World (Blockchain)

Logo von World

World (bis Oktober 2024 Worldcoin, auch World Network) ist ein auf Blockchain-Technik beruhendes Projekt zur digitalen Identitätsprüfung und zum Aufbau eines weltweiten Finanznetzwerks. Kern des Projekts ist die sogenannte World ID, mit der Nutzer gegenüber digitalen Diensten nachweisen können sollen, dass hinter einem Konto ein einzigartiger Mensch und kein automatisiertes Programm steht, ohne dabei ihre bürgerliche Identität offenzulegen.[1] Zum Netzwerk gehören außerdem die mobile World App, die Blockchain World Chain und die Kryptowährung Worldcoin mit dem Kürzel WLD.[2]

Zur vollständigen Verifizierung einer World ID werden Gesicht und Iris des Nutzers mit einem als „Orb“ bezeichneten biometrischen Aufnahmegerät erfasst. Aus dem Irismuster wird ein digitaler Code abgeleitet, anhand dessen das System prüfen soll, ob sich die betreffende Person bereits zuvor registriert hat. Die Erfassung biometrischer Daten, die Ausgabe von WLD-Token als Anreiz zur Registrierung und die organisatorische Kontrolle über die Infrastruktur führten zu Kritik sowie zu Untersuchungen und Einschränkungen durch Datenschutzbehörden in mehreren Staaten.

Geschichte

Das Projekt wurde 2019 von Sam Altman, Alex Blania und Max Novendstern unter dem Namen Worldcoin gegründet. Ausgangspunkt war die Idee, ein globales digitales Identitäts- und Finanznetzwerk aufzubauen, das zwischen einzelnen Menschen und automatisierten Systemen unterscheiden und eine möglichst breite Teilnahme an der digitalen Wirtschaft ermöglichen sollte.[3] Die technische Entwicklung übernahm maßgeblich das 2019 gegründete Unternehmen Tools for Humanity. Dieses entwickelte neben dem Orb auch die World App und frühe Versionen des World-ID-Protokolls.[4]

Während einer mehrjährigen Testphase registrierte das Projekt Nutzer in zahlreichen Staaten. Die Registrierung erfolgte teilweise durch örtliche, erfolgsabhängig vergütete Betreiber der Orb-Geräte; in zugelassenen Staaten erhielten registrierte Personen WLD-Token. Das Projekt brachte diesen Verteilungsmechanismus unter anderem mit Überlegungen zu einem globalen bedingungslosen Grundeinkommen in Verbindung.[5] Bis März 2022 hatte World mithilfe seiner Orb-Technologie 450.000 Personen in 24 Ländern verifiziert und die Daten zum Trainieren seiner Algorithmen genutzt. World setzt „Operatoren“ ein, um neue Nutzer zu registrieren.[6]

Im Mai 2023 nahm Worldcoin in einer von Blockchain Capital angeführten Finanzierungsrunde 115 Millionen US-Dollar ein.[7] Bis zum offiziellen Start hatten Investoren, darunter Andreessen Horowitz und Khosla Ventures, insgesamt rund 250 Millionen US-Dollar in das Vorhaben investiert.[8]

Am 24. Juli 2023 beendete Worldcoin die Betaphase und veröffentlichte das World-ID-Softwareentwicklungspaket sowie den handelbaren WLD-Token.[9]

Im März 2024 führte das Projekt das als „Personal Custody“ bezeichnete Verfahren ein. Die bei der Verifizierung erzeugten Bilder und weiteren Daten sollten danach verschlüsselt auf das Mobilgerät des Nutzers übertragen und vom Orb sowie von den zwischengeschalteten Servern gelöscht werden.[10] Im Mai 2024 folgte ein auf Secure Multi-Party Computation beruhendes System, bei dem biometrische Codes in verschlüsselte Fragmente aufgeteilt und auf mehrere Rechenknoten verteilt werden, um die Datenschutz-Grundverordnung der EU zu erfüllen.[11]

Am 17. Oktober 2024 wurde Worldcoin in World beziehungsweise World Network umbenannt. Gleichzeitig ging World Chain in Betrieb, eine auf Ethereum aufbauende Layer-2-Blockchain, in die World ID unmittelbar integriert ist.[12][13] Bis Februar 2025 waren 25 Millionen Menschen im World-Netzwerk.[14] Ziel des Projekts ist es letztlich einen Großteil der Menschheit zu verifizieren, um ein „Proof-of-Humanity“-System für die KI-Ära zu etablieren.[15]

