GVB-Typ 11G
| 11G | 12G | |
|---|---|---|
11G am Amstelveensweg (2013) | ||
| Nummerierung: | 901–920 | 817–841 |
| Anzahl: | 20 | 25 |
| Hersteller (Wagenbau): | BN | |
| Hersteller (elektrisch): | Holec | |
| Auslieferung: | 1989–1991 | |
| Ausmusterung: | 2021[1] | |
| Radsatzfolge: | Bo’ Bo Bo Bo’ | |
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) | |
| Länge über Blech: | 25 630 mm | |
| Breite: | 2350 mm | |
| Höhe: | 3191 mm | |
| Drehzapfenabstand: | 3×6550 mm | |
| Drehgestellachsstand: | 1905 mm[2] | |
| Raddurchmesser: | 662 mm[2] | |
| Leermasse: | 36 t | |
| Höchstgeschwindigkeit: | 70 km/h[2] | |
| Dauerleistung: | 8×38,5 kW[2] | |
| Stromsystem: | 600 V = | |
| Stromübertragung: | Oberleitung | |
| Kleinster bef. Radius: | 16,5 m[2] | |
| Kupplungstyp: | Albertkupplung | |
| Sitzplätze: | 52 | 63 |
| Stehplätze (4/m²): | 93[2] | 89[2] |
| Fußbodenhöhe: | Hochflurbereich: 880 mm Niederflurbereich: 280 mm | |
| Betriebsart: | Zweirichtungswagen | Einrichtungswagen |
| [3] | ||

Die Typen 11G und 12G des Amsterdamer Verkehrsbetriebs GVB sind teilniederflurige Straßenbahn-Triebwagenbauarten, die von 1990 bis 2021 bei der Straßenbahn Amsterdam eingesetzt wurden. Sie unterscheiden sich durch die Ausführung als Einrichtungswagen (12G) oder Zweirichtungswagen (11G). Das G in der Typenbezeichnung kennzeichnet die Fahrzeuge als Gelenkwagen (niederländisch Gelede tram), 11 und 12 sind die fortlaufend vergebenen Typennummern. Die Fahrzeuge ersetzten den Typ 1G und wurden 2021 durch den Typ 15G ersetzt.
Geschichte
Im September 1987 bestellte der GVB beim Hersteller BN 20 Triebwagen des Typs 11G und 25 des Typs 12G, um einerseits die Neubaustrecke nach Amstelveen bedienen zu können und andererseits die 1957 gebauten Fahrzeuge des ersten Gelenkwagentyps 1G zu ersetzen. Der GVB entschied sich dabei wieder für achtachsige Jakobs-Gelenkwagen wie bei den 1979 und 1980 gebauten Typen 9G und 10G, jedoch mit Niederflurbereich, Drehstromantrieb und einigen Änderungen, die dem Haager GTL8 nachempfunden waren. Ein solcher war im April 1987 auf der Amsterdamer Linie 3 erprobt worden.[4] Der Typ 11G musste als Zweirichtungswagen ausgeführt werden, weil die Behörden in Amstelveen nur die Flächen für eine Stumpfendstelle zur Verfügung stellten. Davor waren zuletzt 1931 Zweirichtungswagen für die Straßenbahn Amsterdam gebaut worden. An der Fertigung waren neben BN auch die niederländischen Unternehmen Holec für die elektrische Ausrüstung, Hainje für die Mittelteile und RMO Werkspoor für die Drehgestelle beteiligt.[3]
Die Fahrzeuge konnten zunächst grundsätzlich im Gesamtnetz eingesetzt werden, doch mussten wegen der geringen Bodenfreiheit von 13 Zentimetern einige Bordstein- und Bahnsteigkanten angepasst werden. Diese Arbeiten wurden zuerst an den von den Linien 1 und 5 befahrenen Strecken vorgenommen. Weil nach Haager Vorbild die Bedienung per Fußpedal eingeführt wurde, musste das Fahrpersonal zur Einführung dieser Typen umfangreicher geschult werden als üblich. Um mit der grundsätzlichen Heranführung an die Pedalbedienung frühzeitig beginnen zu können, wurden im September 1989 zwei PCC-Wagen aus Den Haag ausgeliehen.[3]

