Charles Reibel

Charles Jules Charles Reibel (geboren am 29. Dezember 1882 in Vesoul; gestorben am 26. Juni 1966 in Paris) war ein französischer Politiker der Dritten Republik.
Leben
Charles Reibel stammte aus einer angesehen elsässischen Familie aus Rhinau und schloss sein Rechtsstudium in Nancy ab. Danach ließ er sich in Paris als Rechtsanwalt nieder. Bis 1913, also dem Beginn von dessen Präsidentschaft, war er Mitarbeiter von Raymond Poincaré. Als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg wurden ihm das Croix de guerre und der Orden der Ehrenlegion in militärischer Funktion verliehen.[1] 1915 war er erneut als Kabinettsreferent tätig, diesmal jedoch beim Sous-secrétaire d’État im Kriegsministerium, Joseph Thierry.[2]
1914 scheiterte er bei den Parlamentswahlen; erst 1919 zog er in die Abgeordnetenkammer ein. 1920 und 1921 war er in den von Alexandre Millerand und Georges Leygues gebildeten Regierungen als Sous-secrétaire d’État im Präsidium des Ministerrats Kabinettsmitglied. Von 1922 bis 1924 berief ihn Poincaré als Minister für die befreiten Gebiete in sein Kabinett. In der Abgeordnetenkammer, der er bis 1936 angehörte, war er zunächst Mitglied der Action républicaine et sociale, dann der Alliance démocratique und zuletzt erneut der Action républicaine et sociale, allesamt konservative Fraktionen.[2]
1936 zog er in den Senat ein. Dort war er der zunächst Mitglied der Union républicaine, brach aber 1938 mit dieser, nachdem deren Präsident Pierre-Étienne Flandin die harte Haltung gegen dem Dritten Reich aufgegeben hatte.[3] Ungeachtet dessen stimmte Reibel am 10. Juli 1940 für die diktatorischen Vollmachten für Philippe Pétain.[2]
In den Jahren seiner Mitgliedschaft im Senat sprach er zu den Themen, in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst sind. 1936 reichte er beispielsweise eine Anfrage ein, in der er fragte, warum der Ministerpräsident und die Regierung es für notwendig halten, in ganz Frankreich Fabrikbesetzungen entstehen zu lassen, deren Rechtswidrigkeit der Ministerpräsident selbst anerkannt hätte und von denen er nicht übersehen könne, dass sie neben einem unerträglichen Eingriff in das Eigentumsrecht auch ein bedrohliches revolutionäres Manöver darstellen würden.[4] Im Wesentlichen betreffen seine Arbeit im Senat die drei Geschäftsfelder Innere Ordnung und Antikommunismus, Außenpolitik und Spanien sowie Verteidigung und Staatsangehörigkeit:[5]
| Jahr | Datum | Art | Gegenstand |
|---|---|---|---|
| 1936 | 24. Juli | Zusatzanträge | Zwei zusätzliche Bestimmungen zum Gesetz über das Nationale Getreideamt (Office national du blé). |
| 1936 | 11. August | Änderungsantrag | Änderung zu den Ruhestandsversetzungen nach Dienstalter (Mises à la retraite par ancienneté). |
| 1936 | 28. September | Interpellation | Anfrage an den Ministerpräsidenten wegen der Duldung von Fabrikbesetzungen; Reibel bezeichnet diese als rechtswidrig, als Eingriff in das Eigentumsrecht und als revolutionäre Aktion. |
| 1937 | 21. Januar | Interpellation | Anfrage an den Justizminister zur Verfolgung politischer Gewalttaten (Sartrouville und Soissons). |
| 1937 | 2. Februar | Gesetzesvorschlag | Mitunterzeichner eines Gesetzes zum Schutz der Personalbestände der französischen Armee. |
| 1937 | 16. Februar | Interpellation (Begründung) | Ausführliche Behandlung seiner Interpellation zu den Vorfällen von Soissons und Sartrouville. |
| 1937 | 27. April | Interpellation | Anfrage an den Ministerpräsidenten zum Schutz nationaler Symbole, insbesondere Nationalhymne und Flagge. |