Im Mai 2025 begann das Projekt seinen regulären Betrieb in den Vereinigten Staaten und eröffnete zunächst Verifizierungsstandorte in sechs Großstädten. Zugleich kündigte es Kooperationen mit Unternehmen aus den Bereichen Zahlungsverkehr, Computerspiele und Online-Dating an. Tools for Humanity arbeitet z. B. mit Visa zusammen, um eine Debitkarte auf den Markt zu bringen, die WLD beim Bezahlen in Fiat-Währung umrechnet.[16]

Struktur

Logo von Tools for Humanity

World ist organisatorisch kein einzelnes Unternehmen, sondern ein Netzwerk aus mehreren rechtlich getrennten Organisationen. Die auf den Cayman Islands eingetragene World Foundation fungiert als Verwalterin des Protokolls und soll dessen technische Entwicklung, Ökosystem und schrittweise Dezentralisierung fördern. Sie ist als mitgliederlose Stiftungsgesellschaft organisiert und besitzt weder Anteilseigner noch wirtschaftliche Eigentümer.[17] Eine Tochtergesellschaft der Stiftung ist die auf den Britischen Jungferninseln registrierte World Assets Limited. Sie ist für die Ausgabe und Verteilung der 75 Prozent des Gesamtbestands an WLD-Token verantwortlich, die nach dem Verteilungsplan für die Gemeinschaft des Netzwerks vorgesehen sind. Die ebenfalls von der Stiftung kontrollierte World Chain LLC mit Sitz auf den Cayman Islands besitzt und betreibt die technische Infrastruktur von World Chain.[2]

Tools for Humanity ist demgegenüber ein gewinnorientiertes, im US-Bundesstaat Delaware registriertes Technologieunternehmen mit Hauptstandorten in San Francisco und München und knapp 500 Mitarbeitern (2026). Das Unternehmen wird von Alex Blania als Vorstandsvorsitzendem geleitet; Sam Altman ist Vorsitzender des Verwaltungsrats. Tools for Humanity entwickelte den Orb und die World App und betreibt die App weiterhin. Nach Angaben des Projekts wird das Unternehmen rechtlich und organisatorisch unabhängig von der World Foundation geführt.[18][2]

Funktionsweise

Orb-Iriscanner-Gerät

Um die World-ID eines Nutzers zu erstellen, nimmt ein Gerät namens „Orb“ Bilder vom Gesicht und den Augen des Nutzers auf, um sicherzustellen, dass diese einzigartig sind und von einem Menschen stammen.[19] Laut Tools for Humanity werden Iris-Codes deshalb verwendet, da die Iris zufälliger und komplexer ist als Fingerabdrücke oder Gesichter und zudem weniger anfällig für Veränderungen ist.[20] Nach der biometrischen Verifizierung gibt World an, dass die Daten verschlüsselt, an das Telefon des Nutzers gesendet und dauerhaft vom Orb-Gerät gelöscht werden, und es wird eine eindeutige Kennung in Form einer 12.800-stellige Binärzahl, bekannt als Iris-Code erstellt, um den Nutzer in der World-Blockchain zu repräsentieren. Für die Verifizierung erhalten die Nutzer WLD-Token, eine handelbare Kryptowährung, als „Belohnung“.[21][15]

Bei der Verwendung der World ID erzeugt die App einen Zero-Knowledge-Beweis. Ein angeschlossener Dienst kann dadurch überprüfen, ob der Nutzer eine gültige und einzigartige World ID besitzt, ohne dessen World-ID-Schlüssel, biometrische Daten oder andere persönliche Angaben zu erhalten.[22]

Die World App dient zugleich als digitale Geldbörse und als Zugang zu Anwendungen innerhalb des Netzwerks. In Staaten, in denen die Ausgabe zugelassen ist, können verifizierte Nutzer WLD-Token erhalten und versenden. Die Verfügbarkeit und Höhe dieser Zuteilungen hängt unter anderem vom Wohnort, vom Alter und von regulatorischen Vorgaben ab.[2]

