Köko Timur
Köko Timur (mongolisch ᠬᠥᠬᠡᠲᠡᠮᠦᠷ Хөхтөмөр, auch Wang Baobao, chinesisch 擴廓帖木爾 / 扩廓帖木尔; * um 1330; † 1375) war ein Feldherr der mongolischen Yuan-Dynastie. Nach dem Tod seines Onkels, des Heerführers Cayan Timur, übernahm er im Jahr 1362 dessen Amt und Streitkräfte und avancierte zu einem der mächtigsten Kriegsherrn Nordchinas. Er widerstand dem Druck rivalisierender mongolischer Generäle, musste deshalb aber den Kampf gegen den Aufstand der Roten Turbane aufgeben und brach später mit der Yuan-Regierung. Die Offensive von Hongwu, dem ersten Kaiser der Ming-Dynastie, in den Jahren 1368 bis 1370 führte zur Vertreibung der Mongolen aus China. Daraufhin versöhnte sich Köko Timur mit dem Mongolenherrscher Biligtü Khan und half 1372 bei der Abwehr der chinesischen Invasion der Mongolei, starb aber bereits drei Jahre später.
Leben
Herkunft und Jugend
Die seit der späten Yuan-Zeit existierende Überlieferung, dass Köko Timur ein Han-Chinese gewesen sei und einen chinesischen Vater namens Wang gehabt habe, wurde durch den 1990 in Luoyang gemachten Fund des Epitaphs von Sain Chidaghu widerlegt. Dieser war laut seiner Grabinschrift von mongolischer Abstammung, lebte in der Provinz Henan und war der Vater von Köko Timur. Sain Chidaghu besaß Kenntnisse in Verwaltungsangelegenheiten und war auch in der Kampfkunst bewandert.[1] Die Mutter von Köko Timur gehörte dem Stamm der Naiman an und war eine Schwester von Cayan Timur, einem regionalen Feldherrn der Yuan-Dynastie, der gegen den Bauernaufstand der Roten Turbane und rivalisierende mongolische Kriegsherrn kämpfte.[2] Cayan Timur beherrschte weite Teile von Henan sowie Shanxi und adoptierte, weil er keine Erben hatte, seinen Neffen Köko Timur, den er wie einen Sohn großzog. Er unterrichtete ihn sowohl in chinesischer Gelehrsamkeit als auch in mongolischer Kriegskunst. Köko Timur nahm schon in jungen Jahren an den Feldzügen gegen die Roten Turbane teil, besaß einen heldenhaften Charakter und machte sich das mongolische Ideal des Steppenkriegers zu eigen. 1361 begleitete er einen Reistransport nach Khanbaliq (auch Dadu genannt; heute Peking) und wurde vom Yuan-Kaiser Toghan Timur empfangen.[3]
Nach der Ermordung von Cayan Timur durch die zu den Rebellen der Roten Turbane übergelaufenen Yuan-Generäle Tian Feng und Wang Shicheng (Juli 1362) unterstellte sich Cayans Armee Köko Timur. Der Yuan-Hof erkannte dessen Nachfolge an und verlieh ihm die entsprechenden Titel und Ämter. Köko Timur vollendete im November 1362 durch die Einnahme der zuvor von Cayan Timur belagerten Stadt Yidu die Eroberung Shandongs und ließ die gefangen genommenen Feldherren Tian Feng und Wang Shicheng enthaupten. Das Gebiet von Shandong bis Shaanxi im Nordwesten befand sich nun weitgehend in seiner Hand.[3]
Verwicklung in Parteikämpfe und innermongolische Kriege

