Mark Scherz

Mark D. Scherz (* 17. April 1991) ist ein Herpetologe und Evolutionärbiologe, spezialisiert auf die Reptilien und Amphibien Madagaskars. Derzeit ist er Kurator der Herpetologie am Naturhistorischen Museum Dänemarks und außerordentlicher Professor der Wirbeltierkunde an der Universität Kopenhagen. Durch die Nutzung von Museomik, Micro-CT, genetischer Sequenzierung und anderer Techniken, begleitend zur Feldforschung, hat Scherz zusammen mit weiteren Kollegen zahlreiche Reptilien und Amphibien Madagaskars erstmalig beschrieben.
Bildung
Scherz erwarb 2013 seinen B.Sc. in Zoologie an der Universität Edinburgh unter der Betreuung von Professor Andrew Rambaut. Seine Abschlussarbeit "The Paraphyly of Ratites Just Doesn't Fly" in der die Kontroverse um die Entwicklung der Flugunfähigkeit bei Laufvögeln mithilfe molekularer Analysen erörtert wurde, wurde mit dem Charles-Darwin-Preis und dem Marsh-Preis der Zoological Society of London ausgezeichnet.
Im Jahr 2014 analysierte Scherz als Doktorand an der LMU München ein Museumsexponat aus dem Jahr 2005, das sein Mentor Frank Glaw im Marojejy-Massiv gesammelt hatte, unter Einsatz moderner Verfahren, darunter ein Mikro-CT-Scan. Die mit diesen Methoden gewonnenen Daten führten zur Beschreibung neuer Arten, darunter die Entdeckung des Engmaulfrosches Rhombophryne vaventy. Der Name „Vaventy“ wurde gewählt, da dies das madagassische Wort für „riesig“ ist.
Karriere
Im Jahr 2017 war er als Herpetologe und Taxonom am Forschungsinstitut „Zoologische Staatssammlung München“ tätig. Zusammen mit seinen Kollegen entdeckte und beschrieb er Geckolepis megalepis, eine neu entdeckte Geckoart aus dem Norden Madagaskars, die die erste Neuzugabe zur Gattung Geckolepis seit 1942 darstellte. Die Art wies die größten Schuppen aller bekannten Geckos auf und konnte diese als Verteidigungsmechanismus abwerfen – ein Merkmal, das auch andere Mitglieder der Gattung aufwiesen; allerdings wurde berichtet, dass sich die Schuppen von Geckolepis megalepis leichter ablösen ließen als die seiner Artgenossen.
Im Jahr 2019 leitete er ein internationales Team, das eine neue Gattung und fünf neue Arten von winzigen Fröschen aus Madagaskar entdeckte, die alle zur Familie der Microhylidae, auch bekannt als Engmaulfrösche, gehörten. Für drei der fünf Arten wurde die neue Gattung „Mini“ eingeführt, und die wissenschaftlichen Namen der drei Frösche lauten „Mini ature“, „Mini mum“ und „Mini scule“. Scherz erklärte, dass die Namen gewählt wurden, um das Interesse der Öffentlichkeit zu wecken, und betonte die Notwendigkeit, die Wissenschaft zugänglicher zu machen.
Im Jahr 2020 entdeckte Scherz Rhombophryne ellae, eine neue Froschart, die ausschließlich im Nationalpark Montagne d’Ambre im Norden Madagaskars vorkommt. Er führte die einzigartigen orangefarbenen Streifen an den Beinen und die großen schwarzen Flecken an der Hüfte dieser Art als entscheidende Hinweise für seine Entdeckung an und wies darauf hin, dass schwarze Markierungen in dieser Gattung selten seien und es keine beschriebene Art mit orangefarbenen Beinen gebe. Da Rhombophryne ellae entdeckt wurde, als sich der Zyklon Ava Madagaskar näherte, wies Scherz auf die mögliche Rolle des schlechten Wetters hin, das zu vermehrten Sichtungen und damit zur Entdeckung von Froscharten führen könne, da mehrere andere Arten, die seine Kollegen kürzlich beschrieben hatten, unter ähnlichen Sturmbedingungen gefunden worden waren.