Kritik

Kritiker sehen in der weltweiten Erfassung biometrischer Merkmale ein erhebliches Datenschutz- und Sicherheitsrisiko. Im Unterschied zu Passwörtern können Irismerkmale bei einer Kompromittierung nicht geändert werden. Zudem wurde bezweifelt, ob Nutzer ausreichend über die langfristige Verarbeitung der aus ihren Iriden gewonnenen Daten informiert wurden und ob die angebotenen Kryptowährungen insbesondere bei wirtschaftlich benachteiligten Personen eine freiwillige und informierte Einwilligung ermöglichten. Eine Untersuchung des MIT Technology Review berichtete 2022 über unzureichende Aufklärung, technische Probleme und irreführende Aussagen bei der Anwerbung früher Teilnehmer in einkommensschwächeren Regionen. Das Projekt habe einen großen Teil seiner Testnutzer in Staaten angeworben, in denen finanzielle Anreize besonders wirksam und gesetzliche Schutzmechanismen teilweise schwächer seien.[6]

Umstritten ist außerdem, ob die im System verbleibenden biometrischen Fragmente tatsächlich vollständig anonymisiert sind. World erklärt, die über mehrere Rechenknoten verteilten Fragmente könnten weder einzelnen Personen zugeordnet noch in den ursprünglichen Iriscode zurückverwandelt werden. Die Fragmente können jedoch nicht individuell gelöscht werden, da sie weiterhin zur Verhinderung von Mehrfachregistrierungen verwendet werden.[23]

Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht, das wegen des europäischen Sitzes von Tools for Humanity federführend für die Untersuchung innerhalb der Europäischen Union war, stellte im Dezember 2024 grundlegende datenschutzrechtliche Mängel fest. Die Behörde verpflichtete das Unternehmen unter anderem dazu, ein mit der Datenschutz-Grundverordnung vereinbares Löschverfahren einzuführen und den Nutzern die uneingeschränkte Wahrnehmung ihres Rechts auf Löschung zu ermöglichen.[24] World legte gegen Teile der Entscheidung Rechtsmittel ein und vertrat die Auffassung, bei den umstrittenen Fragmenten handele es sich nicht mehr um personenbezogene Daten.[15]

Weitere Behörden schränkten den Betrieb ein. Spanien und Portugal untersagten 2024 zeitweise die Erfassung biometrischer Daten.[25] Die Datenschutzbehörde von Hongkong bewertete die Erfassung von Gesichts- und Irisbildern als unnötig und unverhältnismäßig und ordnete im Mai 2024 die Einstellung der dortigen Datenerhebung an.[26] Ein kenianisches Gericht ordnete im Mai 2025 die Löschung der ohne ausreichende Datenschutz-Folgenabschätzung erhobenen biometrischen Daten an.[27] Im Oktober 2025 untersagte die philippinische Datenschutzkommission Tools for Humanity vorläufig sämtliche mit der World App und den Orb-Geräten verbundenen Verarbeitungen personenbezogener Daten. Sie beanstandete unter anderem die durch finanzielle Anreize beeinflusste Einwilligung und eine über das erforderliche Maß hinausgehende Erfassung biometrischer Informationen.[28] Auch in Indien, Indonesien und Thailand geriet World in den Fokus von Regulatoren und Gerichten.[29][30][31]

Neben den Datenschutzfragen wird der Grad der angestrebten Dezentralisierung kritisiert. Obwohl Teile der Software quelloffen sind und die World Foundation langfristig eine gemeinschaftliche Steuerung vorsieht, werden zentrale Bestandteile wie der Orb und die World App weiterhin von Tools for Humanity entwickelt beziehungsweise betrieben. Zudem sind 25 Prozent des WLD-Gesamtbestands für Investoren und Mitarbeiter vorgesehen. Im Falle einer erfolgreichen Etablierung der World ID als allgemeine Zugangsinfrastruktur könnte sich so erhebliche wirtschaftliche und institutionelle Macht bei den frühen Entwicklern und Kapitalgebern konzentrieren. Auch könnten Personen irgentwann gezwungen sein, ein solches System zu Nutzen, um noch am Internet partizipieren zu können.[15]

