Paul Ehrmann

Paul Ehrmann

Hermann Felix Paul Ehrmann (* 21. Dezember 1868 in Leipzig; † 6. Oktober 1937 ebd.) war ein deutscher Zoologe und Pädagoge.

Leben

Familie und Ausbildung

Paul Ehrmann, der Sohn des Mechanikers Theodor Ehrmann (1826–1891) und dessen Gattin Sophie Bertha, geborene Görsch († 1899), wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Er besuchte die I. Leipziger Realschule und entwickelte schon in jungen Jahren ein besonderes Interesse für Zoologie. Sein Naturkundelehrer Heinrich Simroth, mit dem ihn zeitlebens eine enge Freundschaft verband, lenkte ihn auf das Fachgebiet der Malakologie. Da Ehrmann die finanziellen Mittel für ein Studium fehlten, besuchte er nach seinem schulischen Abschluss das Lehrerseminar II in Grimma, an welchem er sich zum Pädagogen ausbilden ließ.

Paul Ehrmann war mit Lizzi Spindler (* 1890), der Tochter des Verlagsbuchhändlers Friedrich Spindler († 1903) und Seminaristin am Gaudigschen Lehrerinnenseminar, verheiratet. Der Ehe entstammten zwei Töchter.

Tätigkeit als Pädagoge

Lehrerkollegium der II. Höheren Mädchenschule 1912; Paul Ehrmann in mittlere Reihe, 3. von links

Ab 1888 erhielt er eine Anstellung als Lehrer für Naturkunde an der Leipziger Taubstummenanstalt. Von 1901 bis 1931 wirkte er als Oberlehrer und Studienrat an der Leipziger II. Höheren Mädchenschule mit angeschlossenem Lehrerinnenseminar, welche unter dem Direktorat von Hugo Gaudig zu einem international bekannten Zentrum für die spezielle, von Gaudig entwickelte Reformpädagogik ausgebaut worden war. Seit 1925 hatte Ehrmann zudem das Lektorat an der Biologischen Abteilung des praktisch-pädagogischen Instituts der Universität Leipzig inne.

Tätigkeit als Zoologe

Neben seiner schulischen Arbeit besuchte Ehrmann Vorlesungen in Zoologie, Botanik, Geografie und Pädagogik an der Universität Leipzig. Sein Lehrer Rudolf Leuckart vermittelte ihm 1894 den sächsischen Arbeitsplatz an der Zoologischen Station in Neapel, wofür er sich vom Schuldienst beurlauben lassen musste.

Aufgrund seines Brotberufes konnte er nur in den Sommerferien ausgedehntere Expeditionen zur Erforschung der Fauna hauptsächlich in Mitteleuropa und in den Alpen durchführen. Ab 1899 beschäftigte er sich über viele Jahre mit der Sichtung und systematischen Erfassung der Diatomeen-Sammlung der Valdivia-Expedition, welche aus dem atlantischen, indischen und antarktischen Ozeanen stammten.

Die Resultate seiner faunistisch-systematischen Forschungen hat er in mehreren Fachzeitschriften und Buchreihen veröffentlicht. Zu seinem Hauptwerk zählt die bis heute als Standardwerk geltende Bearbeitung der mitteleuropäischen Schnecken und Muscheln, die als zweiter Band der siebenbändigen Reihe Die Tierwelt Mitteleuropas erschien.

1934 erhielt er für seine Forschungen den Ehrendoktortitel der Leipziger Universität.

Paul Ehrmann starb nach schwerem Herzleiden im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt in seiner Wohnung Eisenacher Straße 15. Er wurde auf dem Leipziger Südfriedhof beerdigt. Sein Grab ist nicht erhalten.

Ehrmannsche Molluskensammlung

Die Ehrmannsche Molluskensammlung enthält nicht nur die Ausbeute der mitteleuropäischen Gebiete, sondern auch Binnenmollusken aus der ganzen Welt, speziell ostasiatische, welche die Universität Tokio Heinrich Simroth anvertraut und die dieser an Ehrmann weitergegeben hatte. Die Ehrmannsche Sammlung befindet sich heute in den Beständen des Senckenberg Naturmuseums.

