Frederick Philbrick

Frederick Adolphus Philbrick, 1911

Frederick Adolphus Philbrick (* 30. Juni 1835 in Colchester; † 25. Dezember 1910 in Bournemouth) war ein britischer Barrister, Richter, Kronanwalt und Philatelist. Er gehörte 1869 zu den Gründungsmitgliedern der Philatelic Society, London, war deren erster Vizepräsident und von 1878 bis 1892 Präsident der Gesellschaft.[1][2] Philbrick zählte zu den bedeutenden frühen Sammlern, Autoren und Funktionären der britischen Philatelie und wurde 1921 postum als einer der „Fathers of Philately“ auf dem Roll of Distinguished Philatelists verzeichnet.[3]

Leben und juristische Laufbahn

Philbrick wurde in Colchester in der Grafschaft Essex geboren. Sein Vater Frederick Blomfield Philbrick war dort als Rechtsanwalt tätig.[1] Philbrick studierte am University College London beziehungsweise an der University of London und erwarb 1853 den Grad eines Bachelor of Arts.[4] Nach einer Ausbildung bei seinem Vater und beim Stadtschreiber von Colchester wurde er am Middle Temple als Jurist ausgebildet.[1]

Am 19. April 1858 wurde Philbrick als Student am Middle Temple aufgenommen; am 6. Juni 1860 wurde er als Barrister zugelassen.[4] 1870 wurde er zum Recorder von Colchester ernannt. 1874 wurde er Queen’s Counsel, 1877 Bencher des Middle Temple.[4] Er gehörte dem South-Eastern Circuit an, war als Anwalt unter anderem in Entschädigungsfällen vor dem Parliamentary Bar und vor königlichen Kommissionen tätig und war an der Thames-Embankment-Litigation beteiligt.[1]

1884 wurde Philbrick Senior Counsel des General Post Office auf dem South-Eastern Circuit. Außerdem war er über viele Jahre Prüfer im Common Law an der University of London. 1895 wurde er zum Richter am County Court für den Gerichtsbezirk Nr. 55 in Hampshire ernannt; dieses Amt behielt er bis zu seinem Tod.[1][5]

Philbrick war zweimal verheiratet. 1863 heiratete er Charlotte Beadel, die 1868 starb; 1870 heiratete er Minnie Caroline Cockburn, die 1879 starb.[4] Er starb am 25. Dezember 1910 nach kurzer Krankheit in Bournemouth. Die Beisetzung fand am 30. Dezember 1910 auf dem Wimborne Road Cemetery in Bournemouth statt.[1]

Philatelie

Philbrick begann zu Beginn der 1860er Jahre mit dem Aufbau seiner Briefmarkensammlung. Der Nachruf im London Philatelist beschreibt seine Sammlung als eine der bedeutendsten ihrer Zeit. Zu den besonders starken Sammelgebieten gehörten Großbritannien, die Konföderierten Staaten von Amerika, Hawaii, Mauritius, Britisch-Guayana, die britischen Kolonien in Australien und die Philippinen.[1] Zu den herausragenden Stücken seiner Sammlung gehörten auch beide Werte der Post-Office-Mauritius-Ausgabe.[6]

Philbrick befasste sich besonders mit frühen Ausgaben, Essays, Probedrucken, Ganzsachen, Telegrafenmarken, Fiskalmarken und der Bestimmung von Druckplatten. Er plattierte unter anderem die Ausgabe von Britisch-Guayana von 1862, die Sydney Views und Laureated Heads von New South Wales sowie die erste Ausgabe der Philippinen.[1][6] In seiner Sammlung waren auch Essays und Probedrucke zu britischen Ausgaben stark vertreten.[1]

1866 erwarb Philbrick Material aus der Sammlung von Gustave Herpin, der 1864 den Begriff philatélie geprägt hatte.[1] Nach dem Rückzug von Sir Daniel Cooper galt Philbrick in Großbritannien als einer der führenden Sammler seiner Generation.[1] 1878 erwarb Philbrick Coopers Australien-Sammlung für 3000 Pfund; die Royal Philatelic Society London bezeichnet diesen Preis als den ersten vierstelligen Preis für eine Briefmarkensammlung.[5]

Seine allgemeine Sammlung verkaufte Philbrick Anfang der 1880er Jahre an Philipp von Ferrary. Zeitgenössisch wurde der Verkauf wegen des Preises von 8000 Pfund als außergewöhnlich wahrgenommen.[7] Seine Spezialsammlung Großbritannien behielt Philbrick zunächst zurück und verkaufte sie 1894; seine Sammlungen von Fiskalmarken und Ganzsachen gelangten später in die Sammlung von James Ludovic Lindsay, 26. Earl of Crawford.[1][6]

