Nils Corte

Nils Corte (* 1975 in Berlin) ist ein freischaffender deutscher Theaterregisseur, Autor und Creative Technologist.[1] Er ist seit der Spielzeit 2023/24 am Staatstheater Nürnberg tätig, wo er am Aufbau des Extended Reality Theater (XRT) beteiligt war, einer festen digitalen Spielstätte eines deutschen Staatstheaters.[2]

Leben und Ausbildung

Nils Corte ist Alumnus der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund.[1]

Künstlerischer Werdegang

Mit der Produktion Das House war Corte 2021 zum digitalen Showcase des Berliner Theatertreffens eingeladen.[1] Für die Produktion Pan’s Lab wurde er 2022 für den Deutschen Theaterpreis Der Faust nominiert.[3] 2026 wurde er gemeinsam mit Lena Rucker und Phil Hagen Jungschlaeger in der Kategorie Medien erneut für den Deutschen Theaterpreis Der Faust für die Inszenierung Ich hasse Menschen am Theater Altenburg Gera nominiert.[4]

Seit der Spielzeit 2023/24 ist Corte am Staatstheater Nürnberg am Aufbau und der Leitung des Extended Reality Theaters (XRT) beteiligt.[2]

Bayreuther Festspiele: Ring 10010110 (2026)

Zum 150-jährigen Jubiläum der Bayreuther Festspiele 2026 entwickelte Corte gemeinsam mit dem Kurator Marcus Lobbes die künstlerisch-technische Konzeption für eine in Echtzeit von generativer KI bebilderte Bühnenfassung von Richard Wagners Der Ring des Nibelungen unter dem Titel Ring 10010110 – dem Binärcode der Zahl 150.[5][6] Der von Christian Thielemann dirigierte Zyklus wurde zwischen dem 27. Juli und dem 1. August 2026 mit Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung uraufgeführt, unter anderem mit Michael Volle, Klaus Florian Vogt und Camilla Nylund in den Hauptrollen. Corte war bei allen vier Teilen für die künstlerisch-technische Konzeption sowie – gemeinsam mit Phil Hagen Jungschlaeger – für Creative Code und Visual Art verantwortlich.

Ein zentraler Beitrag von Corte war das Bühnen- und Projektionskonzept: Durch mehrere hintereinander angeordnete, halbtransparente Gazevorhänge, die von – nach Presseberichten sechs – Projektoren bespielt wurden, wurden laut Zeit „dreidimensionale Projektionen" möglich.[7][8] Die Süddeutsche Zeitung beschrieb, wie die Sängerinnen und Sänger mitunter kaum noch hinter dem mit Projektionen „aller Art" bespielten Gaze-Vorhang zu erkennen waren,[9] Die deutsche Bühne konstatierte, das Ensemble habe sich gegen zwei bühnenfüllende, mit KI-Bildwelten geflutete Gazevorhänge behaupten müssen.[10] Die Idee in Echtzeit, mittels generativer KI einen „holographischen Raum" auf die Bühne zu projizieren, hatte sich laut Lobbes in der Zusammenarbeit mit Corte entwickelt.[6]

Gemeinsam mit Phil Hagen Jungschlaeger entwickelte Corte zudem das KI-System, das die Projektionen für jede Vorstellung neu generierte. Die Grundlage bildete laut Corte dabei ein so genanntes „Prompt-Libretto" aus Wagners Textbuch samt Regieanweisungen, ergänzt um digitalisiertes Bild- und Textmaterial aus 150 Jahren Bayreuther Aufführungsgeschichte sowie um ein ausgewähltes zeitgeschichtliches Ereignis pro Jahr seit der Uraufführung 1876; auf das Internet hatte das System keinen Zugriff.[5][8] Eine weitere KI übernahm während der Vorstellungen das Live Prompting, wodurch nach Cortes Angaben jeder der vier Abende zu einem nicht wiederholbaren Unikat wurde.[5] Laut einem Interview mit Mitentwickler Phil Hagen Jungschlaeger verfolgte das System dabei fortlaufend die Positionen der Sängerinnen und Sänger auf der Bühne und reagierte in Echtzeit auf deren Gesang sowie auf das Orchester.[11]

