Der Wanderer W1 5/12 PS, auch Wanderer Puppchen genannt, war ein kleiner offener Tourenwagen, den die Wanderer-Werke aus Chemnitz 1912 herausbrachten. Er hatte zwei Sitze hintereinander und zwei Türen auf der linken Fahrzeugseite.
Zu seinem Spitznamen Puppchen kam der zierliche, nur 1,3 m breite und 3,1 m lange Kleinwagen durch die im selben Jahr in Berlin uraufgeführte Posse Puppchen von Jean Gilbert nach einer Aufführung in Chemnitz. Dort stand das kleine Fahrzeug 1913 im Central-Theater als Requisite auf der Bühne. Der Hersteller nannte es allerdings nie Puppchen.[1]
Vorn war ein gegengesteuerterVierzylinder-Reihenmotor mit 1,15 Liter Hubraum eingebaut, der 12 PS leistete und über ein 3-Gang-Getriebe rechts die Hinterräder antrieb; der Schalthebel lag innen rechts.
Im Jahr darauf erschien der Wanderer W2 5/15 PS mit einem etwas größeren Motor (1,22 Liter, 15 PS). Neben der Tandemanordnung der Sitze (Modell H) gab es den Zweisitzer mit nebeneinander angeordneten Sitzen (Modell N). Auch die Modelle mit Sitzen nebeneinander hatten nur auf der linken Seite eine Tür.
1914 erschien die dritte Ausführung, der Wanderer W3 5/15 PS mit abermals vergrößertem Motor (1,29 Liter, 15 PS). Zusätzlich zu den Zweisitzern gab es nun einen Dreisitzer (Modell Nv). In dieser Ausstattung wurde der Wagen bis 1919 hergestellt.
Erst nach dem Ersten Weltkrieg erschien der Wanderer W4 5/15 PS. Wiederum war der Hubraum des Motors geringfügig vergrößert worden. Bei einer Leistung von 17 PS betrug das Hubvolumen 1,3 Liter. Zudem hatte der Motor hängende statt der bis dahin stehenden Auslassventile. Der Tandemzweisitzer (Modell H) wurde nicht mehr angeboten.
1925 wurde der Wagen erneut überarbeitet. Der Wanderer W8 5/20 PS behielt zwar den gleichen Motor, der 5 PS mehr leistete. Das zweisitzige Modell (Modell N) entfiel, dafür wurde außer dem Dreisitzer ein Viersitzer angeboten.
1926 endete die Fertigung des Kleinwagens nach ca. 9000 Exemplaren ohne Nachfolger. Mittlerweile gab es den Opel 4 PS („Laubfrosch“), der den Markt der Kleinwagen dominierte. Wanderer sah keinen Sinn darin, ein direktes Konkurrenzmodell zu entwickeln, und setzte mit den Modellen W 10 und W 11 mehr auf die Mittelklasse.
Werner Oswald: Deutsche Autos 1920–1945. Alle deutschen Personenwagen der damaligen Zeit. 10. Aufl. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-87943-519-7.