Die Aufgabe des 1964 gegrĂŒndeten Teams ist es, die LeistungsfĂ€higkeit, die PrĂ€zision und die Einsatzbereitschaft der Schweizer Luftwaffe im In- und Ausland zu demonstrieren.
Die Piloten der Patrouille Suisse sind MilitÀrpiloten des Berufsfliegerkorps.
Der MilitĂ€rflugplatz Emmen dient der Patrouille Suisse seit 1994 als Heimatflugplatz. Mit einem neuen Stationierungskonzept der Luftwaffe wollte man die PS auf die Saison 2008 auf den MilitĂ€rflugplatz Payerne verlegen, was nicht ausgefĂŒhrt wurde. UrsprĂŒnglich und bis 1994 hatte die PS ihre Heimatbasis auf dem MilitĂ€rflugplatz DĂŒbendorf mit Flugzeugen Hunter.
Geschichte
Die Idee, ein VorfĂŒhrteam mit Berufspiloten aufzustellen, stammt aus dem Jahre 1959. Damals erhielt das Ăberwachungsgeschwader (UeG) den Auftrag, eine aus vier Maschinen bestehende Doppelpatrouille fĂŒr Demonstrationszwecke zu trainieren. Die Formationen wurden damals mit Flugzeugen des Typs Hawker Hunter Mk.58 geflogen.
Im Hinblick auf die LandesausstellungExpo64 in Lausanne und die Feiern des 50-jÀhrigen Bestehens der Luftwaffe wurde das Formationsflugtraining mit der Hunter-Doppelpatrouille intensiviert. Im ganzen Land fanden JubilÀumsvorstellungen statt, die hunderttausende von Zuschauern begeisterten. Damals entstand in Anlehnung an die französische Patrouille de France spontan der Name Patrouille Suisse.
Im damaligen Eidgenössischen MilitĂ€rdepartement (EMD) war man von der Publikumswirksamkeit des Formationsfluges ĂŒberzeugt und beschloss deshalb, die Patrouille Suisse zum offiziellen nationalen Kunstflugteam zu ernennen. Die Patrouille Suisse wurde am 22. August 1964 gegrĂŒndet.
Im Jahr 1965 bestritt das Team erstmals eine ganze Saison mit vier VorfĂŒhrungen. In der Folgezeit wurde das Programm stĂ€ndig verfeinert und die exakte AusfĂŒhrung der einzelnen Figuren perfektioniert.
1968 sollte die Dassault Mirage IIIS dem Volk gezeigt werden. Es wurden nur zwei VorfĂŒhrungen mit der Patrouille De Suisse Mirage gemacht, worauf man wieder bei der VorfĂŒhrung mit Hunter verblieb.[1]
1970 kam eine fĂŒnfte Maschine zur Patrouille hinzu[2] und weitere acht Jahre spĂ€ter die sechste Maschine. Der in jenen Zwischenjahren mit fĂŒnf Flugzeugen entstandene Film ĂŒber die Patrouille Suisse hiess Supercanard (1976, Regie: Peter Clausen, 20 Minuten),[3] benannt nach der Formation, welche sich mit den fĂŒnf Flugzeugen bilden liess. Da die Hunter-Doppelsitzer zum Zeitpunkt der Filmaufnahmen noch nicht verfĂŒgbar waren, wurden die Luft-Luft-Aufnahmen aus einem Vampire-Trainer DH.115 gefilmt.
1977 wurde bei den Hunter der Patrouille Suisse eine Rauchanlage eingefĂŒhrt.[4] Mit der Rauchanlage wird dank besserer Sichtbarkeit auch die Sicherheit fĂŒr die Piloten erhöht.
