Hotel Beatus

Das Hotel Beatus ist ein 1961 erbautes 5-Sterne-Hotel im Ortsteil Merligen der Gemeinde Sigriswil im Kanton Bern. Es befindet sich am rechten Ufer des Thunersees. Der Standort ist bereits seit dem 17. Jahrhundert als Gastwirtschaft belegt und entwickelte sich im Zuge der touristischen Erschliessung des rechten Thunerseeufers zu einem bedeutenden Beherbergungsbetrieb.[1][2] Der heutige Hotelbau entstand 1960/61 als Neubau an der Stelle eines früheren Jugendstilhotels und prägt aufgrund seiner Lage am Seeufer das Ortsbild von Merligen.[3]

Hotel Beatus, ca. 1885
Hotel Beatus mit Landungsstätte am Thunersee (19. Jh.)

Ortsbild und Bedeutung

Die Entwicklung des Hotels stand in engem Zusammenhang mit der touristischen Erschliessung des rechten Thunerseeufers sowie dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, insbesondere der Schiffsstation von 1876 sowie der späteren Strassenverbindung entlang des Seeufers.[2]

In den 1860er-Jahren entstanden am Thunersee erste Fremdenpensionen. Um 1870 erwähnten Reiseführer in Hilterfingen die Pension des Alpes, in Gunten das Weisse Kreuz und die Pension du Lac sowie in Merligen das Gasthaus Löwen, aus dem später das Hotel Beatus hervorging.[4]

Das als modernes Grandhotel konzipierte Gebäude wurde zeitgenössisch als erstes modernes Grandhotel der Schweiz bezeichnet. Mit seinem Bauvolumen und seiner unmittelbaren Lage am Seeufer hebt sich das Gebäude deutlich von der traditionellen Dorfstruktur Merligens ab und prägt die Uferansicht des Ortes.[3]

Geschichte

Frühgeschichte

Die Nutzung des Standorts als Gaststätte ist durch archivalische Quellen des Kantons Bern dokumentiert. Ein Reglement über «Wirtschaften», «Tavernen» und «Pintenschenken» nennt bereits 1628 eine Wirtschaft in Merligen.[1]

Für das Jahr 1700 ist ein Gesuch von Stephan Buschi überliefert, an der Schiffländte in Merligeneine Gaststätte zu errichten. Das Gesuch wurde bewilligt, da dort bereits zuvor eine Wirtschaft bestanden hatte und ein entsprechendes Bedürfnis der Schiffsleute bestand.[5]

Lage und Umfeld

Merligen liegt am Nordufer des Thunersees zwischen Thun und Interlaken am Hang des Sigriswilergrats. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Ort überwiegend über den See erreichbar. Erst 1871 erhielt Merligen eine Strassenverbindung.[6]

Die unmittelbare Lage am Wasser begünstigte die Entwicklung des Standorts als Anlege-, Versorgungs- und Aufenthaltsort für Reisende sowie für den regionalen Schiffsverkehr.[7]

Ab Ende des 18. Jahrhunderts gehörte eine Schifffahrt über den Thunersee zu den Attraktionen einer Schweizerreise. Seit 1876 wurde Merligen regelmässig von Dampfschiffen angelaufen.

1883 benannte der damalige Besitzer die bestehende Pension in «Beatus» um.[3] Der Name nimmt Bezug auf den heiligen Beatus, der mit der Region rum um den Thunersee verbunden ist.

Brand von 1898

Merligen nach dem Grossbrand vom 11. April 1898

Am 11. April 1898 wurde Merligen von einem Grossbrand schwer getroffen, bei dem 47 Gebäude zerstört wurden.[6] Das Hotel blieb erhalten und gehörte zu den wenigen grösseren Gebäuden des Dorfes, die den Brand überstanden.

20. Jahrhundert und Neubau

1958 erwarb Hugo Frey-Forster das Hotel Beatus. Unter seiner Leitung entstand 1960/61 ein vollständiger Neubau, der als modernes Grandhotel konzipiert wurde. Ziel war eine zeitgemässe Interpretation des klassischen Grandhotels mit moderner Architektur und Ausstattung.[3]

Am 4. Mai 1961 wurde das neue Hotel eröffnet. Es verfügte über 140 Betten und wurde im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet. Sämtliche Zimmer waren bereits damals mit Bad und WC ausgestattet; in den Suiten waren Badezimmer und Toilette getrennt.[3]

1967/68 erhielt das Hotel als erstes Haus der Schweiz ein Hallenbad.[3]

Nach dem Eigentümerwechsel Mitte der 1980er-Jahre geriet die Betreibergesellschaft in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Im September 1990 wurde der Konkurs eröffnet, der Hotelbetrieb jedoch ohne Unterbruch weitergeführt. 1993 übernahmen Heiner Lutz und Laurenz Schmid das Hotel und führten es wirtschaftlich neu aus.[3]

Unter Direktor Peter Mennig begann in den folgenden Jahren eine umfassende Modernisierung. Dazu gehörten unter anderem das Frei-Solbad am Thunersee sowie der Ausbau des Wellnessbereichs.[3]

Gegenwart

Hotel Beatus am rechten Ufer des Thunersees (2025)

Seit der Übernahme durch die neuen Eigentümer wurde das Hotel schrittweise modernisiert. Zimmer und Infrastruktur wurden mehrfach erneuert. Im Jahr 2000 wurde beschlossen, den Hotelbetrieb ganzjährig aufrechtzuerhalten. Nach Angaben des Unternehmens beschäftigt das Hotel rund 100 Mitarbeitende.[3]

Einzelnachweise

  1. a b Staatsarchiv des Kantons Bern (Hrsg.): Reformation der Wirtschaften 1628 Abschriften älterer Erlasse und spätere Verfügungen über Wirtschaften und Wirtschaftswesen in der Stadt Bern und auf dem Lande. 1786 (be.ch [abgerufen am 15. Juli 2026]).
  2. a b Anne-Marie Dubler: Merligen. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 3. November 2009, abgerufen am 15. Juli 2026.
  3. a b c d e f g h i Beatus ist seit 50 Jahren eine Hotellegende. In: Berner Zeitung. 11. August 2011, abgerufen am 15. Juli 2026.
  4. Adrian Flückiger: Hotels und Pensionen am Thunersee im 19. Jahrhundert. In: Berner Zeitschrift für Geschichte (BEZG). S. 138 (historischehotels.ch [PDF]).
  5. Staatsarchiv des Kantons Bern (Hrsg.): Band BBB: 1697-1703. 1703 (be.ch [abgerufen am 15. Juli 2026]).
  6. a b Merligen. In: Merligen.ch. Abgerufen am 15. Juli 2026.
  7. Anne-Marie Dubler: Thunersee. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 13. Februar 2020, abgerufen am 15. Juli 2026.

Koordinaten: 46° 41′ 46,5″ N, 7° 44′ 15,5″ O; CH1903: 622869 / 171714

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