Köko Timur geriet nach der Übernahme von Cayan Timurs Position mit dessen Feind, dem in Datong in Nord-Shanxi residierenden mongolischen Warlord Bolod Timur, in einen erbitterten Konflikt. Als der Streit eskalierte, zog Köko Timur nach Taiyuan, um seinem Gegner entgegenzutreten. Im darauffolgenden Krieg um die Kontrolle Shanxis behielt Köko Timur die Oberhand, woraufhin sich Bolod Timur im Mai 1364 nach Khanbaliq, dem Regierungssitz von Kaiser Toghan Timur, zurückzog und de facto die Herrschaft über den Hof übernahm. Kronprinz Ayushiridara (der spätere Kaiser Biligtü Khan), der mit Bolod Timur verfeindet war, suchte aus Angst vor einem Attentat Zuflucht bei Köko Timur in Taiyuan. Die harte Herrschaft Bolod Timurs rief am Hof heftigen Widerstand hervor, bis er schließlich auf Befehl des Kaisers im August 1365 ermordet wurde.[3] Köko Timur begleitete nun Ayushiridara zurück nach Khanbaliq und wurde mit dem Titel Prinz von Henan belohnt.[4]
Im Februar 1366 kehrte Köko Timur, der sich mit dem Kronprinzen zerstritten hatte und von der Hofpolitik angewidert war, nach Henan zurück. Er hatte den Auftrag, den Aufstand der Roten Turbane in der Region am Jangtsekiang niederzuschlagen. Doch einige Yuan-Kommandeure aus dem Nordwesten widersetzten sich ihm, darunter vor allem Cayan Timurs ehemaliger Verbündeter Li Siqi und Bolod Timurs frühere Offiziere aus Shaanxi, Zhang Liangbi, Törebeg und Kong Xing. Da Köko Timur somit in Kämpfe gegen diese Gegner verwickelt war, konnte er keinen Feldzug nach Süden gegen die Rebellenführer der Roten Turbane unternehmen. So bekriegten die mongolischen Generäle nicht die Aufständischen, sondern einander, während die Yuan-Regierung hilflos zusehen musste.[4] Mit der Zeit entfremdete sich Köko Timur immer mehr dem Hof und Ayushiridara. Viele seiner bis dahin loyalen Offiziere wandten sich daraufhin von ihm ab. Schließlich entzog der Kaiser ihm im Februar 1368 den Adelstitel und befahl den anderen Kriegsherren in Nordchina, ihn anzugreifen und zu vernichten. Köko Timur besiegte jedoch seine Feinde und behauptete seine Vorherrschaft im Norden.[5] Als die Truppen des ehemaligen Rebellenführers Zhu Yuanzhang, der inzwischen die gegnerischen Anführer der Roten Turbane besiegt und sich zum Kaiser Hongwu der von ihm gegründeten Ming-Dynastie ausgerufen hatte, im Sommer 1368 gegen Khanbaliq vordrangen, gab der Yuan-Kaiser Köko Timur seinen Titel eines Prinzen von Henan zurück und bat ihn dringend, ihm zu Hilfe zu kommen. Köko Timur blieb aber unschlüssig und Toghan Timur, der Kronprinz Ayushiridara und der restliche Yuan-Hof flohen im September 1368 vor den anrückenden Truppen von Khanbaliq nordwärts nach Shangdu.[1]
Rückzug in die Mongolei und Tod
Auf Befehl von Toghan Timur rückte Köko Timur mit seinen Streitkräften gegen Khanbaliq vor, um diese Stadt zurückzuerobern. Der Ming-General Xu Da marschierte unterdessen mit einer starken Armee gegen Köko Timurs wichtigen, nun von Truppen entblößten Stützpunkt Taiyuan. Daraufhin kehrte Köko Timur eilig um, erlitt gegen das Ming-Heer eine Niederlage und floh. Anschließend eroberten die Ming im Januar 1369 Taiyuan. Nach dem hierdurch bedingten Verlust der Provinz Shanxi zog sich Köko Timur nordwestlich nach Gansu zurück. Bis September 1369 unterwarfen Ming-Truppen Shaanxi, waren aber weiterhin an dessen Grenzen in Gefechte mit Truppen Köko Timurs verwickelt. Ab Dezember 1369 belagerte Köko Timur die Stadt Lanzhou, konnte sie aber nicht einnehmen. Kaiser Hongwu befahl dem Feldherrn Li Wenzhong, Yingchang, eine wichtige Stadt der Yuan-Dynastie in der heutigen Inneren Mongolei, anzugreifen, während gleichzeitig Xu Da von Xi’an aus gegen Lanzhou vorrücken sollte. Xu Da errang Anfang Mai 1370 einen bedeutenden Sieg über Köko Timur, der nach Karakorum floh. Um dieselbe Zeit musste Kaiser Toghan Timur vor Ming-Truppen aus Shangdu nordwärts nach Yingchang fliehen, wo er am 23. Mai 1370 starb.[1]
