Otto Blunck

Otto Johann Bernhard Blunck (* 8. Mai 1882 in Rickelshof; † 1. September 1957 in Hamburg[1][2]) war ein deutscher Bauingenieur, Regierungsbauführer und zuletzt Reichsbahn-Abteilungspräsident.

Wirken

Blunck wuchs als Sohn eines Architekten im Kreis Dithmarschen auf. Nach dem Studium an der Technischen Hochschule München und der Technischen Hochschule Berlin begann er seine Karriere bei den Preußischen Staatseisenbahnen in Berlin. 1909 wurde er ausgezeichnet mit dem Schinkelpreis und Gedenkmünze für den Plan eines viergleisigen Ausbaus der Strecke Troisdorf-Erpel und den Entwurf einer Rheinbrücke bei Remagen.[3][4] Im Dezember 1910 wurde er zum Regierungsbaumeister ernannt.[5] Der mit dem Schinkelpreis verbundene Betrag von 1700 Mark war „zur Ausführung einer Bauwissenschaftlichen Studienreise“ bestimmt und ermöglichte ihm in den Jahren 1913/14 eine Studienreise durch Nordamerika, Japan, China, Indien und Ägypten.[6] Im Sommer 1914 wurde Otto Blunck, bisher bei der Eisenbahndirektion in Berlin tätig, dem Preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten zur Beschäftigung bei den Eisenbahnabteilungen überwiesen.[7]

Bluncks zweite Sternbrücke vor der Endmontage, Hamburg (1926)

Von 1923 bis 1934 leitete er das Dezernat für Brücken- und Ingenieurhochbau in Hamburg-Altona. Nach seinen Plänen wurde 1926/27 in Hamburg die 2026 abgerissene zweite Sternbrücke errichtet.[8] Auch wirkte das Baubüro der Reichsbahndirektion Altona 1926/27 unter Otto Blunck an Neubauten der Eisenbahnbrücken Norderelbe.[9][10][11] Später war er in Berlin bei der Reichsbahndirektion und bis 1945 Abteilungspräsident bei der Reichsbahnbaudirektion Berlin.[12] In den Jahren von 1934 bis 1938 beteiligte er sich am Umbau der Berliner Bahnhöfe Friedrichstraße und Zoologischer Garten. Für die Güterumgehungsbahn Hamburg entwarf er die 1939 errichtete Mühlenteichbrücke. Die 158 Meter lange, mit Naturstein verblendete Bogenbrücke besteht aus vier Bögen mit einer Stützweite von jeweils 25 Metern und ist unter der Objekt-ID 23294 in der Liste der Kulturdenkmäler in Hamburg-Eppendorf verzeichnet.[13][14]

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war Blunck zunächst bei der Eisenbahndirektion Essen tätig und ab 1946 bis zu seiner Pensionierung 1948 bei der Eisenbahndirektion Hamburg. Das letzte von ihm begleitete Bauprojekt war die Elbbrücke Lauenburg.[15]

Blunck war zudem Verfasser zahlreicher Fachartikel.

Mitgliedschaften

Blunck war Vorsitzender des Richterpreisausschusses für neue Stahlbauten, Vorsitzender des Preisermittlungsausschusses für massive Ingenieurbauten und Mitglied des Reichsprüfungsamtes für höhere bautechnische Verwaltungsbeamte.

Bauten (Auswahl)

Eppendorfer Mühlenteichbrücke der Güterumgehungsbahn Hamburg (2026)

Schriften (Auswahl)

  • Umbau der Sternbrücke in Altona. Ein Hamburger Denkmal zwischen Abriss und Erhalt. In: Stahl und Eisen. Band 47, 1927.
  • Die neue viergleisige Eisenbahnbrücke über die Norderelbe in Hamburg In: Die Bautechnik, 29. Jg., Heft 45, 18. Oktober 1929, S. 704-708.
  • Der gerechte Preis für massive Ingenieurbauten. Ein Vorschlag mit einem neuen Kostenberechnungsverfahren, dem Stoffzifferverfahren, und mit Tabellen der prozentualen Zuschläge für soziale Lasten, Geschäftsunkosten, Risiko und Gewinn. Verlag Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1937.
  • Bauherr und Leistungslohn (Schulungsheft der Fachgruppe Bauwesen im NS-Bund Deutscher Technik). Ernst, Berlin 1944

Literatur

Commons: Otto Blunck – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Otto Blunck. In: https://portal.dnb.de. Abgerufen am 27. Juli 2026.
  2. Baugeschichtliches Personenregister (Datenbank-Auszug: Otto Blunck). In: kmkbuecholdt.de. Abgerufen am 27. Juli 2026.
  3. Bauwesen. Verkündung der Schinkel-Preise für 1909. In: Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger. 3. März 1909, abgerufen am 27. Juli 2026.
  4. Saale-Zeitung : allgemeine Zeitung für Mitteldeutschland ; Hallesche neueste Nachrichten, 1. Beiblatt – Deutsches Zeitungsportal. Saale-Zeitung : allgemeine Zeitung für Mitteldeutschland ; Hallesche neueste Nachrichten, 1. Beiblatt, 4. März 1909, abgerufen am 27. Juli 2026.
  5. Glaser Annalen für Gewerbe und Bauwesen. Preußen. Personal-Nachrichten, No. 804. S. 240 vom 15. Dezember 1910
  6. Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Sonntags-Ausgabe, S. 5. In: Deutsches Zeitungsportal. 14. März 1909, abgerufen am 27. Juli 2026.
  7. Preußisches Ministerium der öffentlichen Arbeiten (Hrsg.): Eisenbahn-Verordnungs-Blatt, 37. Jahrgang 1914, S. 229 (26. Juni 1914).
  8. Filip Schwen: Hamburger Wahrzeichen in Gefahr? Bahn plant Brückenabriss trotz Denkmalschutz. In: abendblatt.de. 9. März 2026, abgerufen am 27. Juli 2026.
  9. Erläuterungen zur Denkmalbedeutung: Norderelbe-Bahnbrücke (EÜ Norderelbe), Entwurf: Reichsbahndirektion Altona (Otto Blunck mit Wilhelm Lohe). denkmalverein.de, abgerufen am 2. August 2026.
  10. Erneuerung der Eisenbahnüberführung Norderelbe in der FHH, S.18. In: elbinselbruecken-hamburg.de. 2026, abgerufen am 29. Juli 2026.
  11. Karl Bernhard: Eisenbau. Bericht über die Tagung des Deutschen Eisenbau-Verbandes am 21./22.10. in Aachen. [Vortrag Otto Blunck über Siernbrücke und Eisenbahn-Norder-Elbbrücken], VDI-Zeitung 70 [1926], Nr. 5, S. 1719/1720
  12. Dörnen: Dr.-Ing. Otto Blunck 70 Jahre. In: Die Bautechnik, 29. Jg, Heft 5, Mai 1952, S. 139 f. Abgerufen am 27. Juli 2026.
  13. Hamburger Tagblatt: Zeitung für die NSDAP, 3. Mai 1938, S. 5.
  14. Denkmalliste nach § 6 Absatz 1 Hamburgisches Denkmalschutzgesetz vom 05. April 2013, (HmbGVBl S. 142) Auszug für den Bezirk Hamburg-Nord Stand: 23.06.2026, S.116. 23. Juni 2026, abgerufen am 28. Juli 2026.
  15. Dörnen: Dr.-Ing. Otto Blunck 70 Jahre. In: Die Bautechnik, 29. Jg, Heft 5, Mai 1952, S. 139 f. Abgerufen am 27. Juli 2026.

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