Die Lackierung war zunächst mit grau-weißer Grundfarbe, hellblauem Fensterband, dunkelblauen Schürzen und roten Türen ausgeführt.[3] Später erhielten die Fahrzeuge eine blau-weiße Farbgebung. 1992 wurden am 12G 841 die Endfahrwerke für den Brüssler Typ T2000 erprobt, wofür das Fahrzeug bereits beim Bau vorbereitet worden war.[5]
2021 wurden die Fahrzeuge durch Neuwagen des Typs 15G ersetzt. Im Juni 2021 wurden die Triebwagen 820 und 919 an die Electrische Museumtramlijn Amsterdam übergeben. Anschließend begann die Verschrottung.[6] Die letzten Einsätze gab es im Herbst 2021. Der 12G 904 wird im Hannoverschen Straßenbahn-Museum erhalten.[1]
Technische Beschreibung
Die Orientierung am Haager GTL8 zeigt sich auch äußerlich an der Frontgestaltung, auch wenn die für Amsterdam bis dahin typische hohe Linien- und Zielanzeige beibehalten wurde. Hinsichtlich der Grundabmessungen stimmt die Breite überein, doch sind die Amsterdamer Wagen mit 25,63 Metern über Blech deutlich kürzer ausgeführt. Die Drehzapfenabstände betragen 6,55 Meter. Ein längeres Mittelteil mit 7,2 Metern Drehzapfenabstand war beim 2G 886 probeweise eingebaut worden, doch hatte dieses zu erheblichen Einsatzbeschränkungen geführt. Außerdem hielt der GVB einheitliche Abstände innerhalb der Fahrzeuge für vorteilhaft, weil sich die Fahrer nach Vorbeifahrt an einem Hindernis mit dem ersten Wagenteil sicher sein konnten, dieses auch mit dem Mittelteil passieren zu können. Die Fußbodenhöhe beträgt 880 Millimeter ab Schienenoberkante im Hochflurbereich und 280 Millimeter im mittigen Niederflurbereich.[3]

Die drei Wagenteile werden von vorn nach hinten A, C und B genannt. Beim 11G unterscheiden sich A- und B-Teil nur durch den auf dem A-Teil angebrachten Stromabnehmer.[3] In jedem Wagenteil gibt es beidseitig eine Doppeltür mit 1200 Millimetern lichter Weite.[2] An den Enden konnte wegen des Zuschnitts des Führerstands nur einseitig eine Einzeltür angeordnet werden (vorn rechts bzw. hinten links). A- und C-Teil des 12G gleichen denjenigen des 11G bis auf die fehlende linksseitige Tür. Das B-Teil ist hingegen möglichst stark vereinfacht. Die Möglichkeit, am Heck eine zusätzliche Tür einzubauen, wurde jedoch nicht wahrgenommen, um eine gewisse betriebliche Einheitlichkeit zu wahren. Die Türen sind als Außenschwingtüren ausgeführt. Zunächst wurde kein Fahrkartenautomat eingebaut, in einem der Gelenkportale jedoch ein Platz dafür vorbereitet.[3] Kritisiert wurde, dass im Niederflurbereich auch die Decke heruntergezogen ist, so dass sie die Durchsicht durch das Fahrzeug behindert.[7]
Die Fahrzeuge wurden mit Albertkupplungen ausgerüstet, waren aber für den Einbau automatischer Kupplungen vorbereitet. Die Drehgestelle basieren wie beim Haager GTL8 auf dem PCC-Typ B3. Jeder Radsatz wurde von einer Drehstrom-Asynchronmaschine angetrieben – im Gegensatz zu allen anderen Amsterdamer Straßenbahn-Gelenkwagen gab es keine Laufradsätze. Die elektrische Ausrüstung mit Thyristorsteuerung war in zwei Gruppen getrennt, von denen je eine in A- und B-Teil untergebracht war. So blieb das Fahrzeug bei Ausfall der einen noch fahrfähig. Die Magnetschienenbremsen der Jakobs-Drehgestelle wurden mit 24 Volt (Bordnetzspannung), diejenigen der Enddrehgestelle hingegen mit 600 Volt (Fahrleitungsspannung) gespeist.[3]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Nicolai Schmidt: Chronik Westeuropa: Niederlande. In: Straßenbahn Magazin. Straßenbahn Jahrbuch 2023. GeraMond Verlag, München 2022, ISBN 978-3-96453-652-5, S. 96 f.
- ↑ a b c d e f g h "Stadstram" Light Rail Vehicle for Amsterdam. Bombardier Eurorail, September 1996, archiviert vom am 26. September 2024; abgerufen am 5. Mai 2026 (englisch).
- ↑ a b c d e f g h H. van't Hoogenhuijs: Die neuen Gelenktriebwagen für Amsterdam. In: Stadtverkehr. Nr. 1-2/1990. EK-Verlag, Freiburg 1990, S. 8 f.
- ↑ H. van't Hoogerhuijs: Amsterdam bestellt neue Niederflur-Straßenbahnwagen. In: Stadtverkehr. Nr. 1/1988. EK-Verlag, Freiburg, S. 20.
- ↑ Harry Hondius: ÖPNV-Niederflur-Schienenfahrzeuge im Kommen (4). In: Stadtverkehr. Nr. 9/1992. EK-Verlag, Freiburg 1992, S. 6–14, hier: 10.
- ↑ Nicolai Schmidt: Chronik Westeuropa: Niederlande. In: Straßenbahn Magazin. Straßenbahn Jahrbuch 2022. GeraMond Verlag, München 2021, ISBN 978-3-96453-382-1, S. 102 f.
- ↑ Harry Hondius: ÖPNV-Niederflur-Fahrzeuge im Kommen (3), Teil I. In: Stadtverkehr. Nr. 3/1992. EK-Verlag, Freiburg 1992, S. 30–43, hier: 31 f.
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