Liu Futong

Liu Futong (chinesisch 劉福通 / 刘福通, Pinyin Liú Fútōng;* 1321 in Yingzhou (heute Fuyang, Anhui); † Februar 1363 oder Januar 1367) war eine Schlüsselfigur der Weißen-Lotus-Sekte und in den 1350er und 1360er Jahren einer der Rebellenführer der Roten Turbane gegen die über China herrschende mongolische Yuan-Dynastie.

Leben

Liu Futong entstammte einer wohlhabenden chinesischen Familie. 1351 wurde er von Han Shantong, dem Anführer der Weißen-Lotus-Sekte in Nordchina, angeworben. Am Anfang desselben Jahres hatte der mongolische Minister Toqto 150.000 arme Bauern mobilisiert, um den für seine verheerenden Überschwemmungen berüchtigten Gelben Fluss umzuleiten. Obwohl das Projekt letztlich erfolgreich war, steigerte es massiv die Zahl der unzufriedenen Landarbeiter Nordchinas. Liu Futong, der seine Abstammung auf den berühmten Song-General Liu Guangshi (1089–1142) zurückführte, gewann viele dieser missvergnügten Bauern für den Aufstand der Roten Turbane. Dies führte ab 1351 zu einem großen Anstieg der Rebellenaktivitäten. Nach der Gefangennahme von Han Shantong durch Yuan-Truppen im Mai 1351 floh sein Sohn Han Lin'er mit Liu Futong nach Yingzhou, wo Letzterer eine Militärbasis errichtete.[1][2] Liu Futong eroberte 1352 das südliche Henan.[3]

In den Jahren 1352 bis 1354 schlugen Truppen der Yuan-Dynastie unter dem Minister Toqto wiederholt die Aufständischen, deren südliche Gruppe unabhängig von jener Liu Futongs in Hebei und Jiangxi operierte. Durch Toqtos Erfolge gerieten die Rebellen der Roten Turbane in erhebliche Schwierigkeiten. Nach Toqtos Entlassung im Januar 1355 erstarkten sie aber wieder. Im März 1355 wurde Han Lin'er mit Unterstützung von Liu Futong zum Kaiser der wiederhergestellten Song-Dynastie ausgerufen. Du Zundao, ein früherer Yuan-Beamter des Kriegsministeriums, bekleidete das Amt des Ersten Ministers und war der eigentliche Herrscher in Han Lin'ers Rebellenstaat. Liu Futong ermordete aber Du Zundao noch im gleichen Jahr und übernahm dessen Position.[2] Er war ein fähiger Ideologe, was zusammen mit der Person des Kaisers, eines angeblichen Nachkommen der Song-Dynastie, zum Zusammenhalt der nördlichen Roten Turbane beitrug. Eine solche Machtstruktur fehlte dem südlichen Zweig der Aufstandsbewegung. Als Stratege und Verwalter war Liu Futong jedoch schwach.[4]

Die Kriegsstrategie von Liu Futong sah Vorstöße tief ins Feindesland vor. Sie führten indessen nicht zu dauerhaften Gebietsgewinnen und bewirkten eine Zersplitterung der Streitkräfte, an denen es dann in kritischen Momenten des Krieges mangelte.[5] Eine erste Serie von Einfällen leitete Liu Futong 1356 ein. Seine Armee eroberte im Juni 1358 Bianliang (das heutige Kaifeng) und machte sie zur neuen Hauptstadt des Song-Reichs. Anschließend drangen Song-Truppen nach Westen bis nach Shaanxi vor, das sie plünderten. Im Norden brannten sie die Sommerhauptstadt der Yuan-Dynastie, Shangdu, nieder, und im Osten erreichten sie sogar Pjöngjang in Korea.[2] Liu Futong vermochte auch Teile von Anhui und Shandong unter seine Kontrolle zu bringen und entsandte seinen Feldherrn Mao Gui auf eine Feldzug gegen die Yuan-Hauptstadt Khanbaliq. Aufgrund der Zersplitterung ihrer Streitkräfte war die Song-Regierung in Bianliang aber nicht in der Lage, sich im September 1359 gegen einen Angriff des mongolischen Kommandanten Chagan Temur zu verteidigen. Ihr Heer wurde geschlagen, und Chagan Temur eroberte Bianliang und drängte Liu Futong und dessen Truppen zunächst nach Yingzhou, dann nach Bozhou und schließlich nach Anfeng zurück. Damit endete die Expansionsphase der nördlichen Roten Turbane.[6]

Liu Futong und der Song-Kaiser Han Lin'er hielten sich nun mit einer kleinen Gruppe von Gefolgsleuten in Anfeng auf, bis sie im Februar 1363 von Lü Zhen, einem General des Rebellenführers Zhang Shicheng, angegriffen wurden. Zhu Yuanzhang (der spätere Ming-Kaiser Hongwu) und sein Feldherr Xu Da retteten im März 1363 Han Lin'er, dem sich Zhu Yuanzhang formell unterwarf.[7] Über den Tod von Liu Futong liegen widersprüchliche Überlieferungen vor. Die meisten Geschichtswerke der Ming- und Qing-Dynastie geben an, dass er im Februar 1363 in den Kämpfen gegen Lü Zhen ums Leben kam. Quan Hengs zeitgenössische Chronik Gengshen Waishi – die einen detaillierten Bericht über die Ereignisse während der Herrschaft des letzten Yuan-Kaisers Toghan Timur liefert[8] – berichtet hingegen, dass Liu Futong aus dem belagerten Anfeng entkam und Anfang 1367 nahe Guazhou in Jiangsu im Jangtsekiang – eventuell gemeinsam mit Han Lin'er – ertrank.[9]

Literatur

Anmerkungen

  1. Frederick W. Mote, in: Derselbe, Denis Twitchett (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 7, 1988, S. 39 f.
  2. a b c Luther Carrington Goodrich, Fang Chaoying: Dictionary of Ming Biography, 1368-1644, 1976, S. 486.
  3. Edward L. Dreyer, in: Frederick W. Mote, Denis Twitchett (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 7, 1988, S. 61.
  4. Frederick W. Mote, in: Derselbe, Denis Twitchett (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 7, 1988, S. 42.
  5. Luther Carrington Goodrich, Fang Chaoying: Dictionary of Ming Biography, 1368-1644, 1976, S. 488.
  6. Frederick W. Mote, in: Derselbe, Denis Twitchett (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 7, 1988, S. 43 und S. 53.
  7. Frederick W. Mote, in: Derselbe, Denis Twitchett (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 7, 1988, S. 51.
  8. Gengshen waishi, in: Ulrich Theobald: Chinaknowledge – An Encyclopedia on Chinese History and Literature.
  9. Luther Carrington Goodrich, Fang Chaoying: Dictionary of Ming Biography, 1368-1644, 1976, S. 487.

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