Sabri Essid

Sabri Essid (geboren 1984 in Toulouse; gestorben im Februar 2018 in Syrien) war ein französischer islamistischer Dschihadist. Sein Kampfname war Abou Doujanah. Er war der erste Franzose, der wegen Völkermords verurteilt wurde. Essid war an der Kampagne des Islamischen Staates (IS) zur Ausrottung der Jesiden beteiligt.

Leben

Sabri Essid stand früh unter dem Einfluss von Fabien Clain, dem Medienexperten des IS in Frankreich, und von Olivier Corel, dem Leiter des terroristischen Artigat-Netzwerks.[1]

2005 wurde Essid verdächtigt, Anschläge in Lyon und Toulouse vorzubereiten. Die Ermittlungen dazu wurden ergebnislos eingestellt.[2]

27 farbige Kreise, die Namen von Mitgliedern des Artigat-Netzwerks enthalten, die mit Verbindungslinien verknüpft sind, um Beziehungen darzustellen. Die Farben richten sich nach dem Status (Gefängnis Syrien, Gefängnis Frankreich, tot, frei) der Personen. Essid ist mit einem schwarzen Kreis als tot markiert und mit den im Text genannten Personen verknüpft.
Artigat-Netzwerk (Stand 2026)

2006 reiste Essid zusammen mit Thomas Barnouin, einem Mitglied des Artigat-Netzwerks über Syrien in Richtung Irak, um sich al-Qaida anzuschließen und gegen die amerikanische Präsenz zu kämpfen. Sie wurden am 12. Dezember 2006 an der irakischen Grenze von den syrischen Behörden festgenommen. Am 13. Februar 2007 wurden sie an Frankreich ausgeliefert und 2009 vom Landgericht Paris zusammen mit der gesamten Artigat-Zelle unter der Führung von Olivier Corel vor Gericht gestellt. Er wurde von der 14. Kammer des Strafgerichts von Paris wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Vorbereitung einer terroristischen Straftat für schuldig befunden und zu fünf Jahren Haft verurteilt, davon ein Jahr auf Bewährung, verbunden mit einer dreijährigen Bewährungszeit und der Verpflichtung, an einem einwöchigen Staatsbürgerkurs teilzunehmen. Er wurde im Juli 2011 freigelassen und seitdem vom französischen Inlandsgeheimdienst Direction générale de la sécurité intérieure beobachtet.[1] Zu diesem Zeitpunkt war er als Kranführer tätig.[2][3]

2010 heiratete Essids Vater die Mutter von Mohammed Merah.[2] Essid wurde zum Mentor von Merah, der später bei terroristischen Anschlägen mehrere Menschen erschoss und selbst drei Tage später getötet wurde. Der Bruder Mohammed Merahs, Abdelkader Merah, erklärte bei seinem Prozess: „Als Sabri Essid mit Bart, langen Haaren und traditioneller Kleidung, aber in einem schicken Auto ins Viertel kam, zeigte er uns, dass der Islam nicht auf das Zuhause beschränkt war. Dass man sein Leben leben und gleichzeitig Muslim sein konnte. Als er kam, waren alle Moscheen überfüllt. Ab da habe ich mich natürlich engagiert. Er hat mir ein positives Bild vom Islam vermittelt.“[4] Essid organisierte die Beerdigung seines Schwagers.[5]

2014 schlossen sich Essid und seine Familie dem IS in Syrien an. Er steht unter anderem im Verdacht, an den Massakern an den Jesiden beteiligt gewesen zu sein sowie mehrere Sexsklavinnen gehalten zu haben. In einem Video der Organisation aus dem Jahr 2015 ist er zusammen mit seinem 12-jährigen Stiefsohn zu sehen, dem ältesten der vier Kinder seiner Frau. Der Junge wurde dabei gefilmt, wie er einen arabisch-israelischen Gefangenen hinrichtet, der angeblich ein Spion des Mossad war. Anfang 2018 wurde Sabri Essid vom IS für tot erklärt; laut der Organisation sei er auf eine Mine getreten. Der französische Geheimdienst behauptet jedoch, er sei von der dschihadistischen Organisation hingerichtet worden,[6] doch bestehen weiterhin Zweifel an seinem Tod. Sein Stiefsohn soll wenige Tage zuvor bei einem Bombenangriff getötet worden sein.[7]

