Kirche Leuzigen

Die reformierte Kirche Leuzigen (2025)
Standesscheibe Bern und Figurenscheibe Heiliger Vinzenz (1522)

Die Kirche Leuzigen ist die reformierte Kirche der Gemeinde Leuzigen im Kanton Bern, Schweiz.

Geschichte

Leuzigen gehörte ursprünglich zum Kirchspiel Lüsslingen.[1] Dessen Priester feierten in der von 1336 bis 1473 erwähnten Ulrichskapelle von Leuzigen wöchentlich die heilige Messe. Die Kapelle, die möglicherweise beim Jäggistock stand, ist nicht erhalten.[1]

Entweder im 11. oder 12. Jahrhundert entstand am westlichen Dorfrand das Cluniazenserpriorat Leuzigen mit Hospiz (hospitale, spital) und einer Johannes dem Täufer gewidmeten Prioratskirche.[1] Leuzigen wurde in Personalunion mit Bargenbrück verwaltet und galt nach dem Visitationsbericht von 1269/70 als baufällig.[1] 1293 wurde Leuzigen dem Priorat Hettiswil unterstellt und ging nach 1350 ein.[1] Hettiswil übertrug die Prioratskirche 1476 als Kapelle an die Gemeinde Leuzigen.[1] Bern bestätigte Leuzigen den Besitz der Kapelle, errichtete jedoch keine eigene Pfrund (Pfarrei), 1532 wurde die Gemeinde von Lüsslingen der Kirchhöre Arch zugeteilt.[1] Im Jahr 1981 konstituierte Leuzigen sich als eigene Kirchgemeinde im Pfarramt Leuzigen-Arch.[1]

Bau und Ausstattung

Dem ursprünglich romanischen Kirchenschiff ist ein spätgotischer, 1521 entstandener Polygonalchor angegliedert.[2] Gleichzeitig dürften die Spitzbogenfenster im Schiff eingebaut worden sein.[2] Um 1793 erfolgte ein spätbarocker Umbau, die Türen entstanden um 1800.[2] Der Architekt Karl Indermühle ersetze 1926 im Rahmen einer Renovation den bestehenden Dachreiter mit der Erstellung eines Westturms.[2] In den Jahren 1986 bis 1989 erfolgte eine weitere Renovation der Kirche, bei der Analysen des Mauerwerks und Grabungen gemacht wurden.[2] Bei den Grabungen unter der Leitung von Peter Eggenberger wurden Reste einer Holzpfostenkirche, der romanischen Prioratskirche, des Prioratsgebäudes, der Sakristei und der Kirche von 1521 freigelegt und dokumentiert.[3] Der Chor weist sechs künstlerisch anspruchsvolle spätgotische Scheibenstiftungen auf: eine Solothurner Standesscheibe, eine Figurenscheibe des Standes Solothurn mit dem heiligen Ursus von Solothurn, eine Figurenscheibe des Amtes Büren an der Aare mit Johannes dem Täufer, eine Wappenscheibe des Amtes Büren, eine Figurenscheibe des Standes Bern mit dem heiligen Vinzenz sowie eine Berner Standesscheibe mit Engel.[2] Der runde Taufstein dürfte aus dem 17. Jahrhundert stammen.[2]

Liste der Prioren

  • Jakob, erwähnt 1270 bis 1278
  • Peter, erwähnt 1299 bis 1300/01
  • Gerhard von Montigny, erwähnt 1324
  • Johannes von Chavornay, erwähnt 1343 bis 1366[4]

Literatur

  • Werner Ernst Aeberhardt: Das Cluniacenser Priorat Leuzigen. Eine klösterliche Niederlassg im Mittelalter. Solothurn 1932.
  • Mirjam Brunner et al.: Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Solothurn. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (= Kunstführer durch die Schweiz. Band 3). Bern 2007.
  • Peter Eggenberger/Susi Ulrich-Bochsler, Leuzigen. Reformierte Pfarrkirche – Ehemaliges Cluniazenserpriorat, Ergebnisse der Bauforschung von 1986, Bern 1989.
  • Kathrin Utz Tremp: Leuzigen. In: Helvetia Sacra. Band III, Nr. 3. Bern 2007, S. 357–362 (helvetiasacra.ch [abgerufen am 7. Juni 2025]).
  • Anne-Marie Dubler: Leuzigen. In: Historisches Lexikon der Schweiz.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Anne-Marie Dubler: Leuzigen. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  2. a b c d e f g Kunstführer durch die Schweiz 3, S. 692.
  3. Peter Eggenberger, Leuzigen 1989, S. 47.
  4. helvetiasacra.ch

Siehe auch

Commons: Kirche Leuzigen – Sammlung von Bildern

Koordinaten: 47° 10′ 28,2″ N, 7° 27′ 8,9″ O; CH1903: 601050 / 224838

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