Alexander Shirreff

Alexander David Shirreff (* 29. Oktober 1919 in Nainital, Britisch-Indien; † 12. Juli 1999 in Norfolk) war ein britischer Offizier, Kolonialbeamter und Autor.

Leben

Shirreff war der Sohn von Alexander Grierson und Dulcie Marion Shirreff. Er besuchte das Internat Sherborne School in Dorset. Nach dem Schulabschluss reiste er zunächst nach Deutschland und Österreich, wobei er die deutsche Sprache erlernte und studierte anschließend ein Jahr am Exeter College. Da er den drohenden Krieg für unausweichlich hielt und erwartete, ohnehin zum Militär berufen zu werden, meldete er sich freiwillig zur Infanterie, wurde für die Officer Cadet Training Unit ausgewählt und absolvierte die Royal Military Academy Sandhurst.

Militärische Laufbahn

Shirreff wurde den 5. King's African Rifles zugeteilt und nahm 1941 an der Abyssinian Campaign des Ostafrikafeldzugs teil. Für einen Einsatz bei Ambositra in Madagascar am 19. Oktober 1942 wurde er für das Military Cross vorgeschlagen, später ausgezeichnet und zum Hauptmann (Captain) befördert. Auf Bitte von Generalmajor Charles Fowkes kam er mit den 5. African Rifles zum 11. Aufklärungsbataillon, mit dem er im September 1944 nach Palel (Assam) und weiter ins Kabaw-Tal an der Grenze zwischen Indien und Myanmar (damals Burma) zog. Nach heftigen Kämpfen gegen japanische Truppen in Burma kehrte Shirreff 1945 nach Kenia zurück und heiratete dort am 23. Juli 1945 Helen Mary Wingate, mit der er zwei Töchter bekam und in zweiter Ehe Dione Hilary, mit der er zwei weitere Töchter und einen Sohn bekam.[1] Über seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg veröffentlichte Shirreff später mehrere Bücher. Sein Buch Barefeet and Bandoliers gilt als einzige Monografie über die Operationen von Orde Wingate in Äthiopien und beschreibt dessen Guerilla-Taktiken mit dem Einsatz irregulärer lokaler Truppen.[2]

Colonial Service

Shirreff trat nach dem Krieg dem Colonial Service bei, in dem er anschließend folgende Posten bekleidete:

Als District Commissioner in West Pokot wies er mehrfach das Ansinnen zurück, Siebenten-Tags-Adventisten eine Kirche in Kapenguria errichten zu lassen.[10] Durch die Einrichtung von Weideauschüssen (grazing committees) mit lokalen Ältesten wollte Shirreff in West-Pokot in der Bevölkerung eine eigenverantwortliche Organisation der Landnutzung etabliert werden, um Konflikte mit der britischen Administration durch deren offene Eingriffe zu minimieren.[11] Gleichzeitig versuchte er, die traditionelle Jagd vieler Gruppen in Pokot als „Wilderei“ zu unterbinden und jungen Männern das Tragen von Waffen nur während des Hütens von Tieren zu gestatten: dagegen sollten europäische Jäger für eine Kontrolle des Wildbestandes sorgen.[12] 1956/57 kam es in Pokot zu Aufständen eines Ablegers der Dini Ya Msambwa, einer traditionellen religiösen Gruppe, gegen die Kolonialherrschaft. Mehrere hundert Menschen wurden verhaftet, Shirreff schlug in einem Bericht vor, „die Furcht vor Hexerei mit einer größeren Furcht vor der Regierung zu ersetzen“[13] und hielt fest, dass „jeder Pokot, wenn er nicht gar ein Anhänger der Dini ya Msambwa ist, zumindest ein Sympathisant ist“, was er auf Mängel des Bildungssystems, die Armut und den niedrigen Lebensstandard der Bevölkerung zurückführte.[14] Eine Vielzahl von Dokumenten, Reporten und Korrespondenz von A. D. Shirreff aus seiner Zeit im Colonial Service ist Bestandteil des Kenia Nationalarchiv.[15]

Nach der Unabhängigkeit Kenias im Juni 1963 kehrte er nach England zurück, wurde als Rechtsanwalt zugelassen und arbeitete als Partner in der Kanzlei Bankes Ashton in Bury St Edmunds.[2]

Auszeichnungen (Auswahl)

Privates

Eines seiner Kinder war der spätere General Richard Shirreff.

Bücher

  • Barefeet and Bandoliers: Wingate, Sandford, the Patriots and the Liberation of Ethiopia. Pen & Swords, 1995, ISBN 978-1-850-43922-6
  • mit Arthur Sharman: Suffolk Memories. Stories of Walberswick and Blythburgh People during World War II. The Yard Press, 1998, ISBN 978-0-951-49105-8

Einzelnachweise

  1. Jeremy Archer: The Final Curtain: Burma 1941-1945. Veterans’ Stories. 2001, ISBN 978-1-3990-7042-3, Kap. 35, S. 224–238 (englisch).
  2. a b Simon James Anglim: WINGATE AND THE BRITISH ARMY, 1922-1944: Military Thought and Practice Compared and Contrasted. Routledge, 2016, S. 20–21
  3. Kenya Gazette, 22. Januar 1946
  4. Kenya Gazette, 23. Oktober 1951
  5. Kenya Gazette, 12. April 1960
  6. Kenya Gazette. 16. August 1960 (google.de [abgerufen am 24. April 2026]).
  7. Kenya Gazette, 29. September 1961
  8. Kenya Gazette, 1. Oktober 1960
  9. Kenya Gazette. 6. November 1962 (google.de [abgerufen am 24. April 2026]).
  10. Godfrey K. Sang: Kamakil, Robert (1920–2010). In: Encyclodpedia of Seventh-Day Adventists (ESDA).
  11. Lomoywara Korir Meshack: Transformation of Cattle Rustling in West Pokot County, Kenya 1895-2000. Kenyatta University, 2018, S. 116–117
  12. Lomoywara Korir Meshack: Transformation of Cattle Rustling in West Pokot County, Kenya 1895-2000. Kenyatta University, 2018, S. 126–128
  13. Pat Robbins: Red-spotted Ox. A Pokot life. International Work Group for Indigenous Affairs, Document 124, Copenhagen, 2010, S. 323
  14. Jean Huchon: INTEGRATION ET CONFLITS D’ESPACES. Les dynamiques territoriales des Pokot (Nord-ouest du Kenya). Université Toulouse, 2014. S. 171
  15. Robert G. Gregory, Robert M. Maxon und Leon P. Spencer: A Guide to the Kenya National Archives. Syracuse University, 1968
  16. Shirreff, Alexander David - S/4382/91 - Burma Star Memorial Fund. 13. August 2019, abgerufen am 24. April 2026 (englisch).

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