Philatelic Society, London

Philbrick gehörte 1869 zu den Gründungsmitgliedern der Philatelic Society, London, der späteren Royal Philatelic Society London. Bei der Gründung wurde er unter dem Präsidenten Daniel Cooper zum ersten Vizepräsidenten gewählt.[1][5] Nach Coopers Rückzug übernahm Philbrick 1878 das Präsidentenamt und führte die Gesellschaft bis 1892.[1][2] Nach seinem Ausscheiden wurde er zum lebenslangen Ehrenmitglied gewählt.[1]

Die Royal Philatelic Society London führt Philbrick als einen der 43 Philatelisten, die bei der Einrichtung des Roll of Distinguished Philatelists als „Fathers of Philately“ geehrt wurden.[3]

Philatelistische Literatur

Titelblatt von The Postage and Telegraph Stamps of Great Britain, 1881

Philbrick schrieb für frühe philatelistische Zeitschriften, darunter The Stamp-Collector's Magazine und The Philatelic Record.[1] Ein wichtiger früher Beitrag war der anonym veröffentlichte Aufsatz Notes on the Proofs and Essays of Great Britain, der 1868 im Stamp-Collector’s Magazine erschien.[6]

Gemeinsam mit W. A. S. Westoby veröffentlichte Philbrick 1881 das Werk The Postage and Telegraph Stamps of Great Britain. Es erschien unter der Schirmherrschaft der Philatelic Society, London, und wurde später als Klassiker der britischen philatelistischen Literatur bezeichnet.[1][8][9]

In seinen philatelistischen Veröffentlichungen verwendete Philbrick auch Pseudonyme. Fred J. Melville nennt unter anderem An Amateur, Damus petimusque vicissim und By the author of the Postage Stamps of British Guiana.[7] Damus petimusque vicissim war der Wahlspruch von Britisch-Guayana.

Weitere Interessen

Neben seiner juristischen und philatelistischen Tätigkeit war Philbrick in der Freimaurerei aktiv. Nach dem Nachruf im London Philatelist war er Mitglied der Grand Lodge, wirkte mehrere Jahre als deren Registrar und war für Essex Deputy Provincial Grand Master.[1]

Philbrick war außerdem als Bibliophiler und als Hortikulturist bekannt. Besonderes Interesse hatte er an der Kultur von Orchideen.[1]

Werke (Auswahl)

  • Notes on the Proofs and Essays of Great Britain. In: The Stamp-Collector’s Magazine. 1868.[6]
  • Frederick A. Philbrick, W. A. S. Westoby: The Postage and Telegraph Stamps of Great Britain. Sampson Low, Marston, Searle & Rivington, London 1881.[9]

Literatur

  • Joseph Foster: Men-at-the-Bar. Reeves and Turner, London 1885.
  • Marcellus Purnell Castle: Frederick Adolphus Philbrick. In: The London Philatelist. Band 20, Nr. 229, Januar 1911, S. 1–4.
  • Fred J. Melville: Chats on Postage Stamps. T. Fisher Unwin, London 1911.
Commons: Frederick Philbrick – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s Marcellus Purnell Castle: Frederick Adolphus Philbrick. In: The London Philatelist. Band 20, Nr. 229, 1911, S. 1–4 (englisch, archive.org [abgerufen am 12. Juni 2026]).
  2. a b Presidents of the Society. Royal Philatelic Society London, abgerufen am 12. Juni 2026 (englisch).
  3. a b The Fathers of Philately Inscribed on the Roll of Distinguished Philatelists. Royal Philatelic Society London, abgerufen am 12. Juni 2026 (englisch).
  4. a b c d Joseph Foster: Men-at-the-Bar: Philbrick, Frederick Adolphus. In: Wikisource. Abgerufen am 12. Juni 2026 (englisch).
  5. a b c Early Members: Judge Frederick Adolphus Philbrick. Royal Philatelic Society London, abgerufen am 12. Juni 2026 (englisch).
  6. a b c d e Who Was Who in Philately: Philbrick, Frederick Adolphus KC. Association of British Philatelic Societies, abgerufen am 12. Juni 2026 (englisch).
  7. a b Fred J. Melville: Chats on Postage Stamps. In: Project Gutenberg. Abgerufen am 12. Juni 2026 (englisch).
  8. Books. Royal Philatelic Society London, abgerufen am 12. Juni 2026 (englisch).
  9. a b The Postage and Telegraph Stamps of Great Britain. (PDF) Great Britain Philatelic Society, abgerufen am 12. Juni 2026 (englisch).

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