VorfĂŒhrungen im Ausland waren bis 1978 wegen der strikten NeutralitĂ€t der Schweiz nicht möglich. Dies Ă€nderte sich 1978 anlĂ€sslich des 25-jĂ€hrigen JubilĂ€ums der Patrouille de France, zu dem die Patrouille Suisse eingeladen wurde. In Salon-de-Provence konnte nun erstmals eine VorfĂŒhrung im Ausland geflogen werden â neu mit nunmehr sechs Flugzeugen. Es folgten zahlreiche weitere VorfĂŒhrungen im In- und Ausland, gleich bei der ersten Teilnahme im Jahr 1979 gewann die Patrouille Suisse die begehrte Shell Trophy des International Air Tattoo.
1991, anlĂ€sslich der 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft, erhielten die Hunter ein neues Aussehen. Die FlĂŒgelunterseiten leuchteten nun in den Schweizer Farben Rot und Weiss.
Der Flugzeugtyp Hunter wurde 1994 bei der Schweizer Luftwaffe ausgemustert; die Hunter wurden bei der Patrouille Suisse durch die in der Schweiz als RaumschĂŒtzer eingesetzten F-5E Tiger II abgelöst. Diese Maschinen waren nun vollstĂ€ndig rot-weiss lackiert. Zum neuen Design war ein öffentlicher Wettbewerb durchgefĂŒhrt worden. Die Flugzeuge in der neuen Bemalung der Patrouille Suisse nach dem Schema von Hansjörg Oberholzer[5] erhielten ebenfalls eine Rauchanlage und ĂŒbernahmen bei der Luftwaffe nach technischer Anpassung gleichzeitig die Aufgaben der Hunter als Zielschleppflugzeuge fĂŒr das Luft-Luft-, sowie Zieldarstellungsflugzeuge das Boden-Luft-Schiessen.[6] Die F-5E der Patrouille Suisse werden auch fĂŒr den ordentlichen Flugdienst eingesetzt.
Der Verteidigungsminister Ueli Maurer erklĂ€rte 2013, man habe keine Flugzeuge mehr fĂŒr Folklore und kĂŒndigte das Ende der Patrouille Suisse per 2016 an. Nachdem der Saab Gripen doch nicht gekauft wurde, durften die Tiger lĂ€nger fliegen.[7]
2022 wollte der Bundesrat die Tiger per 2025 ausmustern. Im StĂ€nderat wehrten sich SVP-Politiker erfolgreich dagegen. In Medien wurde der Erhalt der Flotte fĂŒr Seenachtsfeste hingegen als Geldverschwendung kritisiert.[8] Im Jahr 2022 erhielt die Staffel 50 Anfragen fĂŒr VorfĂŒhrungen. Sie flog 12 und zusĂ€tzlich 4 im Ausland. 2024 wurde bekannt, dass die Tiger Ende 2027 stillgelegt werden.[9] Ein erneuter Rettungsversuch aus dem StĂ€nderat scheiterte.[10]
Eine ZĂŒrcher KantonsrĂ€tin der SVP aus dem Patrouille-Suisse-Fanclub sprach davon, dass man ĂŒberlegen werde, eine eidgenössische Volksinitiative zu starten.[11] Im Schweizer Radio SRF 1 verglich der EhrenprĂ€sident des Patrouille Suisse-Fan-Clubs ein Ende der Patrouille Suisse mit einem "Verbot des Schwingens oder des Jassens", also Nationalen Kulturguts.[12]
FĂŒr 2025 wurde ein abgespeckter Terminkalender veröffentlicht, das VBS hatte zudem verkĂŒndet, dass FlugvorfĂŒhrungen im Ausland eine Ausnahme bilden wĂŒrden.[13]
Besonderheit
Im Gegensatz zu vielen anderen Kunstflugstaffeln sind die Piloten der Patrouille Suisse Staffelpiloten und kommen zu einem verhĂ€ltnismĂ€ssig geringen Teil mit dem VorfĂŒhrteam zum Einsatz. Auch die Flugzeuge bleiben im Truppeneinsatz und es handelt sich nicht um Schulungsflugzeuge wie bei den bekanntesten europĂ€ischen Teams.
