Birgit Cauer
Birgit Cauer (* 1. August 1961 in Frankfurt am Main) ist eine deutsche Bildhauerin und Installationskünstlerin. Ihr Werk umfasst Steinskulpturen, Installationen und Kunst im öffentlichen Raum. Sie setzt sich darin mit dem klassischen Skulpturbegriff der Moderne auseinander und erweitert diesen durch den Einsatz ungewöhnlicher Materialien sowie experimenteller Verfahren.[1]
Leben
Birgit Cauer entstammt der rheinländischen Bildhauerfamilie Cauer.[2][3] Ab ihrem 13. Lebensjahr erhielt sie Unterricht bei der Holzbildhauerin Christiane von Kessel. Nach dem Abitur nahm sie 1980 ein Mathematikstudium an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt auf. Nach zwei Jahren wechselte sie das Studienfach und wandte sich an derselben Universität dem Studium der Kunstpädagogik und der Kunstwissenschaft mit dem Schwerpunkt Plastik und Design bei Wolf Spemann zu; 1989 schloss sie dieses mit dem Magister Artium ab. Von 1986 bis 1991 hielt sie sich für Arbeitsaufenthalte und ein Gaststudium an der Accademia di Belle Arti in Carrara auf. Seit 1992 ist sie als freischaffende Bildhauerin tätig und lebt seit 1999 in Berlin. Im Jahr 2004 eröffnete sie ihr Atelier im Neuen Atelierhaus Panzerhalle e.V. im Potsdamer Ortsteil Groß Glienicke.
Seit 2004 hat Birgit Cauer einen Lehrauftrag für Steinbildhauerei im Fachbereich Kunsttherapie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und ist als Dozentin am dortigen Kolleg Kunsttherapie Berlin tätig.[4] Von 2006 bis 2009 wirkte sie beim Forschungsprojekt ARTuS! Kunst unseren Schulen in Brandenburg mit und war von 2006 bis 2011 Mitglied im Kunstverein Scotty Enterprises e.V., Berlin.
Im Mai 2024 wurde Birgit Cauer zur Sprecherin des Vorstands des Berufsverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler (bbk berlin) gewählt. Zuvor war sie dort bereits im Vorstand tätig.[5]
Werk
Zentrales Thema des künstlerischen Schaffens von Cauer ist der Prozess der Entstehung des Lebendigen, der in ihren Arbeiten am und mit dem Stein thematisiert wird. Ausgehend von der Erfahrung, durch die Bearbeitung des Steins in ein Verhältnis zu diesem zu treten, stellt sie seine Bezeichnung als „totes Material“ in Frage und untersucht an ihm die Übergänge vom Anorganischen zum Organischen, vom Mineralischen zum Biologischen.[6] So setzt sie den Stein in experimentellen Versuchsanordnungen den Wirkkräften von Salzen, Säuren und Spurenelementen aus und überlässt ihn sich selbst; auf diese Weise werden Entstehungs-, Umformungs- und Korrosionsprozesse sichtbar, während sich das scheinbar leblose Material zu einem eigenständigen Gegenüber entwickelt.[7][8]
Ausstellungen, Stipendien und Förderungen (Auswahl)
Einzelausstellungen
- 2013: Industria Animabilis, Gerhard-Marcks-Haus, Bremen
- 2018: Keime des Lichts, Kommunale Galerie Historischer Gewölbekeller, Berlin-Spandau
- 2021: Petra – Morphologie der Steine, Weißfrauen Diakoniekirche, Frankfurt am Main
- 2022–2024: Litho Vital I, Historisches Museum Frankfurt
Gruppenausstellungen, Symposien und Projekte im öffentlichen Raum
- 1995: III. Europa-Biennale Niederlausitz, Pritzen (Installation: Sonnen-Chronometer, gemeinsam mit Jürgen Engel, Katalog)[9]
- 1996: Leibräume, 5. Internationales Bildhauerpleinair im Müritz-Nationalpark und im Wigry-Nationalpark (Katalog)
- 1997: Leibräume, Kunstwanderweg Behringen (Katalog)
- 2007: Labyrinthus, Pflanzeninstallation im Kloster Helfta, Lutherstadt Eisleben
- 2010: Das flämische Haus, Kunstwanderweg Hoher Fläming, Belzig (Katalog)
- 2017: Hier und Jetzt, KunstHaus Potsdam