Einzelnachweise

  1. Anna Tong: Sam Altman’s rebranded Worldcoin ramps up iris-scanning crypto project. In: Reuters. 17. Oktober 2024, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  2. a b c d Universal token of World. World Foundation, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  3. Worldcoin project launches. World Foundation, 24. Juli 2023, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  4. Tools for Humanity. Tools for Humanity, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  5. Ryan Browne: Silicon Valley entrepreneur Sam Altman wants to scan your eyes in exchange for free cryptocurrency. In: CNBC. 21. Oktober 2021, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  6. a b Karen Hao, Eileen Guo: Deception, exploited workers, and cash handouts: How Worldcoin recruited its first half a million test users. In: MIT Technology Review. 6. April 2022, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  7. OpenAI’s Sam Altman raises $115 million for Worldcoin crypto project. In: Reuters. 25. Mai 2023, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  8. George Hammond: Sam Altman’s Worldcoin crypto project begins international rollout. In: Financial Times. 24. Juli 2023, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  9. Anna Tong: OpenAI’s Sam Altman launches Worldcoin crypto project. In: Reuters. 24. Juli 2023, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  10. World implements Personal Custody. World Foundation, 22. März 2024, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  11. World Foundation unveils new SMPC system, deletes iris codes. World Foundation, 15. Mai 2024, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  12. Anna Tong: Sam Altman’s rebranded Worldcoin ramps up iris-scanning crypto project. In: Reuters. 17. Oktober 2024, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  13. World Chain is now open to every human. World Foundation, 17. Oktober 2024, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  14. Lakshmi Varanasi: Sam Altman's World Network says 1 in 4 people are flirting with chatbots online. Abgerufen am 14. Juni 2026 (amerikanisches Englisch).
  15. a b c d Andrew R. Chow: The Orb Will See You Now. In: Time. 27. Mai 2025, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  16. Alex Heath: Sam Altman’s eye-scanning project launches cryptocurrency in the US. In: The Verge. 1. Mai 2025, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  17. About. World Foundation, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  18. Tools for Humanity. Tools for Humanity, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  19. Sam Altman's Worldcoin Launches 'Deep Face,' New Eye-Scanning Orb. 18. Oktober 2024, abgerufen am 14. Juni 2026 (britisches Englisch).
  20. Lakshmi Varanasi: Sam Altman's Worldcoin could support universal basic income by turning your iris into a code. Its privacy chief wants you to chill about your data. Abgerufen am 14. Juni 2026 (amerikanisches Englisch).
  21. World ID von World – Digitaler Proof of Human für das Internet. Abgerufen am 14. Juni 2026.
  22. Intro to zero-knowledge proofs, Semaphore and their application to World ID. World Foundation, 17. August 2023, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  23. What happens to your data after you verify your World ID at an Orb? World Foundation, 5. Juni 2025, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  24. First results of the “Worldcoin” investigation: BayLDA strengthens the rights of data subjects. (PDF) Bayerisches Landesamt für Datenschutzaufsicht, 19. Dezember 2024, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  25. Elizabeth Howcroft: Portugal orders Sam Altman’s Worldcoin to halt data collection. In: Reuters. 26. März 2024, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  26. Privacy Commissioner’s Office Finds that the Operation of the Worldcoin Project in Hong Kong Contravenes the Personal Data (Privacy) Ordinance. Office of the Privacy Commissioner for Personal Data, 22. Mai 2024, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  27. Katiba Institute welcomes High Court decision ordering deletion of unlawfully collected Worldcoin data. Katiba Institute, Mai 2025, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  28. NPC issues Cease and Desist Order against Tools For Humanity. National Privacy Commission, 8. Oktober 2025, abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  29. Sam Altman’s Worldcoin discontinues offline Orb verification services in India: MC Exclusive. Archiviert vom Original am 1. Januar 2024; abgerufen am 14. Juni 2026 (amerikanisches Englisch).
  30. Indonesia Suspends TFH's World ID Operations Over Biometric Data Concerns. Abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  31. PDPC tells firm to halt iris scan service. In: Bangkok Post. 25. November 2025 (englisch, bangkokpost.com [abgerufen am 14. Juni 2026]).

Content Disclaimer

Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.

  1. The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
  2. There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
  3. It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
  4. Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
  5. Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.