Die Patrouille Suisse wurde nach der Patrouille de France als zweite Kunstflugstaffel nach dem FlugtagunglĂŒck von Ramstein im Jahr 2002 zur Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung nach Berlin und somit nach Deutschland eingeladen. Auch 2006, 2008 und 2010 waren die Schweizer wieder dort zu Gast â nach wie vor mit EinschrĂ€nkungen im Ablauf des standardisierten Flugprogramms. Auch war es die Patrouille Suisse, die als erste militĂ€rische Verbandskunstflugstaffel ausserhalb der ILA Berlin wieder in Deutschland auftreten durfte; nĂ€mlich zum Hafengeburtstag der Hansestadt Hamburg im Mai 2009. Obwohl die Schweizer Luftwaffe ihre Funkkommunikation an den NATO-Standard angepasst hat und den Brevity-Code als Standard benutzt, verwenden die Patrouille Suisse und das PC-7 Team fĂŒr ihre FlugvorfĂŒhrungen nach wie vor sehr viele Begriffe des Bambini-Codes. Die Kommunikation unter den Piloten des PS Teams findet auf der Frequenz 359,450 MHz, welche sich ausserhalb des ĂŒblichen Flugfunks befindet, statt.
Bei grossen Airshows wie dem RIAT in Grossbritannien oder bei der damaligen Air14 flog die Patrouille Suisse in der Eröffnung der FlugvorfĂŒhrung auch mit dem PC-7 Team, dem Hornet Solo Display Team oder dem Super Puma Display Team eine gemeinsame Ăberflugsformation. Eine gemeinsame und lĂ€ngere VorfĂŒhrung mit dem PC-7 Team fand einmalig am 7. September 2014 an der Air14 in Payerne statt.[14]
Die Piloten der Patrouille Suisse sind MilitĂ€rpiloten des Berufsfliegerkorps. Neue Piloten werden beim Abgang eines Piloten von den restlichen Team-Mitgliedern gewĂ€hlt.[16] Die ersten TrainingsflĂŒge fĂŒr die FormationsflĂŒge in den engeren AbstĂ€nden als beim normalen Patrouillenflug werden zunĂ€chst zu Zweit trainiert.[17]
Das Team 2025
Die Piloten fliegen seit 2020 in unverÀnderter Zusammensetzung, das Team am Boden blieb seither ebenfalls unverÀndert.[18]
Rufname
Position
Name
Tiger Uno
Leader
Maj Michael Duft âPĂŒpiâ
Tiger Due
Right Wing
Hptm Serim Wetli âSalimâ
Tiger Tre
Left Wing
Maj David Pereira âPepeâ
Tiger Quattro
Slot
Hptm Claudius Meier âMacâ
Tiger Cinque
2nd Solo
Maj Lukas Nannini âBigfootâ
Tiger Sexi
1st Solo
Maj Martin SchĂ€r âJaydeeâ
Tiger Sette
Spare Pilot /Filmer
Tiger Zero
Kommandant
Oberstlt Nils HĂ€mmerli âJamieâ
Tiger Otto
Speaker
FachOf Yanik Varley âNikâ
Tiger Nove
Speaker
Hptm Jody Bolomey âJodyâ
Flugzeuge
Das Team wurde 1964 mit Flugzeugen vom Typ Hawker Hunter gegrĂŒndet und benutzte in den Folgenden Jahren nur zwei Flugzeugtypen: Nach dem Ende der Hunter-Ăra in der Schweizer Flugwaffe im Jahr 1994 wurde der Tiger verwendet ab 1995 und dies ab Emmen anstelle von DĂŒbendorf, welches die Heimat des Teams auf Hunter gewesen war.