Ende 2021 nahm Scherz seine Tätigkeit als Assistenzprofessor für Wirbeltierzoologie an der Universität Kopenhagen auf, zusätzlich zu seiner Rolle als Kurator für Herpetologie am Dänischen Naturhistorischen Museum in Kopenhagen. Für seine Arbeit zur Anwendung modernster Methoden der Systematik und integrativen Taxonomie im Bereich der Herpetofauna Madagaskars erhielt er zudem den CETAF E-Score Award for Excellence in Research Based on Natural Science Collections.
Im Jahr 2022 benannten und beschrieben Scherz und seine Kollegen mithilfe von Museomik zwanzig weitere Arten der Untergattung Brygoomantis der Gattung Mantidactylus. Die Forscher extrahierten und sequenzierten Genomdaten aus DNA-Proben aus Museumssammlungen; die Informationen wurden analysiert und mit anderen Daten wie Morphologie und Verhalten von über 1.300 Fröschen abgeglichen.
Im Jahr 2023 veröffentlichten Scherz und sein Team eine Arbeit, in der sie Uroplatus garamaso, eine neu identifizierte Art des Plattschwanzgeckos, beschrieben. Sein Team stützte sich auf jahrzehntelange Forschungen zur Genetik, Morphologie und evolutionären Abstammung des Geckos. Eine wichtige Erkenntnis war, dass die Zungenspitze des Geckos schwarz und nicht rosa war, da die Farbe des Mauls bei Uroplatus ein wichtiger Schlüssel zur Identifizierung von Arten innerhalb der Gattung ist.
Im Oktober 2024 entdeckten Scherz und sein Team sieben neue Froscharten, nachdem sie festgestellt hatten, dass es sich bei der 1994 erstmals entdeckten Art Boophis marojezensis tatsächlich um acht verschiedene Arten handelte. Trotz der nahezu identischen Morphologie der Frösche unterschieden sich ihre hohen, pfeifenden Rufe hinsichtlich Tonhöhe und Timing von Art zu Art, und diese Hypothese wurde durch DNA-Sequenzierungen bestätigt, die deutliche genetische Unterschiede nachwiesen. Eine der sieben Arten wurde zu Ehren der „Star Trek“-Figur James T. Kirk „Boophis kirki“ genannt, während die anderen nach Jean-Luc Picard, Kathryn Janeway, Benjamin Sisko, Jonathan Archer, Christopher Pike und Michael Burnham benannt wurden.
Im Jahr 2024 erhielt Scherz vom Europäischen Forschungsrat eine Förderung in Höhe von 11 Millionen DKK (etwa 1,5 Millionen Euro), die es seinem Team ermöglichen würde, die Miniaturisierung von Wirbellosen über einen Zeitraum von fünf Jahren weiter zu untersuchen. Das neue Forschungsprojekt trägt den Namen GEMINI (Genomics of Miniaturisation in Vertebrates) und zielt darauf ab, die Prozesse zu identifizieren, die im Verlauf der Miniaturisierung in der DNA von Wirbeltieren ablaufen, um ein genetisches Modell dieses Prozesses zu entwickeln.
Öffentlichkeitsarbeit
Scherz arbeitet gemeinsam mit den deutschen Herpetologen Katharina Ruthsatz und Miguel Vences an „Anatomy Insights“, einem YouTube-Kanal, der universitäre Inhalte zu Tieranatomie, Morphologie und Taxonomie sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch vermittelt. Er moderiert gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Illustrator Gabriel Ugueto, dem Künstler Ethan Kocak und der Schlangenforscherin Hiral Naik den Podcast „SquaMates“. Scherz betreibt außerdem einen edukativen Tumblr-Blog.
Weblinks
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Scherz, Mark |
| ALTERNATIVNAMEN | Scherz, Mark D. |
| KURZBESCHREIBUNG | Herpetologe und Evolutionärbiologe |
| GEBURTSDATUM | 17. April 1991 |
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