Marjorie Rackstraw


Marjorie Rackstraw (* 24. Juni 1888 in Highgate, Middlesex; † 28. April 1981 in Keats Grove, Hampstead, London) war eine englisch-britische Pädagogin, Hochschullehrerin, Kommunalpolitikerin und Sozialarbeiterin.[1]
Leben
Rackstraw war das zweite von fünf Kindern von Matthew Henry Rackstraw (1847–1928) und Fanny Rackstraw, geborene Blofeld (1859–1930). Ihr Vater war Kaufmann und besaß zwei Geschäfte in der Upper Street in Islington, während die Familie ihrer Mutter als Händler in Smithfield tätig war. Die Familie lebte in einem großen Haus im Cholmondeley Park, bis die Kinder das Elternhaus verließen. Als junges Mädchen besuchte Rackstraw die Grove School in Highgate, wechselte jedoch nach dem Auftreten von Wirbelsäulenproblemen, die möglicherweise auf Polio zurückzuführen waren, auf eine Schule für behinderte Kinder in Margate, Kent. Sie litt ihr ganzes Leben lang unter Wirbelsäulenbeschwerden.[1]
Nach einem Jahr in Frankreich studierte Rackstraw an der Universität Birmingham allgemeine Geisteswissenschaften. Während ihrer Zeit in Birmingham lernte sie Margery Fry kennen, die damals Leiterin des University House war. Nach ihrem Studium in Birmingham verbrachte sie ein Jahr am Bryn Mawr College in Pennsylvania.[1]
Rackstraw kehrte schließlich nach Birmingham zurück, um Fry im University House zu unterstützen. Als die ältere Fry wegzog, um beim Friends’ War Victims Relief Committee mitzuarbeiten, folgte ihr Rackstraw und begann, an der Marne mit Flüchtlingen zu arbeiten. Im Jahr 1920 führte Rackstraws Hilfsarbeit sie nach Russland, wo sie während der Hungersnot tätig war. Evelyn Jane Sharp beschrieb Rackstraw als fließend Russisch sprechend, tüchtig und mit „dem einfühlsamen Temperament einer Führungspersönlichkeit“ ausgestattet, was dazu führte, dass sie „bei den Mitgliedern des Dorfsowjets und bei allen Russen, mit denen sie in ihrem Bezirk zu tun hatte, sehr beliebt“ war.[2]
Nach ihrer Rückkehr nach Großbritannien wurde Rackstraw zur Labour-Stadträtin in Hampstead gewählt und gründete den Hampstead Old People’s Housing Trust.[3]
Nachdem Rackstraw als Dozentin für Pädagogik an der University of Sheffield tätig gewesen war, fungierte sie von 1924 bis 1937 als Leiterin der Masson Hall an der University of Edinburgh. Im Jahr 1927 wurde sie zudem zur General Advisor to Women Students an der Universität ernannt. In dieser Funktion war sie persönlich dafür verantwortlich, sich auch um die überwiegende Mehrheit der Studentinnen zu kümmern, die nicht in Wohnheimen oder anerkannten Unterkünften wohnten.[4] Bei ihrem Rücktritt von diesem Amt hinterließ Rackstraw ihrer Nachfolgerin einen detaillierten Leitfaden, in dem sie die Aufgabe beschrieb:
„The chief duties of the Adviser of Women Students are to give advice on careers, on general matters, and, where necessary, on accommodation […] She is concerned with the social life of the students generally and is responsible for keeping a Register of Lodgings which is reviewed every year. She is a member of the Appointments Board and of the Athletic Committee. She has an office in the Old College and the assistance of a part-time secretary.“
„Zu den Hauptaufgaben der Beraterin für die Studentinnen gehören die Beratung in beruflichen Fragen, in allgemeinen Angelegenheiten und, falls erforderlich, in Fragen der Unterbringung […] Sie kümmert sich um das gesellschaftliche Leben der Studentinnen im Allgemeinen und ist für die Führung eines Wohnheimverzeichnisses verantwortlich, das jedes Jahr überprüft wird. Sie ist Mitglied des Ernennungsausschusses und des Sportkomitees. Sie hat ein Büro im Old College und wird von einer Teilzeitsekretärin unterstützt.“
1937 begann Rackstraweinen längeren Briefwechsel mit der schottischen Frauenrechtlerin Frances Melville, in der Hoffnung, Daten von allen schottischen Universitäten zusammenzustellen, um das Potenzial von Frauen im Staatsdienst aufzuzeigen. Als Reaktion auf Bedenken, dass „einige Teile der Welt für Frauen zum Leben ungeeignet seien“, versuchte Rackstraw, Informationen von Absolventinnen mit Auslandserfahrung darüber zu sammeln.[5]
In der gesamten Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs engagierte sie sich in Hilfsaktionen.[6]
Dreißig Jahre nach ihrem Ausscheiden aus Masson Hall leistete Marjorie einen finanziellen Beitrag zum Bau eines neuen Studierendenwohnheims an der Universität Edinburgh. Im Rahmen der 1961 New Year Honours wurde ihr der Orden Officer of the Order of the British Empire (OBE) für ihren Einsatz im National Old People's Welfare Council verliehen.
Rackstraw starb 1981 in Hampstead und wurde im Golders Green Crematorium bestattet.[1][7]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Enid Huws Jones: Rackstraw, Marjorie (1888–1981). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/52396.
- ↑ Evelyn Sharp: Unfinished Adventure: Selected Reminiscences from an Englishwoman’s Life. Faber & Faber, London 2009, ISBN 978-0-571-25144-5.
- ↑ Marjorie Rackstraw OBE (1888–1981). In: Information Services. University of Edinburgh, 8. Oktober 2024, abgerufen am 4. Juni 2024.
- ↑ a b Carol Dyhouse: No distinction of sex?: Women in British universities, 1870–1939. UCL Press, London 1995, ISBN 1-85728-458-5.
- ↑ Euthalia Lisa Panayotidis und Paul James Stortz (Hrsg.): Women in higher education, 1850–1970 (= International Perspectives. Band 21). Routledge, New York City 2016, ISBN 978-0-415-85804-5.
- ↑ Papers of Marjorie Rackstraw. In: Library Heritage Collections, Coll-705. University of Edinburgh, abgerufen am 4. Juni 2026.
- ↑ Marjorie Rackstraw in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 4. Juni 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rackstraw, Marjorie |
| KURZBESCHREIBUNG | englisch-britische Pädagogin, Hochschullehrerin, Kommunalpolitikerin und Sozialarbeiterin |
| GEBURTSDATUM | 24. Juni 1888 |
| GEBURTSORT | Highgate, Middlesex, England, Vereinigtes Königreich |
| STERBEDATUM | 28. April 1981 |
| STERBEORT | Keats Grove, Hampstead, London, England, Vereinigtes Königreich |
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