Kronprinz Ayushiridara wurde nun als Biligtü Khan neuer Kaiser der Yuan-Dynastie. Er musste nach der Eroberung von Yingchang durch den Ming-General Li Wenzhong ebenfalls nach Karakorum entweichen. Im Interesse der Wiederherstellung des Yuan-Reichs versöhnte sich Köko Timur mit Biligtü Khan, diente ihm fortan treu und lehnte wiederholt Angebote der Ming-Dynastie zu einem Seitenwechsel ab. Kaiser Hongwu befahl 1372 einen massiven Angriff auf die Mongolei. Xu Da führte eine 150.000 Mann starke Armee von Shanxi aus durch die Wüste Gobi direkt gegen Karakorum. Der chinesische Feldherr Feng Sheng hatte den Auftrag, mit 50.000 Kriegern auf einer westlichen Route Gansu anzugreifen. Li Wenzhong sollte mit weiteren 50.000 Soldaten auf einer östlichen Route über Yingchang zum Fluss Tuul ziehen und dann gegen Karakorum marschieren. Köko Temür täuschte gegenüber der anrückenden Armee von Xu Da einen Rückzug vor, lockte sie in Richtung Karakorum und brachte ihr in der Nähe dieser Stadt eine vernichtende Niederlage bei; über Zehntausend Soldaten der Ming sollen in der Schlacht gefallen sein. Li Wenzhong wurde mit seinen Streitkräften am Ufer des Flusses Orchon eingekesselt und musste sich unter großen Verlusten zurückziehen. Nur Feng Sheng konnte mit seinem Heer seinen Feldzug erfolgreich abschließen.[6][1] Nach diesem bedeutenden Sieg, der das Reich der Nördlichen Yuan stabilisierte, gelangen Köko Timur jedoch keine weiteren größeren Erfolge gegen die Ming. Er starb 1375.[1]
Literatur
- Edward L. Dreyer: Early Ming China: A Political History. Stanford: Stanford University Press, 1982, ISBN 0-8047-1105-4.
- Edward L. Dreyer: Military origins of Ming China. In: Frederick W. Mote, Denis Twitchett (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 7: The Ming Dynasty, 1368–1644, Teil 1. Cambridge University Press, 1988, ISBN 978-0-521-24332-2, S. 58–106.
- Frederick W. Mote: The rise of the Ming dynasty, 1330–1367. In: Frederick W. Mote, Denis Twitchett (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 7: The Ming Dynasty, 1368–1644, Teil 1. Cambridge University Press, 1988, ISBN 978-0-521-24332-2, S. 11–57.
Anmerkungen
- ↑ a b c d e Köke Temür, in: Baidu Wiki.
- ↑ Frederick W. Mote, in: Frederick W. Mote, Denis Twitchett (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 7, 1988, S. 21.
- ↑ a b c Frederick W. Mote, in: Frederick W. Mote, Denis Twitchett (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 7, 1988, S. 22.
- ↑ a b Frederick W. Mote, in: Frederick W. Mote, Denis Twitchett (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 7, 1988, S. 23.
- ↑ Edward L. Dreyer: Early Ming China: A Political History, 1982, S. 61.
- ↑ Edward L. Dreyer: Early Ming China: A Political History, 1982, S. 74 f.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Köko Timur |
| ALTERNATIVNAMEN | Wang Baobao |
| KURZBESCHREIBUNG | mongolischer Feldherr |
| GEBURTSDATUM | um 1330 |
| STERBEDATUM | 1375 |
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