- 2019: Haussteine, Park-Kita Jungfernheide, Berlin
- 2022: Steine ohne Grenzen, Internationales Bildhauersymposium, Berlin/Brandenburg
- 2023: Terra Exalta, Leben zwischen Himmel und Erde, deutsch-polnisches Bildhauersymposium, Bernau bei Berlin
- 2023: LAPI-LOG/LAPI-LIEGE, begehbare Skulptur, Straße des Friedens, Dörrmoschel/Donnersbergkreis, entstanden auf dem Symposium Skulpturverein Rheinland-Pfalz, Steinbruch Picard, Schweinstal-Krickenbach
- 2025: Granite Blooming in the brightness of now, Skulptur für den öffentlichen Raum, Tuwaiq International Sculpture Symposium, Riyadh, Saudi-Arabien
Stipendien und Förderungen
- 1997: Stipendium bei Artists Unlimited, Bielefeld
- 2001: Arbeitsstipendium der Stiftung Kulturfonds, Berlin
- 2011: ÜBER LEBENSKUNST. Schule der Kulturstiftung des Bundes
- 2013: Arbeitsstipendium des Künstlerhauses Schloss Wiepersdorf[10]
- 2018: Artist in Residence, TARE Steigen AIR, Norwegen, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg
- 2021: Entwicklungsstipendium der VG Bild-Kunst, Bonn
- 2024: Arbeitsstipendium der Willms Neuhaus Stiftung, Hamburg, sowie Arbeitsstipendium der Kunstpunkt Stiftung Herpel, Berlin
- 2025: Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds
Weblinks
- Offizielle Website von Birgit Cauer
- Birgit Cauer: Ich fühle mich verantwortlich, dass das System läuft (Video), auf Berliner Zimmer (Videoarchiv von Sonya Schönberger und dem Stadtmuseum Berlin), 22. Juli 2025 Groß Glienicke
- Birgit Cauer auf der Website des sculpture network
- Birgit Cauer auf der Website des Berufsverbandes Bildender Künstler*innen Berlin e. V.
Einzelnachweise
- ↑ Birgit Cauer: Leibesdinge. Skulpturen, Objekte und Zeichnungen. sine causa Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-941033-05-4, S. 4.
- ↑ Birgit Cauer aus Berlin macht Kunst zum Kuscheln - Bildhauersymposium im Schweinstal. 25. August 2023, abgerufen am 23. März 2026.
- ↑ Geschichte. In: Cauer-Haus. Cauer-Gesellschaft, abgerufen am 28. März 2026.
- ↑ Kunsttherapie-Berlin: Birgit Cauer. Abgerufen am 26. März 2026.
- ↑ Vorstand des bbk berlin – bbk berlin. Abgerufen am 26. März 2026.
- ↑ Birgit Cauer. Zum Werk. In: Naturstein. Nr. 12, 2016, S. 4–11.
- ↑ kunst- und museumsbibliothek - dokumentationszentrum kunst | Cauer, Birgit. Abgerufen am 24. März 2026.
- ↑ About | Birgit Cauer. Abgerufen am 25. März 2026.
- ↑ Projekt Birgit Cauer/Jürgen Engel: Sonnenchronometer. In: Förderverein Kulturlandschaft Niederlausitz e.V. (Hrsg.): III. Europa-Biennale Niederlausitz, 19. Juni bis 9. Juli 1995 in Pritzen, Niederlausitz/Land Brandenburg. Cottbus 1995, ISBN 3-00-002567-7.
- ↑ Alumni bis 2018 - Schloss Wiepersdorf (de). Abgerufen am 25. März 2026.
Literatur
- Birgit Cauer: Leibesdinge. Skulpturen, Objekte und Zeichnungen. sine causa Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-941033-05-4 (Katalog zur Ausstellung).
- Birgit Cauer: Leibesräume. Pflanzungen und Installationen im öffentlichen Raum. sine causa Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-941033-14-6 (Katalog zur Ausstellung).
- Birgit Cauer. Zum Werk. In: Naturstein. Nr. 12/2016. ISSN 0028-1026. S. 4–11.
- Sabine Meißner: Steter Tropfen höhlt den Stein. In: Naturstein. Nr. 1/2022. ISSN 0028-1026. S. 39–41.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Cauer, Birgit |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Bildhauerin und Installationskünstlerin |
| GEBURTSDATUM | 1. August 1961 |
| GEBURTSORT | Frankfurt am Main |
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