Paul Outlaw

Paul Outlaw (* in New York City) ist ein US-amerikanischer interdisziplinärer Künstler, Autor und Sänger. Seine Arbeit umfasst experimentelles Theater, Film und Gesangsperformance und steht in der Tradition queerer und afroamerikanischer Performance-Bewegungen, einschließlich der Blacktino-Performance-Tradition.[1]

Leben und Karriere

Outlaw wurde in New York City geboren, wo er aufwuchs, bevor er 1983 nach West-Berlin zog.[2] Dort war er Gründungsmitglied der englischsprachigen Theatergruppe Berliner Playactors.[2] Mit der Formation trat er an europäischen Spielstätten wie dem Quartier Latin und dem British Council in Berlin sowie im Melkweg und Vondelpark in Amsterdam auf.[2] Als Sänger und Texter arbeitete Outlaw mit der Post-Punk-Band Die Haut für deren EP Fandango (1987) zusammen.

1993 übernahm Outlaw die Hauptrolle in Pepe Danquarts Kurzfilm Schwarzfahrer,[3] der von einem Schwarzen Passagier handelt, der in einer Berliner Straßenbahn rassistischer Hetze durch eine ältere weiße Mitfahrerin ausgesetzt ist. Der Film wurde 1994 mit dem Oscar für den besten Kurzfilm ausgezeichnet.[2] In einem Porträt für den Tagesspiegel beschrieb Müller, dass Outlaws persönliche Erfahrungen mit Rassismus und Homophobie ein wesentlicher Grund für Danquart waren, ihn in der Rolle zu besetzen.[2] Seine Erlebnisse in Berlin verarbeitete Outlaw später in dem Theaterprojekt Wall Berliner, Wahlberliner, das 2022 im Rahmen einer Lesenacht am Berliner Maxim Gorki Theater vorgestellt wurde.[4]

Paul Outlaw in The Late, Late Show (2013)

Seit Mitte der 1990er Jahre schafft Outlaw Solo- und kollaborative Performance-Arbeiten. Sein Stück Berserker aus dem Jahr 2003 wurde in die von E. Patrick Johnson und Ramón H. Rivera-Servera herausgegebene Anthologie Blacktino Queer Performance (2016, Duke University Press) aufgenommen.[1] Die Herausgeber beschreiben das Werk als eine „Meditation über interrassisches Begehren und das Verschwinden des Schwarzseins“ (englisch: „meditation upon interracial desire and disappearing blackness“).[1]

Weitere Werke sind unter anderem:

  • The Late, Late Show (2013): Ein „Vampirspiel“ mit Musik über das Leben eines 300 Jahre alten Protagonisten, der in der Antebellum-Aera in North Carolina geboren wurde.[5]
  • BBC (Big Black Cockroach) (2024): Ein satirisches Solostück, inspiriert von Franz Kafkas Erzählung Die Verwandlung, griechischer Mythologie und Afrofuturismus. Eine Workshop-Version der Arbeit wurde 2019 im Rahmen des New Original Works Festivals am REDCAT vorgestellt.[6] Die Uraufführung des abendfüllenden Werks erfolgte 2024.

Im Jahr 2016 verkörperte Outlaw den Shakespeare-Schauspieler Ira Aldridge aus dem 19. Jahrhundert in der US-Westküsten-Erstaufführung von Lolita Chakrabartis Theaterstück Red Velvet. In seiner Rezension für die Los Angeles Times lobte der Theaterkritiker David C. Nichols Outlaws „erhabene, Ausstrahlung verleihende Autorität“ (englisch: „regal, resonant authority“) in der Rolle.[7]

2018 wirkte er als Sänger und Schauspieler in einer Inszenierung von Tennessee WilliamsEndstation Sehnsucht am Boston Court Pasadena mit. Charles McNulty, Cheftheaterkritiker der Los Angeles Times, beschrieb Outlaws Performance als die eines „radikalen Hip-Hop-Torch-Singers“ (englisch: „radical hip-hop torch singer“).[8]

Outlaw arbeitet häufig mit zeitgenössischen Musikern an Performance-Projekten und Musikaufnahmen zusammen. Im Jahr 2016 steuerte er Gastgesang für die experimentelle Hip-Hop-Gruppe clipping. auf deren für den Hugo Award nominiertem Konzeptalbum Splendor & Misery bei.[9] Zudem ist er der einzige Darsteller im Musikvideo zur Single True Believer unter der Regie von Carlos López Estrada.

Auszeichnungen, Residenzen und kulturelles Engagement

Outlaw ist Gründungsmitglied der LA LGBTQ+ Arts & Culture Coalition, einem regionalen Netzwerk queerer sowie Trans-Künstler und Kulturorganisationen, das 2025 in Zusammenarbeit mit dem One Institute ins Leben gerufen wurde.[10][11]

2012 wurde Outlaw mit dem Individual Artist Fellowship der Stadt Los Angeles (COLA) ausgezeichnet. 2021 gehörte er zu den Porträtierten der dezentralen öffentlichen Kunstausstellung Pride Publics: Words and Actions des One Institute.[12]

Outlaw nahm an Künstlerresidenzen der Ucross Foundation sowie an Autorenresidenzen teil, die von der Los Angeles Performance Practice und der Speranza Foundation gefördert wurden. Er ist mehrfacher Stipendiat des Lincoln City Fellowship[13] und erhielt 2023 ein Performing Arts Recovery Grant des Los Angeles County Department of Arts and Culture.[14]

Einzelnachweise

  1. a b c E. Patrick Johnson, Ramón H. Rivera-Servera: Blacktino Queer Performance. Duke University Press, 2016, ISBN 978-0-8223-6149-7, S. 486–497.
  2. a b c d e Katrin Müller: Der Schwarzfahrer. In: Der Tagesspiegel. 12. April 1997 (squarespace.com [PDF; abgerufen am 17. März 2026]).
  3. Schwarzfahrer. filmportal.de, abgerufen am 12. August 2026.
  4. Endless Reading Night. Maxim Gorki Theater, 3. September 2022, abgerufen am 12. August 2026 (englisch).
  5. Mayank Keshaviah: The Late, Late Show at the Bootleg Theatre. In: Los Angeles Drama Critics Circle. 7. November 2013 (ladramacriticscircle.com [abgerufen am 12. August 2026]).
  6. Bianca Collins: REDCAT's New Original Works Festival 2019. In: Artillery Magazine. 12. August 2019 (artillerymag.com [abgerufen am 17. März 2026]).
  7. David C. Nichols: Review: Black actor cast in a traditionally white role? 'Red Velvet' explores what happens next. In: Los Angeles Times. 8. April 2016 (squarespace.com [PDF; abgerufen am 17. März 2026]).
  8. Charles McNulty: Modern spin revives classic. In: Los Angeles Times. 28. Februar 2018 (squarespace.com [PDF; abgerufen am 17. März 2026]).
  9. 2017 Hugo Awards. The Hugo Awards, abgerufen am 17. März 2026.
  10. LA LGBTQ+ Arts & Culture Coalition. LA LGBTQ+ Arts & Culture Coalition, abgerufen am 21. Juni 2026.
  11. LA LGBTQ+ Arts & Culture Coalition. One Institute, abgerufen am 21. Juni 2026.
  12. Pride Publics. One Institute, abgerufen am 17. März 2026.
  13. Lincoln City Fellowship. Speranza Foundation, abgerufen am 17. März 2026.
  14. Performing Arts Recovery Grant Recipients. (PDF) Los Angeles County Department of Arts and Culture, 2023, abgerufen am 17. März 2026.

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