Imaginarium
| Imaginarium S.A.
| |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1992 |
| Auflösung | 2024 |
| Auflösungsgrund | Insolvenz und Liquidation |
| Sitz | Saragossa |
| Leitung | Félix Tena (1992–2017) Federico Carrillo Zürcher (2017–2022) |
| Branche | Spielwarenhandel |
Imaginarium S.A. war eine spanische Unternehmensgruppe im Bereich pädagogisches Kinderspielzeug mit Sitz in Saragossa. Das Unternehmen wurde 1992 von Félix Tena unter dem Namen Step Two S.A. gegründet und 2007 in Imaginarium S.A. umbenannt. Auf dem Höhepunkt seiner Expansion betrieb es rund 500 Filialen in 26 Ländern.[1] Nach anhaltenden Verlusten, einem Eigentümerwechsel 2017 und den Folgen der COVID-19-Pandemie stellte Imaginarium im Juli 2022 Insolvenzantrag. Im April 2024 schlossen die letzten Filialen endgültig. Die Imaginarium Deutschland GmbH war von 2009 bis zu ihrer Insolvenz 2015 für den Vertrieb in Deutschland zuständig.
Gründung und Aufstieg (1992–2013)
Félix Tena gründete das Unternehmen am 7. Oktober 1992 in Saragossa unter dem Namen Step Two S.A.; die Umbenennung in Imaginarium S.A. beschloss die Hauptversammlung 2007.[2] Das Konzept war von Beginn an auf Spielzeug mit pädagogischem Anspruch ausgerichtet.
Das Unternehmen wuchs rasch über Spanien hinaus und internationalisierte sich im Laufe der 2000er Jahre in weite Teile Europas und Lateinamerikas. 2009 vollzog Imaginarium den Börsengang am alternativen spanischen Börsensegment MAB (ab 2020 BME Growth). Zu diesem Zeitpunkt betrieb das Unternehmen bereits 348 Filialen in 28 Ländern.[3] In den folgenden Jahren setzte sich die Expansion fort. Auf dem Höhepunkt beschäftigte die Gruppe rund 1.500 Mitarbeiter.[1] Der Nettoumsatz des Konzerns überstieg 2012 erstmals die 100-Millionen-Euro-Marke und erreichte 2013 seinen Höchststand.[4]
Krise und Eigentümerwechsel (2014–2019)
Ab 2014 kehrte sich die Entwicklung um. Der Umsatz stagnierte, während die Kosten nicht entsprechend sanken. Das operative Ergebnis rutschte dauerhaft ins Minus.[5] Als Ursachen galten der strukturelle Wandel im Einzelhandel, der wachsende Druck durch den Online-Handel sowie Schwierigkeiten in einzelnen Auslandsmärkten.
Ende 2017 übergab Gründer Félix Tena die Kontrolle an ein Investorenkonsortium unter Führung des costa-ricanischen Geschäftsmanns Federico Carrillo Zürcher, der zuvor als Finanzminister Costa Ricas tätig gewesen war.[1][6] Unter der neuen Führung stabilisierte sich die Lage jedoch nicht. Die Verluste setzten sich fort.
