstätte Yad Vashem eingetragen.

2008 wurde an ihrem letzten freigewählten Wohnort in Leipzig, Funkenburgstraße 26, ein Stolperstein verlegt.

2024 wurde an diesem Wohnhaus zudem eine Gedenktafel angebracht.

Literatur

  • Barbara Kowalzik: Biographische Skizze der 1. jüdischen Studienrätin Sachsens Gertrud Herrmann (1896–1942). In: Frauen in der Geschichte. Heft 1, Leipzig 1994, Seiten 72 ff.
  • Kerstin Kollecker: "Morgen verreise ich mit meinen Kindern ..." Die jüdische Studienrätin Gertrud Herrmann (1896–1942). In: Gewalt gegen Frauen - Frauen gegen Gewalt. Berichte vom 14. Louise-Otto-Peters-Tag 2006. Leipzig 2007, S. 83 ff.
Commons: Gertrud Herrmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Elsa, verehelichte Pick, war ebenfalls Lehrerin, promovierte Juristin und Autorin. Sie lebte nach dem Krieg in München.
  2. Adolf Kurt Herrmann emigrierte nach Bolivien. Zuletzt lebte er in München.

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