Inspiro Warschau
| Inspiro Metro Warschau | |
|---|---|
| Anzahl: | 35 sechsteilige Einheiten |
| Hersteller: | Siemens Mobility |
| Baujahr(e): | seit 2011 |
| Achsfolge: | Bo’Bo’+2’2’+Bo’Bo’+Bo’Bo’+2’2’+Bo’Bo’ |
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) |
| Länge über Kupplung: | 117.766 mm |
| Breite: | 2.740 mm |
| Höhe: | 3.645 mm |
| Leermasse: | 165 t |
| Höchstgeschwindigkeit: | 90 km/h |
| Stromsystem: | 750 V DC/Stromschiene |
| Sitzplätze: | 256 |
| Stehplätze: | 1180 |
Der Inspiro Warschau ist die dritte Fahrzeugbaureihe der Metro Warschau und das erste Fahrzeug, das auf Basis der Plattform Inspiro von Siemens Mobility ausgeliefert wurde.
Geschichte
Erster Benutzer eines kompletten Inspiro-Fahrzeuges ist die Metro Warschau, die Anfang 2011 35 sechsteilige Fahrzeuge bei Siemens Mobility in Auftrag gegeben hat.[1] Der Vertrag wurde am 2. Februar 2011 zwischen der Warschauer Metro und einem Konsortium aus Siemens AG und dem polnischen Fahrzeughersteller Newag mit Sitz in Nowy Sącz unterzeichnet; er enthielt zudem eine drei Jahre lang gültige Option auf 17 weitere Züge, von der die Warschauer Metro jedoch keinen Gebrauch machte.[2] Innerhalb des Konsortiums war Siemens für Entwurf, Aluminium-Wagenkästen, Drehgestelle und Fahrantrieb zuständig, während Newag die Endmontage, Inbetriebsetzung, die Innenausstattung, die Bordsysteme sowie das automatische Zugsicherungssystem (ATC/SOP-3) beisteuerte und die Fahrzeuge später auch wartete.[3]
Der Inspiro bedient hier unter anderem die Linie 2. Zu den Besonderheiten dieser Fahrzeuge zählen Schiebetritte zur Überbrückung des Abstandes zwischen Zug und Bahnsteig für bewegungsbeeinträchtigte Personen an den ersten Türen der Endwagen sowie ein auf die Metro Warschau angepasstes Fahrgastinformationssystem. Der Gesamtwert der Bestellung liegt bei rund 272 Millionen Euro. Die ersten zehn Züge wurden im Siemens-Werk in Wien gefertigt; der erste von ihnen traf am 21. Dezember 2012 auf dem Betriebsgelände Kabaty ein und wurde am 12. Januar 2013 öffentlich präsentiert. Die übrigen 25 Fahrzeuge wurden beim Partnerunternehmen Newag im polnischen Nowy Sącz endmontiert, der erste dieser Züge erreichte Warschau am 30. April 2013. Der letzte bestellte Zug traf am 27. Oktober 2014 in Kabaty ein und schloss damit die Auslieferung ab.[2] Von den 35 Garnituren wurden 20 der neuen Linie M2 zugeteilt, die übrigen 15 verstärken die Linie M1.[2]
Die Zulassung der Fahrzeuge für den Regelbetrieb verzögerte sich erheblich: Am 17. November 2013 kam es in einem fahrenden Zug kurz vor der Station Politechnika in Fahrtrichtung Kabaty zu Rauch- und Funkenbildung, woraufhin sämtliche bereits ausgelieferten Inspiro-Züge zunächst in den Abstellanlagen Kabaty verblieben und weitere Auslieferungen sowie Abnahmen gestoppt wurden.[4] Eine Untersuchungskommission stellte im Februar 2014 fest, dass sich die Gleitkohle eines Stromabnehmers gelöst hatte, was zu einem Kurzschluss, einem Lichtbogen und Rauchentwicklung im Fahrzeuginneren geführt hatte; dem Hersteller wurde daraufhin auferlegt, die Befestigung der Gleitkohle zu verbessern und die Züge zusätzlich mit Rauchmeldern auszustatten. Nach entsprechenden Umbauten und erneuten Tests im März 2014 nahm Zug Nummer 52 am 22. März 2014 den Regelbetrieb wieder auf; der letzte Zug der Baureihe erhielt seine Zulassung am 8. Mai desselben Jahres.[2]