Die künstlerische Leistung von Lobbes und Corte wurde in der Presse kontrovers bis überwiegend kritisch aufgenommen, während Dirigat und Gesangsensemble weitgehend gefeiert wurden. Die Zeit attestierte der von Corte mitentwickelten Technik zwar großes, in dieser Inszenierung noch nicht ausgeschöpftes Potenzial;[7] Kritiker der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und von nachtkritik.de bemängelten aber vor allem beim Auftakt mit dem Rheingold eine Reizüberflutung durch die KI-Bildflut und eine fehlende erkennbare Bildregie; im Verlauf des Zyklus wurde die Bildfrequenz spürbar reduziert.[9][12][13] Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete Lobbes und Corte dabei als die „Kuratoren des KI-Rings", die sich selbst nicht als Regisseure verstanden.[9]

Auswahl an Theaterarbeiten

  • Symmetrie (2023) am Staatstheater Nürnberg[14]
  • Ich hasse Menschen (2025) am Theater Altenburg Gera[15]
  • Smart aber herzlich (2025) am Staatstheater Nürnberg[16]

Mitgliedschaften

Rezeption

In der Rezeption wird insbesondere sein Beitrag zur Institutionalisierung digitaler Theaterformen[1] und zur Entwicklung neuer Produktionsweisen im Stadttheater hervorgehoben.[18]

Einzelnachweise

  1. a b c d Julia Röseler: Eine Erweiterung von Theater. In: Bühnentechnische Rundschau. 9. Dezember 2025, abgerufen am 1. Januar 2026.
  2. a b Staatstheater Nürnberg eröffnet feste digitale Sparte. In: nachtkritik.de. 20. September 2023, abgerufen am 18. März 2025.
  3. Die Nominierungen für den Deutschen Theaterpreis Der Faust 2022. In: nachtkritik.de. 1. September 2022, abgerufen am 18. März 2025.
  4. Nominierungen für den „Faust"-Theaterpreis 2026. In: nachtkritik.de. 25. Juni 2026, abgerufen am 11. Juli 2026.
  5. a b c Thomas Heinold: Mit Nürnberger Experten: Bayreuth schmiedet den ersten KI-Ring der Welt zum 150. Jubiläum. In: Nürnberger Nachrichten. 24. Juli 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  6. a b Robin Passon: Marcus Lobbes befragt: Was tut die KI in Wagners „Ring"? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 23. Juli 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  7. a b Florian Zinnecker: Klar, Ihr findet das blöd. Aber KI wird die Zukunft der Oper verändern. In: Die Zeit. 2. August 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  8. a b dpa: Premiere für KI-generierten «Ring» in Bayreuth. In: Fränkischer Tag. 27. Juli 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  9. a b c Helmut Mauró: In Bildgewittern. In: Süddeutsche Zeitung. 2. August 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  10. Joachim Lange: Bilderstürme. In: Die deutsche Bühne. 3. August 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  11. Q & A: Phil Hagen Jungschlaeger on Digital Art & Creative Technology for Bayreuth Festival's 'Ring 10010110'. In: OperaWire. Abgerufen am 3. August 2026.
  12. Jan Brachmann: Das Ende der Geschichten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. August 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  13. Das Rheingold – Bayreuther Festspiele – Marcus Lobbes versenkt den Grünen Hügel zum 150jährigen Jubiläum in KI. In: nachtkritik.de. Abgerufen am 3. August 2026.
  14. Symmetrie – Kritik. In: nachtkritik.de. 12. November 2023, abgerufen am 18. März 2025.
  15. Ich hasse Menschen – Kritik. In: Die Deutsche Bühne. 5. Februar 2025, abgerufen am 18. März 2025.
  16. Smart aber herzlich – Online-Theater aus dem Zukunftsmuseum. In: Deutschlandfunk Kultur. 9. Januar 2025, abgerufen am 18. März 2025.
  17. Mitglieder. In: Deutsche Akademie der Darstellenden Künste. Abgerufen am 3. August 2026.
  18. Virtuelle Realität am Staatstheater Nürnberg. In: Süddeutsche Zeitung. 2. Oktober 2024, abgerufen am 18. März 2025.

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