Pariser Hosenverbot

In Paris trat im Jahr 1799 eine Verordnung in Kraft, mit der es Frauen verboten wurde, in der Stadt Hosen zu tragen. Im Rahmen dieses Pariser Hosenverbotes mussten Frauen eine Ausnahmeerlaubnis beim Polizeipräfekten beantragen, wenn sie sich „wie Männer anziehen“ wollten. Das offizielle Pariser Hosenverbot wurde im Jahr 2013 aufgehoben.
Hintergrund


Die Verordnung aus dem Jahr 1799 wurde vor dem Hintergrund der französischen Revolution erlassen. Mit der Verordnung sollte es Frauen verboten werden, eines der Symbole der Revolution zu tragen. Lange Hosen waren ein Zeichen der Arbeiterklasse, die sich so von der Kniebundhosen tragenden Oberklasse unterschied. Als Sansculottes, waren diese Arbeiter das Rückgrat der Revolution.[1] Frauen, die Hosen tragen wollten, mussten beim Polizeipräfekten einen Antrag dazu stellen und dieser Antrag musste alle sechs Monate erneuert werden. So befindet sich im Pariser Stadtarchiv ein Dokument, welches es der Malerin Rosa Bonheur gestattete, „sich als Mann zu verkleiden, um dergestalt bei Schauspielen, Bällen und in anderen öffentlichen Örtlichkeiten mit Publikum aufzutreten.“[2] Die Schriftstellerin George Sand stellte ebenfalls einen Antrag, um Hosen tragen zu dürfen.[3]
Im Jahr 1892 und im Jahr 1909 wurde die Verordnung reformiert. Dabei wurden jedoch nur geringfügige Änderungen erlassen. Es war Frauen nun gestattet Hosen zu tragen, wenn sie „entweder den Lenker eines Fahrrades oder die Zügel eines Pferdes hielten“. Ansonsten blieb das Verbot bestehen.[1] Hosen waren auch danach weiter Männersache. Die Autorin Christine Bahr sagte dazu, Hosen seien mehr als ein Kleidungsstück. Für Männer ging das Tragen von Hosen mit Macht einher, wer die Hosen anhatte, hatte das Sagen.[2] Dies drücke auch die Redewendung „die Hosen anhaben“ aus.
Aufweichung des Hosenverbotes

Nach dem Ersten Weltkrieg schuf die Modedeschöpferin Coco Chanel mit ihren weit geschnittenen Segelhosen bequeme und an die Reformkleidung angelehnte Hosen, die Frauen zu allen Freizeitanlässen tragen konnten und die zudem eine gewisse Eleganz ausstrahlten.[4] Dennoch blieb das Hosenverbot in Kraft und es dauerte in der französischen Nationalversammlung bis 1980 als dort die erste Abgeordnete, Chantal Leblanc in Hosen auftrat.[2][5] Zuvor hatte bereits Michèle Alliot-Marie als Beraterin eines Ministers Anfang der 1970er Jahre einen Skandal ausgelöst, als sie mit Hosen im Parlament erschien. Der Saaldiener wollte ihr derart bekleidet den Zutritt verwehren, sie antwortete ihm, „Si c’est le pantalon qui vous gène, je l’enlève de ce pas. “ (dt.: „Wenn die Hose dich stört, ziehe ich sie sofort aus“). Daraufhin durfte sie an dem Tag und den folgenden Tagen in Hosen den Saal betreten.[6]
Aufhebung des Pariser Hosenverbotes
Bereits vor der Aufhebung des Hosenverbotes gab es Initiativen, dieses aus der Zeit gefallene Verbot aufzuheben. Der konservative Abgeordnete Alain Houper schrieb schließlich an das Frauenministerium, dass diese Regelung die Empfindungen moderner Menschen verletzen würde.[7] Nach eingehender Prüfung stellte dann die französische Ministerin für die Rechte der Frauen, Najat Vallaud-Belkacem klar, dass das Gesetz gegen die Gleichstellung von Männern und Frauen verstoßen würde, die in der Verfassung Frankreichs verankert sei. Somit sei das Gesetz nur „ein Museumsstück ohne jegliche legale Auswirkungen“ und auch wenn es keine Anwendung finden würde, wäre es alleine aufgrund seiner symbolischen Bedeutung verwerflich.[1]
Das Pariser Hosenverbot für Frauen wurde vom Bürgermeister von Paris Bertrand Delanoë am 31. Januar 2013 aufgehoben, nachdem es 214 Jahre lang Bestand hatte und schlussendlich als verwerflich galt.[2]
Einzelnachweise
- ↑ a b c In Paris ist es nach 214 Jahren fuer Frauen legal Hosen zu tragen. In: Spiegel Online. 2013, abgerufen am 23. August 2026.
- ↑ a b c d 31.1.2013: Pariser Hosenverbot für Frauen aufgehoben - Bremen Eins. In: bremeneins.de. Abgerufen am 23. August 2026.
- ↑ Rudolf Balmer: Absurdes Gesetz in Frankreich: Hosenverbot für Frauen. In: Die Tageszeitung: taz. 2010, ISSN 0931-9085 (taz.de).
- ↑ sisterMAG: Wie die Hose zur Frau kam. In: sister-mag.com. 2020, abgerufen am 23. August 2026.
- ↑ Femmes, si vous portez un pantalon, vous êtes hors-la-loi. In: nouvelobs.com. Le Nouvel Obs, 2010, abgerufen am 24. August 2026 (französisch).
- ↑ C.Bergamia: Portrait de pionnières : Les femmes en pantalon #7. In: cbergamia.com. 2020, abgerufen am 24. August 2026 (französisch).
- ↑ Stefan Ulrich: Paris: Frauen dürfen künftig legal Hosen tragen. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche.de, 2013, abgerufen am 23. August 2026.
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