Kommando Angry Birds

Das Kommando Angry Birds (KAB) ist eine im Untergrund agierende Gruppierung, die seit mindestens 2024 durch Sabotage- und Brandanschläge auf die kritische Infrastruktur, insbesondere auf Signalkabel der Deutschen Bahn, auf Funkmasten und Umspannwerke, vorwiegend in Nordrhein-Westfalen in Erscheinung tritt.[1][2]

In ihren Bekennerschreiben, die auf der Plattform Indymedia veröffentlicht wurden, beschreibt sich die Gruppe als militante, industrie- und technologiefeindliche Bewegung, die die Zerschlagung des industriellen Systems zum Schutz der Biosphäre fordert.[3][4] Von deutschen Sicherheitsbehörden wie dem Bundesamt für Verfassungsschutz und dem nordrhein-westfälischen Innenministerium wird die Gruppierung dem gewaltbereiten, autonom-anarchistischen Linksextremismus zugeordnet und mit der Kampagne Switch off in Verbindung gebracht.[5][6] In Politik und etablierten Medien werden die Aktionen der Gruppe aufgrund der gezielten Störung öffentlicher Infrastruktur und der Inkaufnahme hoher wirtschaftlicher Schäden zudem wiederholt als Ökoterrorismus eingestuft.[1][2][7][6]

Ideologie und Einordnung

Die Sicherheitsbehörden und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) stufen das Kollektiv als Teil der gewaltorientierten autonomen Szene ein.[5] In ihren auf der Plattform Indymedia veröffentlichten Bekennerschreiben und einem im Januar 2026 publizierten 36-seitigen „Strategiepapier“ (Manifest) artikuliert die Gruppe eine Anti-Tech-Einstellung.[8] Ihr Ziel ist die „vollständige Zerschlagung des technologisch-industriellen Systems“, um das durch den Fortschritt bedingte globale Artensterben (Massenaussterben) aufzuhalten.[6][2]

Das BfV sieht strukturelle und inhaltliche Verbindungen zur linksextremistischen Kampagne Switch off – the system of destruction, das den klassischen Antikapitalismus gezielt mit klimapolitischen Themen verknüpft und Sabotage gegen Transport- und Energienetze propagiert.[5][2]

Aktionsform und bekannte Anschläge

Die Gruppierung operiert mit zeitverzögerten Brandsätzen (oft unter Verwendung von Grillanzündern), die in Kabelschächten von Verkehrsachsen oder Energieanlagen deponiert werden.[1] So veröffentlichte die Gruppe im Herbst 2024 Anleitungen zur Herstellung von Brandsätzen aus frei erhältlichen Materialien.[9.1] Die durch Sabotage verursachten Sachschäden belaufen sich auf mehrere Millionen Euro.[1] Zu den der Gruppe zugeschriebenen oder von ihr reklamierten Haupttaten zählen:

  • 9. Januar 2024: Erste Brandanschläge auf Kabelanlagen einer Bahnstrecke bei Düsseldorf.[1]
  • 24. Januar 2025: Sabotage an einer für den europäischen Güterverkehr zentralen Gleisverbindung zwischen Düsseldorf und Solingen bzw. Köln.[6][2]
  • 31. Juli 2025: Brandstiftung an den Signalkabeln der vielbefahrenen Bahnhauptstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg, was erhebliche Störungen im Regional- und Fernverkehr auslöste.[5][1]
  • Januar 2026: Ein versuchter Brandanschlag mit neun Litern Grillanzünder auf einen Transformator im Umspannwerk Erkrath; der Brandsatz zündete jedoch nicht.[1][2]
  • 10. Juli 2026: Koordinierte Brandanschläge auf Kabelschächte nördlich von Leverkusen, die zu einer ganztägigen Vollsperrung der Hauptbahnstrecke Köln–Düsseldorf führten.[6][10]

Ermittlungen

Die Ermittlungen wegen vorsätzlicher Brandstiftung und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr werden vom Staatsschutz geführt.[11] Trotz intensiver Fahndungsmaßnahmen und politischer Debatten über erweiterte digitale Befugnisse für Sicherheitsbehörden im Internet im Sommer 2026 konnte bislang kein Tatverdächtiger identifiziert oder festgenommen werden.[3][6]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Julia Klaus, Nils Metzger: Terrorgruppe „Kommando Angry Birds“: Die Industrie-Feinde. ZDFheute, 15. Juli 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  2. a b c d e f Daniel Wüstenberg: Brandanschlag auf Bahnstrecke: Kommando Angry Birds bekennt sich. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Juli 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  3. a b Daniel Wüstenberg: Frust bei Pendlern, Sorgen bei Ermittlern: Wer sind die „Angry Birds“ - Saboteure? Stern.de, 14. Juli 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Ralf Krieger: Gruppe „Kommando Angry Birds“: Saboteure agieren in und um Leverkusen. Kölner Stadt-Anzeiger, 15. Juli 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  5. a b c d Angriffe von Linksextremisten auf Kritische Infrastrukturen und Wirtschaftsunternehmen. Bundesamt für Verfassungsschutz, 9. September 2025, abgerufen am 3. August 2026.
  6. a b c d e f Bahn-Sabotage: Linksextreme „Angry Birds“ bekennen sich. WDR, 11. Juli 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  7. Susanne Kusicke: „Kommando Angry Birds“: Ökoterroristische Gruppe im Visier. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Juli 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Roberto Jurkschat: „Manifest“ aufgetaucht: Wie Linksextremisten im Untergrund agieren. rbb24, 16. Januar 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  9. Irina Jugl-Kuntzsch: „Switch-Off – the system of destruction“: Analyse der Aktionsformen und Narrative einer linksextremistischen Mitmachkampagne. In: RadiX – Zeitschrift für Radikalisierungsforschung und Prävention. 20. April 2026, ISSN 2944-1390, doi:10.3224/radix.vXiX.435292 (21 S., budrich-journals.de [abgerufen am 3. August 2026]).
    1. S. 14.
  10. Holger Schmidt: Bekennerschreiben nach Feuer an Bahnstrecke aufgetaucht. BR24, 11. Juli 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  11. Bahnstrecke Köln-Düsseldorf: Bekennerschreiben aufgetaucht. ZDFheute, 11. Juli 2026, abgerufen am 3. August 2026.

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