| 1938 | 27.–28. Februar | Änderungsantrag | Änderungsantrag zum Gesetz über Schlichtungs- und Schiedsverfahren; später zurückgezogen. |
| 1938 | 29. März | Interpellation | Anfrage an den Außenminister zur französischen Spanienpolitik und zur Fortführung der Nichtinterventionspolitik. |
| 1938 | 16. Juni | Interpellation | Anfrage an den Außenminister, ob Frankreich tatsächlich die Nichtintervention im Spanischen Bürgerkrieg einhalte und keine Waffenlieferungen über die Pyrenäengrenze zulasse. |
| 1938 | 8. Dezember | Gesetzesvorschlag | Gesetzesinitiative zur Heranziehung ausländischer Arbeitnehmer in Frankreich zum Militärdienst und ihrer Eingliederung in besondere Einheiten. |
| 1939 | 26. Januar | Interpellation | Anfrage an den Außenminister, warum Frankreich noch keinen Vertreter bei General Franco entsandt habe. |
| 1939 | 27. Januar | Gesetzesvorschlag | Änderung von Artikel 4 des Staatsangehörigkeitsgesetzes vom 10. April 1927. |
| 1939 | 7. Februar | Interpellation (Begründung) | Ausführliche Darlegung seiner Kritik an der französischen Außenpolitik gegenüber dem Franco-Regime. |
| 1939 | 21. Februar | Interpellation | Anfrage wegen eines angeblichen Dekrets der republikanischen spanischen Regierung aus Paris; Prüfung seiner Echtheit und möglicher französischer Gegenmaßnahmen. |
| 1939 | 28. März | Interpellation | Forderung nach Offenlegung der Dokumente zu den Münchner Vereinbarungen von 1938 sowie der italienischen Note vom 17. Dezember 1938 und der französischen Antwort darauf. |
| 1939 | 26. Dezember | Änderungsantrag | Änderungsantrag zum Budget 1940 betreffend das Centre national de la recherche scientifique (CNRS). |
| 1940 | 12. Januar | Interpellation | Anfrage an den Ministerpräsidenten zur Organisation des Oberkommandos der Land- und Luftstreitkräfte. |
| 1940 | 8. Februar | Interpellation | Anfrage an den Justizminister über die Rolle der Justiz bei der Bekämpfung „hitléro-kommunistischer“ Aktivitäten. |
| 1940 | 22. Februar | Interpellation | Anfrage an den Innenminister wegen unzureichender Maßnahmen gegen „hitléro-kommunistische“ Aktivitäten und wegen der Flucht eines ausländischen Politikers vor der französischen Justiz. |
Weblinks
- Charles Reibel. In: Assemblée nationale. (französisch).
- REIBEL Charles Ancien sénateur de la Seine-et-Oise. In: Sénat. (französisch).
- Reibel, Charles. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- Angaben zu Charles Reibel in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
Einzelnachweise
- ↑ Reibel. In: Base Léonore. Abgerufen am 6. Juni 2026 (französisch).
- ↑ a b c Jean Jolly: Biographie extraite du dictionnaire des parlementaires français de 1889 à 1940. PUF, 1960 (assemblee-nationale.fr).
- ↑ Olivier Wieviorka: Les orphelins de la République : destinées des députés et des sénateurs français, 1940–1945. Seuil, 2015, ISBN 978-2-02-128374-7, S. 126.
- ↑ Extrait de la table nominative 1936 . Le Sénat.
- ↑ REIBEL Charles. Ancien sénateur de la Seine-et-Oise Le Sénat français.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
Louis Loucheur | Minister für die befreiten Gebiete 15.1. 1922 – 29.3. 1924 | Louis Marin |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Reibel, Charles |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Politiker |
| GEBURTSDATUM | 29. Dezember 1882 |
| GEBURTSORT | Vesoul |
| STERBEDATUM | 26. Juni 1966 |
| STERBEORT | Paris |
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