Kristian Hungar

Kristian Hungar (* 14. Mai 1934 in Dahme/Mark) ist ein deutscher Soziologe und Hochschullehrer.

Leben und Wirken

Kristian Hungar studierte nach seiner Reifeprüfung in Köln 1954 zunächst zwei Semester Architektur und anschließend Volkswirtschaftslehre und Soziologie an der Freien Universität Berlin und schloss dieses Studium 1961 an der Universität zu Köln mit der Prüfung zum Diplom-Volkswirt ab. Nach der Bearbeitung verschiedener Forschungsaufträgte wurde er 1962 Mitarbeiter des Instituts für angewandte Sozialwissenschaft (Infas). Seit 1964 war er wissenschaftlicher Assistent an der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg. 1969 promovierte er bei Hans Albert an der Universität Mannheim zum Dr. rer. pol. mit einer Dissertation über Max Weber.[1] An der Universität Heidelberg war er als Wissenschaftlicher Rat, von 1974 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1999 als C2-Professor für Sozialethik tätig. Von 1971 bis 1972 amtierte er als Prorektor der Universität Heidelberg. Seine zahlreichen Veröffentlichungen beschäftigen sich vor allem mit der Sozialethik im Bereich der Theologie. Als Tabubruch wurde Hungars Veröffentlichung in den „Lutherischen Monatsheften“ 1984[2] empfunden, wo er die Funktionsgerechtigkeit und die geistliche Sachgemäßheit des klassischen evangelischen Pfarrhauses mitsamt Pfarrersehe und Pfarrfamilie zur Diskussion stellte (Aufhebung der Residenzpflicht etc.). Als Folge wurde er seinerzeit aus dem theologischen Prüfungsamt der Badischen Landeskirche entfernt.[3]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Hermeneutische versus pragmatische Deutung. Bemerkungen über die Eigenart und den Kontext von Krisenerscheinungen in den theologischen Disziplinen, besonders der Sozialethik. In: Helge Siemers (Hrsg.): Theologie als Wissenschaft in der Gesellschaft. Ein Heidelberger Experiment. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1970, S. 41–54.
  • Empirie und Praxis. Ertrag und Grenzen der Forschungen Max Webers im Licht neuerer Konzeptionen (= Mannheimer sozialwissenschaftliche Studien, Bd. 6). Hain, Meisenheim am Glan 1971 (= Dissertation Universität Mannheim), ISBN 3-445-00843-4.
  • Soziale Schichtung und Benachteiligung der Frau als Hintergrund volkskirchlichen Bewußtseins. In: Manfred Seitz (Hrsg.): Gottesdienst und öffentliche Meinung. Kommentare und Untersuchungen zur Gottesdienstumfrage der VELKD. Calwer Verlag, Stuttgart 1977, S. 101–113, ISBN 3-7668-0534-7.
  • Über Autoritarismus. Ein Versuch der Verknüpfung von theologischer Ethik und empirischer Sozialforschung. In: Zeitschrift für evangelische Ethik, Bd. 21 (1977) H. 3, S. 174–190.
  • Was wird aus dem Kirchgang? Bevölkerungskirche oder mehr? In: Pastoraltheologie, Bd. 75 (1986), H. 4, S. 160–171.
  • Haushalte zwischen Staat und Markt – Kirche und Diakonie in ökonomischer Perspektive. In: Wolfgang Lienemann (Hrsg.): Die Finanzen der Kirche. Studien zu Struktur, Geschichte und Legitimation kirchlicher Ökonomie (= Forschungen und Berichte der Evangelischen Studiengemeinschaft, Bd. 48). Kaiser, München 1989, S. 758–778, ISBN 3-459-01746-5.
  • Antike Wirtschaftskrisen und Ökonomik des modernen Patriarchats der Brüder. Zu Heinsohn/Steigers Eigentumstheorie des Geldes. In: Rainer Kessler/Eva Loos (Hrsg.): Eigentum: Freiheit und Fluch. Ökonomische und biblische Einwürfe. Kaiser, Gütersloh 2000, S. 145–161, ISBN 3-579-05175-X.
  • Jesus verstehen – eine Übung im politischen Denken. In: Christof Hardmeier u. a (Hrsg.): Freiheit und Recht. Festschrift für Frank Crüsemann zum 65. Geburtstag. Kaiser, Gütersloh 2003, S. 109–120, ISBN 978-3-579-05407-0.
  • (Mitautor): Frank Crüsemann (Hrsg.): Sozialgeschichtliches Wörterbuch der Bibel. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2009, ISBN 978-3-579-08021-5.
  • Die befreiungstheologische Christologie Jon Sobrinos. In: Marlene Crüsemann (Hrsg.): Christus und seine Geschwister. Christologie im Umfeld der Bibel in gerechter Sprache. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2009, S. 206–219, ISBN 978-3-579-05442-1.
  • Tischgemeinschaft und rationaler Kapitalismus. Ein Gedankenexperiment zum "anderen" hermeneutischen Problem sozialgeschichtlicher Auslegung der Bibel. In: Michaela Geiger (Hrsg.): Essen und Trinken in der Bibel. Ein literarisches Festmahl für Rainer Kessler zum 65. Geburtstag. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2009, S. 301–315, ISBN 978-3-579-08111-3.
  • Anlageberatung mit Johan Calvin. Sein de usuris responsum von 1545/46 zwischen Patristik und Ökonomik. In: Carsten Jochum-Bortfeld/Rainer Kessler (Hrsg.): Schriftgemäß. Die Bibel in Konflikten der Zeit. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2015, S. 229–247, ISBN 3-579-08194-2.
  • Nächstenliebe, Fremdenliebe, Feindesliebe und die Goldene Regel – Der lange Weg vom Tötungsverbot zur Friedenspflicht. In: Rainer Kessler/Dirk Sager (Hrsg.): Von Gott reden in einer Welt der Gewalt. Kohlhammer, Stuttgart 2024, S. 283–308, ISBN 978-3-17-044456-0.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Eigener Lebenslauf in der Dissertation an der Universität Mannheim 1969.
  2. Kristian Hungar: Pfarrer – ein freier Beruf? – Die Verantwortung der Laien für den Pfarrdienst. In: Lutherische Monatshefte 23 (1984), S. 10 ff.
  3. Gottfried Gerner-Wolfhard: Vom „schlicht geweißelten“ zum „leeren“ Pfarrhaus. Das evangelische Pfarrhaus in Baden im 19. und 20. Jahrhundert in Jürgen Krüber, Hansmartin Schwarzmaier, Udo Wennemuth (Hrsg.): Das Evangelische Pfarrhaus im deutschsprachigen Südwesten, Oberrheinische Studien 32, Jan Thorbeke Verlag, Ostfildern, 2014 S. 249 ff. ISBN 978-3-7995-7838-7

Content Disclaimer

Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.

  1. The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
  2. There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
  3. It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
  4. Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
  5. Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.