Tätigkeit in Deutschland
Die Imaginarium Deutschland GmbH ging aus der 2007 gegründeten FamilyNet GmbH hervor und wurde 2009 umbenannt.[7] Der Markteintritt erfolgte zunächst über Shop-in-Shop-Flächen in Karstadt-Warenhäusern; im September 2010 eröffnete der erste eigenständige Flagship-Store in Köln.[8] Zuletzt betrieb die Gesellschaft acht eigenständige Filialen in Berlin, Dresden, Köln, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Saarbrücken und Weiterstadt.[9]
Anfang 2015 beantragte die Gesellschaft Insolvenz; das Verfahren wurde 2022 abgeschlossen und die GmbH anschließend gelöscht.[7]
Insolvenz und Liquidation (2020–2024)
Die COVID-19-Pandemie verschärfte die bereits angespannte wirtschaftliche Lage des Unternehmens. Im Sommer 2020 beantragte das Unternehmen Insolvenzschutz, um Verhandlungen mit seinen Gläubigern aufnehmen zu können.[2] Im Februar 2021 folgte die weitgehende Schließung des verbliebenen Filialnetzes in Spanien, verbunden mit dem Abbau von 119 Stellen.[1] Ein letzter Sanierungsversuch – eine Kapitalerhöhung, mit der ein Schuldenschnitt finanziert werden sollte – scheiterte 2021 mangels Beteiligung der Aktionäre.[2]
Im Juli 2022 stellte Imaginarium offiziell Insolvenzantrag mit Schulden von über 37 Millionen Euro;[10] kurz zuvor war die Börsennotierung eingestellt worden. Das Insolvenzverfahren wurde gerichtlich als schuldhaft eingestuft. Ein zweitinstanzliches Urteil von 2024 verurteilte Carrillo Zürcher zu vier Jahren Berufsverbot sowie zur Rückzahlung von rund 800.000 Euro.[6]
Verkauf der Marke und Nachfolge
Nach der endgültigen Schließung erwarb die spanische Spielzeugkette Juguettos in einer öffentlichen Versteigerung Markenrechte, Patente und Website von Imaginarium für 240.000 Euro.[10] Juguettos kündigte an, die Marke über sein Netz von rund 270 Filialen neu beleben zu wollen.[11] Die Webadresse imaginarium.es leitet inzwischen auf juguettos.com weiter, wo Produkte unter dem Imaginarium-Label angeboten werden.
Produkte und Unternehmenskonzept
Imaginarium vermarktete von Anfang an Spielzeug mit pädagogischem Anspruch für Kinder von der Geburt bis ins Jugendalter – von Büchern und Brettspielen über Fahrzeuge und Bastelmaterial bis hin zu Kindermöbeln. Nach eigenen Angaben legte das Unternehmen besonderen Wert auf geschlechtsneutrale und entwicklungsfördernde Produkte.[12] Charakteristisches Erkennungsmerkmal aller Filialen war der doppelte Eingang: eine reguläre Tür für Erwachsene, daneben eine kleinere für Kinder.
Weblinks
- Archivierte Website imaginarium.es (Wayback Machine)
- Juguettos – Nachfolger der Marke
- Imaginarium-Produkte bei Juguettos
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Enrique Recio: La caída de Imaginarium, el imperio de Tena: el hombre que pensaba en juguetes y no en el dinero. El Español, 22. Februar 2021 (spanisch).
- ↑ a b c Imaginarium S.A.: Documento de Ampliación Completo. BME Growth, Juni 2021, S. 7 (spanisch).
- ↑ Imaginarium S.A.: Imaginarium ha presentado su solicitud para incorporarse al Mercado Alternativo Bursátil (MAB). Pressemitteilung, 16. November 2009. imaginarium.es (nicht mehr abrufbar; archiviert im Internet Archive).
- ↑ Imaginarium S.A.: Informe Financiero Ejercicio 2012, S. 1–3. imaginarium.es (nicht mehr abrufbar; archiviert im Internet Archive).
- ↑ Imaginarium S.A.: Informe Financiero Ejercicio 2014, S. 1–3. imaginarium.es (nicht mehr abrufbar; archiviert im Internet Archive).
- ↑ a b Jorge Heras Pastor, Marcos Calvo Lamana: Condenan como culpable del concurso de Imaginarium a su último propietario. El Periódico de Aragón, 10. Juli 2024 (spanisch).
- ↑ a b Northdata: Imaginarium Deutschland GmbH, Düsseldorf. Amtsgericht Düsseldorf HRB 73557.
- ↑ Imaginarium eröffnet am 17. September einen eigenen Flagship-Store in Köln. openpr.de, 13. September 2010. openpr.de.
- ↑ Große Spielwarenkette verkündet ihr Aus – „Alle Filialen schließen“. Karlsruhe Insider, 4. April 2024. karlsruhe-insider.de.
- ↑ a b Benjamín Santamaría: Juguettos compra Imaginarium por 240.000 euros: volverá al mercado en 2025. OKDiario, 9. Juli 2024 (spanisch).
- ↑ Imaginarium y Juguettos. juguettos.com (spanisch).
- ↑ Imaginarium S.A.: Quiénes somos. imaginarium.es (nicht mehr abrufbar; archiviert im Internet Archive, Stand Dezember 2009, spanisch).
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