Hugo Kuusner

Hugo Jakob Kuusner (* 7. Märzjul. / 19. März 1887greg. in Pärnu; † 23. März 1942 im sowjetischen Lager Sewurallag, Oblast Swerdlowsk) war ein estnischer Jurist und Politiker. Er verlas am Abend des 23. Februar 1918 in Pärnu das „Manifest an alle Völker Estlands“ und gilt damit als eine der zentralen Personen bei der Ausrufung der Republik Estland. 1918/19 amtierte er als Bürgermeister von Pärnu und war Mitglied der Verfassungsgebenden Versammlung der Republik Estland. Mit der sowjetischen Besetzung Estlands wurde er 1941 verhaftet und starb ein Jahr später im Gulag.

Frühe Jahre

Hugo Jakob Kuusner wurde als Sohn von Jakob Kuusner (auch Kustner) in eine wohlhabende Pärnuer Familie geboren.[1] Nach dem Besuch des Gymnasiums in Pärnu von 1901 bis 1908 arbeitete er kurzzeitig als Hauslehrer in Finnland, bevor er ein Studium der Rechtswissenschaft aufnahm, das er in der russischen Hauptstadt Sankt Petersburg begann (1908/1909) und in Kiew von 1909 bis 1912 fortsetzte. 1912 schloss er das Studium ab.[1] Bereits als Schüler engagierte er sich in der estnischen nationalen Bewegung: Er gehörte zu den Gründern des geheimen Schülerbunds „Taim“ und beteiligte sich während seines Studiums am Aufbau eines estnischen Studentenvereins in Kiew.[1]

Nach dem Studium war Kuusner zunächst als Jurist in der livländischen Hauptstadt Riga tätig. Anschließend ließ er sich als vereidigter Rechtsanwalt (vandeadvokaat) in seiner Heimatstadt Pärnu nieder, wo er rasch zu einer bekannten Figur des örtlichen gesellschaftlichen und politischen Lebens wurde.[1][2]

Politik

Nach der Februarrevolution 1917 wurde Kuusner zum Stadtverordneten von Pärnu sowie zum Abgeordneten des Provisorischen Landtags des Gouvernements Estland (Maapäev) gewählt, dem er vom 13. September 1917 bis zum Ende von dessen Sitzungsperiode am 23. April 1919 angehörte.[3]

Am 18. Januar 1918 wurde Kuusner von den Bolschewiki verhaftet, kam jedoch dank des Einsatzes seiner Ehefrau Marta wieder frei.[1] In Tallinn nahm er an einer geheimen Zusammenkunft führender estnischer Politiker teil, bei der die politische Lage erörtert und ein soeben verfasstes Unabhängigkeitsmanifest vorgestellt wurde. Die Versammlung beschloss, die Republik Estland bei sich bietender Gelegenheit auszurufen.[1] Nach seiner Rückkehr nach Pärnu erhielt Kuusner über den Beauftragten des Maapäev, Jaan Soop, der den Manifesttext heimlich nach Pärnu brachte, den Auftrag, dessen feierliche Verlesung zu organisieren.[1][4] Am Abend des 23. Februar 1918 verlas Kuusner vom Balkon des Theaters Endla in Pärnu als erster das „Manifest an alle Völker Estlands“, geschützt lediglich von einigen Schülern und Schauspielern.[1][4] Die förmliche Ausrufung der Republik in Tallinn folgte einen Tag später, am 24. Februar 1918, das seither als staatlicher Unabhängigkeitstag begangen wird.[4]

Mit Beginn der deutschen Besatzung Estlands wurde Kuusner von den Deutschen am 6. März 1918 verhaftet und blieb bis zum Herbst desselben Jahres in Haft beziehungsweise unter Hausarrest.[1]

Nach seiner Freilassung wurde Kuusner Bevollmächtigter der provisorischen estnischen Regierung für Pärnu und das Kreisgebiet Pärnumaa und amtierte 1918/19 als Bürgermeister von Pärnu.[1][5] Er wurde zudem in die Verfassungsgebende Versammlung der Republik Estland (Asutav Kogu) gewählt, der er während der gesamten Sitzungsperiode 1919/20 als Mitglied der konservativ-nationalliberalen Estnischen Volkspartei (Eesti Rahvaerakond) angehörte.[3] Deren Vaterfigur war der Tartuer Zeitungsverleger Jaan Tõnisson (1868–1941?). Kuusner war außerdem Mitglied des Estnischen Verteidigungsbunds (Kaitseliit).[6]

Von 1923 bis 1928 leitete er die Pärnuer Ausgabe der Tageszeitung Postimees. Parallel praktizierte er bis Mitte der 1930er Jahre weiterhin als Rechtsanwalt.[1][2]

1933 zog sich Kuusner nach Streitigkeiten in der Stadt und einer Verurteilung durch das Friedensgericht Pärnu-Viljandi sowohl aus der Politik als auch aus der Anwaltstätigkeit zurück und war als Immobilienverwalter tätig.[1]

Verhaftung und Tod

Mit der sowjetischen Besatzung Estlands wurde Kuusner am 14. Juni 1941 von den sowjetischen Organen verhaftet. Seine Frau Marta Kuusner (geb. Pärtel, 1889–1942), mit der er seit 1909 verheiratet war, und die Familie wurden ins Innere der Sowjetunion deportiert.[6][1] Kuusner selbst wurde in die Oblast Swerdlowsk in das Lager Sewurallag verschleppt; nach anderer Überlieferung war der Bestimmungsort die Stadt Tawda in derselben Oblast.[6][3] Er starb am 23. März 1942 im Alter von 55 Jahren.[6][3] Sein Grab ist unbekannt.[1]

Literatur

  • Jaan Toomla: Valitud ja Valitsenud: Eesti parlamentaarsete ja muude esinduskogude ning valitsuste isikkoosseis aastail 1917–1999. Eesti Rahvusraamatukogu, Tallinn 1999, S. 23, 28, 284.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n Kes oli iseseisvuse väljakuulutaja Hugo Kuusner? In: Koiduaeg, 23. Februar 2026, online.
  2. a b Tuntud ja tundmatu Hugo Kuusner. In: Pärnu Postimees, 20. Februar 2013, online.
  3. a b c d Jaan Toomla: Valitud ja Valitsenud: Eesti parlamentaarsete ja muude esinduskogude ning valitsuste isikkoosseis aastail 1917–1999. Eesti Rahvusraamatukogu, Tallinn 1999, S. 23, 28, 284.
  4. a b c 1918. In: Meie parlament ja aeg, Eesti Rahvusraamatukogu, online.
  5. Pärnu linnapead. Stadt Pärnu, online.
  6. a b c d „K“, Datenbank Memento, Vabamu Okupatsioonide ja Vabaduse Muuseum, online: Eintrag „KUUSNER, Hugo, Jakob“, geb. 19.03.1887 Pärnu, verhaftet 14.06.1941, Oblast Swerdlowsk/Sewurallag, gestorben 23.03.1942.

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