Rudolf Erckmann

Rudolf Erckmann (* 12. November 1903 in Alzey; † 9. April 1966 in Schwäbisch Hall) war ein deutscher Kulturpolitiker. Während der Zeit des Nationalsozialismus wirkte er im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda.

Werdegang

Erckmann besuchte bis 1920 die Oberrealschule Alzey. Daraufhin führte er bis 1923 das väterliche Geschäft in Alzey. 1925 legte er das Abitur an der Oberrealschule Worms ab. Anschließend studierte er Germanistik, Anglistik, Romanistik, Philosophie und Geschichte an den Universitäten Heidelberg und Gießen. 1931 wurde er in Gießen mit der Dissertation Der Einfluß der arabisch-spanischen Kultur auf die Entwicklung des Minnesangs promoviert. Daraufhin war er bis 1934 als Studienassessor an der Liebig-Oberrealschule und an der Eleonorenschule in Darmstadt tätig.

Zum 1. November 1931 trat Erckmann der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 692.496). 1932 trat er auch dem Nationalsozialistischen Lehrerbund bei. Von 1934 bis 1945 war er Referent für „Deutsches Schrifttum Inland“ im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels. Er unterstand dabei der von Wilhelm Haegert geleiteten Schrifttumsabteilung und war in seiner Position Ansprechpartner für Verlage. Dabei stand er unter anderem in Kontakt mit Hans Fallada, Hans Grimm und dem Bamberger Dichterkreis.[1][2] Erckmann wurde im Laufe der Jahre zum Regierungsrat (1938), zum Oberregierungsrat (1941) und zum Ministerialrat (1943) befördert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er von Juli bis Oktober 1946 im Lager Kornwestheim interniert.

Bei seinem Spruchkammerverfahren 1949 wurde er als „Mitläufer“ eingestuft. Er war ab 1949 zunächst im Büro des Baugeschäfts seines Schwiegervaters tätig, dann als freiberuflicher Verlagslektor und Vortragsredner. Von 1952 bis zu seinem Tod war er Lehrer am Albert-Schweitzer-Gymnasium Crailsheim, zuletzt als Oberstudienrat. Er starb im April 1966 im Alter von 62 Jahren in Schwäbisch Hall.

Werke (Auswahl)

  • Sinn und Bedeutung des Mittlertums am deutschen Buch. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Bd. 102, 1935, Nr. 114: 36–37.
  • Gerhard Schumann. In der Reihe Künder und Kämpfer. Deutscher Volksverlag, München 1938.
  • Geschenk an die Welt. Die Bedeutung Gutenbergs für die Kultur. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Bd. 107, 1940, Nr. 92: 3–4.
  • als Herausgeber: Dichter und Krieger. Weimarer Reden 1942. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg 1943.
  • Rübezahl. Andermann, München 1951.
  • Siegfried. Nach dem „Nibelungelied“ neu erzählt. Andermann, München 1952.
  • Kriemhilds Rache. Nach dem „Nibelungelied“ neu erzählt. Andermann, München 1952.
  • Dietrich von Bern. Andermann, München 1952.
  • Till Eulenspiegel. Andermann, München 1953.
  • Münchhausen. Andermann, München 1953.
  • Die Schildbürger. Andermann, München 1953.
  • Walhall. Andermann, München 1954.
  • als Herausgeber: Via triumphalis. Nobelpreisträger im Kampf gegen den Tod. Andermann, München 1954.
  • Götterdämmerung. Andermann, München 1955.
  • als Herausgeber: Via regia. Nobelpreisträger auf dem Wege ins Atomzeitalter. Andermann, München 1955.
  • als Herausgeber: Via gloriosa. Nobelpreisträger aus aller Welt dienen dem Leben. Andermann, München 1956.
  • als Herausgeber: Via humana. Wohltäter der Menschheit. Andermann, München 1958.
  • Vom Buchenstab zum Alphabet. Andermann, München 1959.

Literatur

  • Jan-Pieter Barbian: Literaturpolitik im ‚Dritten Reich‘. Institutionen, Kompetenzen, Betätigungsfelder. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens. Band 40, 1993, ISBN 3-7657-1760-6, S. 1–394 (zugleich: Phil. Diss. Universität Trier, 1991); überarbeitete Taschenbuchausgabe: dtv, München 1995, ISBN 3-423-04668-6. S. 172f., 178, 181, 380, 436ff, 441, 456, 464ff, 495, 557, 561, 709.
  • Hans-Eugen Bühler und Olaf Simons: Die blendenden Geschäfte des Matthias Lackas. Korruptionsermittlungen in der Verlagswelt des Dritten Reichs. Pierre Marteau, Köln 2004, ISBN 3-00-013343-7. S. 185 Anm. 119.

Einzelnachweise

  1. Bert Rebhandl: Dokumentarfilm Jeder schreibt für sich allein von Dominik Graf. In: FAZ.net. 24. August 2023, abgerufen am 17. August 2026.
  2. Bamberger Dichterkreis (1936-1943). In: historisches-lexikon-bayerns.de. Abgerufen am 17. August 2026.

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