Ali M. Abdullah
Ali M. Abdullah (geboren im 20. Jahrhundert in Wien) ist ein österreichischer Regisseur und war 14 Jahre lang Intendant des Off-Theaters WERK X.
Leben und Wirken
Ali M. Abdullah wurde ihn Wien als Sohn eines aus Indien stammenden Geschäftsmanns und einer Österreicherin geboren.[1] Er studierte Schauspielregie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz.[2] Im dritten Studienjahr hatte er 1990 sein Bühnendebüt in der DDR: als Schauspieler und Regieassistent in Klassenfeind von Nigel Williams am bat-Studiotheater der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch,[3] an der seine Schwester Leila Abdullah ab 1989 Schauspiel studierte.[4]
Ali M. Abdullah inszenierte nach seinem Studium zunächst in der freien Szene[5] und leitete dann in der Spielzeit 2000/2001 die Probebühne des Schauspielhaus Graz. Er war u. a. am Schauspiel Frankfurt, Theater Bonn, Theater Aachen, Theater Trier, Théâtre National du Luxembourg, Theater Oberhausen, Nationaltheater Mannheim als Regisseur tätig.[2]
2004 gründete Abdullah mit Harald Posch das Projekt DRAMA X, die dem sie Theaterproduktionen an verschiedenen Orten in Wien realisierten. Ein Fokus des Projekts lag auf der Bühnenadaption von Dokumentarfilmen: 2006 inszenierte Abdullah den Film My Life as a Terrorist über Hans-Joachim Klein, der 1975 an der OPEC-Geiselnahme in Wien beteiligt war.[5] Die Inszenierung wurde u. a. zu den Autor:innentheatertagen am Thalia Theater (Hamburg) eingeladen.[6]
Aus DRAMA X ging 2009 die GARAGE X mit einer eigener Spielstätte am Petersplatz der hervor. 2012 wurden Ali M. Abdullah und Harald Posch für die Saison 2011/12 an der GARAGE X mit dem Nestroy-Spezialpreis ausgezeichnet. Nach der Erweiterung um einen weiteren Spielort im Kabelwerk Meidling wurde das Theater 2014 in WERK X umbenannt.[2]
2017 wurde Abdullahs Inszenierung Macht und Rebel als beste Off-Produktion für den Nestroy-Preis nominiert. Sie ist der letzte Teil der norwegischen Buchtrilogie Skandinavische Misanthropie von Matias Faldbakken, die Abdullah ab 2008 für die Bühne adaptierte und inszenierte. 2018 sorgte er für die österreichische Uraufführung von Homohalal des aus Syrien stammenden Autors Ibrahim Amir, nachdem das Volkstheater (Wien) eine geplante Inszenierung 2016 aufgrund der politisch aufgeladenen Situation angesichts der Flüchtlingskrise abgesetzt hatte.[1]
2023 gaben Abdullah und Posch die Leitung des WERK X ab.[2]
Regie (Auswahl)
- 1992: Heilige Kühe von Oliver Cseslik, dietheater (heute: brut Wien)[7]
- 2000: Gier von Sarah Kane, Bühnenbild: Frank-Tilmann Otto, Kostüme: Michaela Mayer-Michnay, Schauspielhaus Graz / Steirischer Herbst[8]
- 2003: norway.today von Igor Bauersima, Theater Aachen[9]
- 2003: Fremdenzimmer II von Ulrike Syha, Theater Aachen (Uraufführung)[10]
- 2008: Festung Europa von Tom Lanoye, Theater Trier (Uraufführung Autorenfassung)[11]
- 2012: Doppeltüren von Alan Ayckbourn, Bühnenbild und Kostüme: Renato Uz, Theater Oberhausen[12]
- 2013: Mao und ich von Ulrike Syha, Bühnenbild und Kostüme: Christoph Ernst, Nationaltheater Mannheim[13]
DRAMA X
- 2006: My Life as a Terrorist nach einem Film von Alexander Oey, Bühnenbild: Erich Sperger, Kostüme: Dagmar Bald, Rabenhof Wien (Uraufführung)[14]
- 2008: The Cocka Hola Company nach dem Roman von Matias Faldbakken, Bühnenbild: Erich Sperger (Österreichische Erstaufführung)
GARAGE X
- 2011: Unfun nach dem Roman von Matias Faldbakken, Bühnenbild: Christoph Ernst[15]
- 2012: Karte und Gebiet nach Michel Houellebecq, Bearbeitung: Ali M. Abdullah und Hanna Lioba Egenolf, Bühnenbild und Kostüme: Renato Uz, Musik: Florian Kmet, (Österreichische Erstaufführung)[16]
- 2012: Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaften von Elfriede Jelinek, Bühnenbild und Kostüm: Renato Uz[17]
WERK X
- 2014: Seelenkalt (Duchless) von Sergej Minajew, Bearbeitung: Ali M. Abdullah und Hannah Lioba Egenolf, Bühnenbild: Christoph Ernst und Renato Uz (Uraufführung)[18]
- 2016: Unterwerfung (Soumission) von Michel Houellebecq (Österreichische Erstaufführung)[19]
- 2017: Macht und Rebel nach dem Roman von Matias Faldbakken, Bearbeitung: Ali M. Abdullah und Hannah Lioba Egenolf, Bühne und Kostüm: Renato Uz, Musik: Andreas Dauböck[20]
- 2018: Aufstand der Unschuldigen. Eine Agitprop-Posse für Dummys von Ali M. Abdullah und Ensemble (Uraufführung), Bühnenbild und Kostüm: Renato Uz, Musik: Moritz Wallmüller[21]
- 2018: Homohalal von Ibrahim Amir, Bühnenbild und Kostüm: Renato Uz (Österreichische Erstaufführung)[1]
- 2020: Baal von Bertolt Brecht, Bühnenbild und Kostüm: Renato Uz, Musik: Andreas Dauböck[22]
- 2021: Aus dem Nichts nach dem gleichnamigen Film von Fatih Akin, Bühnenbild und Kostüm: Renato Uz[23]
- 2022: Eskalation ordinär. Ein Schwitzkastenschwank in 7 Affekten von Werner Schwab, Bühnenbild und Kostüm: Renato Uz, Musik: Max Hoffmann[24]
- 2022: Mein Fall nach dem Buch von Josef Haslinger, Bühnenbild und Kostüm: Renato Uz, Musik: Andreas Dauböck (Uraufführung)[25]
Weblinks
- Webseite des ehemaligen WERK X
- Fotografien von Ali M. Abdullah in Klassenfeind (1990): HfS-Archiv F529 / F320
Einzelnachweise
- ↑ a b c Flucht und Migration auf der Theaterbühne. In: meinbezirk.at. 23. März 2018, abgerufen am 20. August 2026.