Schriften und Werke

  • Die Gastropodenfauna der Umgebung von Leipzig, nebst allgemeinen Bemerkungen über die Existenzbedingungen der einheimischen Schnecken. In: Sitzungsberichte der naturforschenden Gesellschaft zu Leipzig(SBnG), Bd. 15–16, 1888–1889, 1890, S. 64–79.
  • Nachtrag zur Gastropodenfauna der Umgegend von Leipzig, nebst einigen biologischen Bemerkungen. In: SBnG Leipzig, Bd. 17–18, 1890–1891, 1891, S. 76–80.
  • Über einige alpine Schnecken. In: SBnG Leipzig, Bd. 19–21, 1892–1893, 1895, S. 24–35.
  • Über die contraktile Vakuole der Infusorien. In: SBnG Leipzig, Bd. 19–21, 1892–1893, 1895, S. 89–102.
  • Beiträge zur Kenntnis der Molluskenfauna des Königreichs Sachsen. In: SBnG Leipzig, Bd. 22–23, 1895–1896, 1897, S. 103–114.
  • Diagnosen einiger neuer japanischer Landschnecken. In: Zoologischer Anzeiger. Bd. 23, 1900, S. 379–383.
  • Über einige peruanische Clausilien. In: Nachrichten Blatt, Bd. 65, 1905, S. 65–72.
  • Zur Naturgeschichte der Landschneckenfamilie Acmidae. In: SBnG Leipzig, Bd. 35, 1908, 1909, S. 31–53.
  • Zur Naturgeschichte der Campylaea phalerata Zgl. In: Abhandlungen Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft. Bd. 32, 1910, S. 359–387.
  • Die Landmolluskenfauna der Tenimber-Inseln. In: SBnG Leipzig, Bd. 38, 1911, S. 32–71.
  • Grundzüge einer Entwicklungsgeschichte der Tierwelt Deutschlands. Verlag Hirzel, Leipzig, 1914.
  • Mollusca. In: Paul Brohmer: Fauna von Deutschland. Quelle & Meyer, Leipzig, 1914, S. 436–482.
  • Zur Frage der Bestäubung von Blüten durch Schnecken. In: Nachrichten-Blatt, Bd. 49, 1917, S. 49–75.
  • Heinrich Simroth. Ein Nachruf. In: SBnG Leipzig, Bd. 43–44, 1916–1917, 1918, S. 47–81.
  • Land- und Süsswasserschnecken aus den südlichen ShanStaaten, Hinterindien. In: SBnG Leipzig, Bd. 45–48, 1918–1921, 1922, S. 1–28.
  • Zur Systematik der Clausiliiden, besonders der ostasiatischen. In: SBnG Leipzig, Bd. 49–52, 1922–1925, 1927, S. 18–59.
  • Mit K. Büttner: Beitrag zur Molluskenfauna des Ussuri-Gebietes. In: Archiv für Mollusken-Kunde, Bd. 59, 1927, S. 217–250.
  • Über wenig bekannte und neue japanische Clausiliiden. In: SBnG Leipzig, Bd. 53–55, 1926–1928, 1929, S. 23–46.
  • Zur Kenntnis von Chondrina avenacea (Brug) und ihren nächsten Verwandten. In: Archiv für Mollusken-Kunde. Bd. 63, 1931, S. 1–28.
  • Mollusca, In: Paul Brohmer, Paul Ehrmann, Georg Ulmer (Hrsg.): Die Tierwelt Mitteleuropas. Quelle & Meyer, Leipzig 1933, Bd. II.

Literatur

  • T. van Benthem-Juttig: In memoriam Paul Ehrmann. In: Basteria - Zeitschrift der niederländischen Malakologischen Vereinigung. Bd. 3, Nr. 1 vom 1. Februar 1938, S. 1–16.
  • Robert Mertens: Ehrmann, Hermann Felix Paul. In: Neue Deutsche Biographie Bd. 4, 1959, S. 365f.
  • Conrad Vollmer: Paul Ehrmann †. In: Sitzungsberichte der Naturforschenden Gesellschaft zu Leipzig. Bd. 63–64, S. 10ff.

Content Disclaimer

Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.

  1. The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
  2. There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
  3. It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
  4. Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
  5. Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.