2022 wurden seine Frau und seine drei Kinder nach Frankreich zurückgeführt. Sie wurde in Untersuchungshaft genommen.[7][8]

Prozess

Im Oktober 2024 ordnete die französische Justiz mangels unumstößlicher Beweise für seinen Tod an, Sabri Essid in Abwesenheit wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht zu stellen.[9] Ihm wurden Vergewaltigung und Versklavung von vier Frauen und deren sieben Kindern zwischen 2014 und 2016 vorgeworfen. Für die Untersuchungsrichter „standen die von Sabri Essid begangenen Taten in vollem Einklang mit seiner Zustimmung zur Völkermordpolitik des Islamischen Staates, die den Kauf und Weiterverkauf von jesidischen Frauen und Kindern, ihre Inhaftierung, ihre Reduzierung auf einen Sklavenstatus und die zahlreichen an ihnen begangenen Vergewaltigungen legitimierte“.[10] Die Dschihadisten waren ab Sommer 2014 auf den Dschabal Sindschar vorgerückt und richteten systematisch Männer und ältere Frauen hin, während die jüngeren Frauen und Mädchen als Sexsklavinnen verkauft wurden.[11]

Während des Prozesses sagten zwei seiner ehemaligen Sklavinnen aus, dass sie regelmäßig vergewaltigt worden seien: „Wenn ich mich weigerte, mit ihm Geschlechtsverkehr zu haben, schlug er mich oder drohte mir, mir meine Tochter wegzunehmen.“ Seine Ex-Frau erklärte: „Wenn er da war, musste man ihn sexuell befriedigen, ob ich wollte oder nicht. Es war so, wie er es wollte, wann immer er es wollte.“ Am 20. März 2026 wurde er des Völkermords für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt.[7]

Einzelnachweise

  1. a b Corinne Audouin: Sabri Essid, le „demi-frère“ de Mohamed Merah. In: Radio France. 15. Dezember 2015, abgerufen am 4. August 2026 (französisch).
  2. a b c Jean-Manuel Escarnot: Les disparus de la nébuleuse Merah. In: Libération. 26. Mai 2014, abgerufen am 4. August 2026 (französisch, zugriffsbeschränkt).
  3. Willy Le Devin: Mort de Sabri Essid, figure du jihadisme toulousain. In: Libération. 18. Februar 2018, abgerufen am 4. August 2026 (französisch).
  4. Julien Licourt und Alexis Feertchak: EN DIRECT - Abdelkader Merah ne se sent pas coupable des crimes de son frère. In: Le Figaro. 20. Oktober 2017, abgerufen am 4. August 2026 (französisch).
  5. Baptiste Blanchard: Sabri Essid, demi-frère de Merah, a été exécuté dans la zone irako-syrienne. In: Le Journal du Dimanche. 1. März 2018, abgerufen am 4. August 2026 (französisch).
  6. Le jihadiste français Sabri Essid aurait été exécuté par l’EI à l'automne. In: Le Point. 1. März 2018, abgerufen am 4. August 2026 (französisch).
  7. a b c Rachida El Azzouzi: Sabri Essid condamné pour génocide : un procès historique, des victimes hantées à jamais. In: Mediapart. 20. März 2026, abgerufen am 4. August 2026 (französisch, zugriffsbeschränkt).
  8. Thomas Pierre: Syrie : la femme d’un jihadiste proche de Merah et des frères Clain parmi les rapatriés. In: RTL. 5. Juli 2022, abgerufen am 4. August 2026 (französisch).
  9. Timothée Boutry und Eric Pelletier: Sabri Essid, premier Français de Daech mis en cause pour «génocide». In: Le Parisien. 11. Februar 2020, abgerufen am 4. August 2026 (französisch, zugriffsbeschränkt).
  10. Procès ordonné contre un djihadiste français pour génocide de la minorité yézidie. In: Le Monde. 9. Januar 2024, abgerufen am 4. August 2026 (französisch).
  11. Vincent Albinet: Le djihadiste toulousain Sabri Essid, "demi frère" de Mohamed Merah, objet d’une enquête pour crime contre l'humanité. In: France Info. 26. Oktober 2019, abgerufen am 4. August 2026 (französisch).

Content Disclaimer

Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.

  1. The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
  2. There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
  3. It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
  4. Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
  5. Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.