Bis im Jahr 1990 flog das Team Maschinen, die sich Ă€usserlich nicht von den Staffelmaschienen unterschieden. Im Jahr 1991 erhielten 12 Hunter-Flugzeuge eine rote Unterseite zum 700-jĂ€hrigen Bestehen der Schweiz. In diesem Jahr waren die Immatrikulationen durch das offizielle Festlogo ĂŒberklebt. Dieses Logo verschwand wieder im Folgejahr, wĂ€hrend die rote Unterseiten-Bemalung erhalten blieb. 1994 flogen die Hunter zum DreissigjĂ€hrigen JubilĂ€um mit der Zahl 30 anstelle des Hoheitszeichens auf dem Seitenleitwerk.
Mit dem Flugzeugwechsel zum Tiger wurden zwölf Tiger mit einer kompletten Sonderbemalung versehen. Das Team benutzt in der Regel auch fĂŒr das Training die F-5E mit der Patrouille-Suisse-Lackierung. UrsprĂŒnglich waren zwölf F-5E aus der zweiten Beschaffungsserie von 1981 mit dieser Farbgebung bei der Schweizer Luftwaffe im Einsatz (J-3080 bis J-3091). ZunĂ€chst waren zehn Flugzeuge fĂ€hig, einen der acht von der RUAG entwickelten Rauchgeneratoren zu verwenden. Nicht ĂŒber diese FĂ€higkeit verfĂŒgen die J-3080 und J-3089. Wenn der Rauchgenerator mit seinen zwei DieselölbehĂ€ltern zu je 40 Liter montiert ist, kann die rechte Bordkanone nicht verwendet werden.[19] Anfang 2015 mussten wegen ErmĂŒdungsrissen bei der zweiten beschafften Serie auch graue Flugzeuge ohne Sonderbemalung fĂŒr VorfĂŒhrungen der Patrouille Suisse eingesetzt werden. Die F-5E der Patrouille Suisse wurden stets neben der VorfĂŒhr-Saison auch fĂŒr die Aufgaben in Fliegerstaffeln eingesetzt und werden seit einem Umbau nur dieser Flugzeuge auch als Zielschleppflugzeuge fĂŒr das Luft-Luft-Schiessen eingesetzt.
FĂŒr VerbindungsflĂŒge nutzt der Kommandant der Patrouille Suisse in der Regel die Pilatus PC-6T Turbo-Porter V-622 âFelixâ, die ebenfalls in den Farben der Patrouille Suisse bemalt ist.[20]
Der Bundesrat hatte bereits 2022 einmal beschlossen, die Tiger per 2025 auszumustern,[21] die Umsetzung dieses Entscheides wurde jedoch vom Parlament verhindert. Bei der zweiten Beratung der Ausserdienststellung im Parlament ab FrĂŒhjahr 2024 fiel der Entschluss zur Ausmusterung der Flugzeuge per Ende 2027.
ZwischenfÀlle
Am 9. Juni 2016 kam es zum ersten Zwischenfall seit Bestehen der Patrouille Suisse. Zwei Jets der Staffel berĂŒhrten sich beim Training am Vortag zur Airshow in der NĂ€he des MilitĂ€rflugplatzes Leeuwarden in der Luft. Die F-5E J-3086 stĂŒrzte daraufhin in einen kleinen See nahe der Ortschaft Bitgum. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten, wurde leicht verletzt.[22] Die zweite Maschine, die J-3088, konnte mit beschĂ€digtem Höhenleitwerk landen. Die Auftritte der Staffel an der Flugshow wurden in der Folge abgesagt.[23] Im Dezember 2022 wurde der Pilot vor dem MilitĂ€rgericht in Aarau verurteilt.[24] Laut Untersuchungsbericht verlor der unfallverursachende Pilot seinen Kameraden aus den Augen. Er habe dies jedoch nicht mit dem Funkcode âblindâ gemeldet.[25]
Karin MĂŒnger, Max Ungricht: Swissness: 50 years Patrouille suisse, 25 years PC-7 Team. Verlag Cockpit, Belp 2014, ISBN 978-3-906562-43-8 (dt./frz./engl./ital.).