Technik und Ausstattung
Der Wagenkasten ist in Aluminium-Leichtbauweise ausgeführt. Der Fußboden liegt 1130 Millimeter über Schienenoberkante und damit auf Höhe der Bahnsteige der Warschauer Metro.[3] Die Sitze sind längs zur Fahrtrichtung angeordnet („Metro-Bestuhlung“): In den Bereichen zwischen den Türen befinden sich sechssitzige Bänke, zwischen Tür und Wagenübergang zweisitzige Bänke. An den ersten und letzten Türen jedes Zuges sind Stellflächen für Rollstühle und Fahrräder eingerichtet, weitere Fahrradstellplätze mit Haltestangen befinden sich im zweiten und fünften Wagenteil. Insgesamt bietet ein Zug 234 Sitzplätze, wobei auf die beiden Endwagen je 35 und auf die vier Mittelteile je 41 Sitze entfallen.[3] Bei einer Auslastung von sieben Personen je Quadratmeter fasst ein Zug rechnerisch 1502 Fahrgäste.[3]
Das äußere und innere Design stammt vom Designstudio BMW Designworks USA.[3] Zur Ausstattung zählen eine automatische, an die Fahrgastauslastung angepasste Belüftungsregelung, LED-Beleuchtung im Fahrgastraum, Videoüberwachung sowie zusätzliche Anzeigen für Fahrgastinformationen.[5]
Angetrieben wird der Zug von Fahrmotoren des Typs 1TB20XX, die eine Nennleistung von 160 Kilowatt bei einer maximalen Drehzahl von 4050 Umdrehungen pro Minute erreichen und eine Masse von rund 490 Kilogramm aufweisen; die Motoren sind seitlich über Gummielemente an den Drehgestellrahmen angeschraubt.[6] Die Stromabnahme erfolgt über einen Stromabnehmer von der seitlichen Stromschiene mit 750 Volt Gleichstrom. Über einen Hochleistungsschalter mit Überspannungsableiter wird die Spannung an die IGBT-Stromrichter weitergeleitet, die jeweils vier Fahrmotoren mit Drehstrom versorgen. Die elektrodynamische Bremse wird von SITRAC-Stromrichter (Siemens Traction Control) gesteuert, die keine Winkelsensoren an den Fahrmotoren benötigen.[6]
Fahrzeugbestand und Kenndaten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Anzahl Züge | 35 sechsteilige Einheiten |
| Fertigung | 10 Züge im Siemens-Werk Wien, 25 Züge bei Newag in Nowy Sącz |
| Auslieferungszeitraum | Dezember 2012 – Oktober 2014 |
| Zuteilung | 20 Züge auf Linie M2, 15 Züge auf Linie M1 |
| Sitzplätze | 234 (Endwagen je 35, Mittelteile je 41) |
| Kapazität gesamt | 1502 Personen (bei 7 Pers./m²) |
| Fahrmotor | Typ 1TB20XX, 160 kW Nennleistung je Motor |
| Stromrichter | SITRAC (Siemens Traction Control) |
| Design | BMW Designworks USA |
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Pressemitteilung der Firma Siemens zur Fahrzeugbestellung für die Metro Warschau. 2. Februar 2011, abgerufen am 17. Februar 2011.
- ↑ a b c d Warszawa: Siemens Inspiro – 10 lat eksploatacji. In: htp.org.pl. Historia Transportu Publicznego, abgerufen am 16. August 2026 (polnisch).
- ↑ a b c d e Skład typu SIEMENS Inspiro (Warszawa). In: transportszynowy.pl. Abgerufen am 16. August 2026 (polnisch).
- ↑ Metro: Więcej Inspiro, mniej składów rosyjskich. In: transport-publiczny.pl. Transport Publiczny, abgerufen am 16. August 2026 (polnisch).
- ↑ Inspiro już jeździ. In: um.warszawa.pl. Urząd m.st. Warszawy, abgerufen am 16. August 2026 (polnisch).
- ↑ a b Marek Graff: Druga linia metra warszawskiego. In: yadda.icm.edu.pl (Fachzeitschrift). Abgerufen am 16. August 2026 (polnisch).
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