- ↑ a b c d lexikon - Abdullah, Ali M. In: Nachtkritik. Abgerufen am 20. August 2026.
- ↑ Programmheft zu "Klassenfeind" am bat-Studiotheater 1990 :: Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin :: museum-digital:berlin. Archiviert vom am 20. Dezember 2024; abgerufen am 21. August 2026 (englisch).
- ↑ Magdalena Mayer: Werk X: Nah am Leben. In: Die Presse. 18. Mai 2018, abgerufen am 20. August 2026.
- ↑ a b Wolfgang Kralicek: The X-Men. In: Falter. 15. November 2006, abgerufen am 21. August 2026 (österreichisches Deutsch).
- ↑ ARGEkultur Salzburg - "Karte und Gebiet" nach Michel Houellebecq. Abgerufen am 21. August 2026.
- ↑ Theater in Österreich. Verband der Wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs, 1994, ISBN 978-3-901126-63-5, S. 266 (google.de [abgerufen am 21. August 2026]).
- ↑ Gier / Crave - steirischer herbst Archiv. Abgerufen am 21. August 2026.
- ↑ Sabine Rother: Berührendes Stück: „norway.today“ im Mörgens. In: Aachender Zeitung. 14. Oktober 2002, abgerufen am 21. August 2026 (deutsch).
- ↑ Fremdenzimmer I-III. In: Rowohlt Theaterverlag. Abgerufen am 21. August 2026.
- ↑ Uraufführung der Autorenfassung: FESTUNG EUROPA von von Tom Lanoye im Theater Trier. In: Theaterkompass. 20. April 2008, abgerufen am 21. August 2026.
- ↑ "Doppeltüren" - Kriminalkomödie von Alan Ayckbourn im theater.oberhausen. In: Theaterkompass. 20. April 2012, abgerufen am 21. August 2026.
- ↑ Uraufführung: "Mao und ich" von Ulrike Syha im Nationaltheater Mannheim. In: Theaterkompass. 30. November 2013, abgerufen am 21. August 2026.
- ↑ DRAMA X | DAGMAR BALD. 10. August 2020, abgerufen am 21. August 2026 (deutsch).
- ↑ Unfun. In: WERK X. Abgerufen am 20. August 2026 (deutsch).
- ↑ Kai Krösche: Karte und Gebiet – Die österreichische Erstaufführung von Michel Houellebecqs Roman in der Garage X Wien. In: Nachtkritik. 21. November 2012, abgerufen am 21. August 2026 (deutsch).
- ↑ Martin Pesl: Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte – Ali M. Abdullah gibt mit Elfriede Jelinkeks Feminismusklassiker eine Party an der Garage X. In: Nachtkritik. 22. Februar 2012, abgerufen am 21. August 2026 (deutsch).
- ↑ Seelenkalt (Duchless). In: WERK X. Abgerufen am 20. August 2026 (deutsch).
- ↑ Unterwerfung (Soumission). In: WERK X. Abgerufen am 20. August 2026 (deutsch).
- ↑ Skandinavische Misanthropie. In: WERK X. Abgerufen am 21. August 2026 (deutsch).
- ↑ Aufstand der Unschuldigen. In: WERK X. Abgerufen am 20. August 2026 (deutsch).
- ↑ Baal. In: WERK X. Abgerufen am 20. August 2026 (deutsch).
- ↑ Aus dem Nichts. In: WERK X. Abgerufen am 20. August 2026 (deutsch).
- ↑ Eskalation ordinär. In: WERK X. Abgerufen am 20. August 2026 (deutsch).
- ↑ Mein Fall. In: WERK X. Abgerufen am 20. August 2026 (deutsch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Abdullah, Ali M. |
| ALTERNATIVNAMEN | Abdullah, Ali Mohamed (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Regisseur und Theaterleiter |
| GEBURTSDATUM | 20. Jahrhundert |
| GEBURTSORT | Wien |
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