Fritz Bruch

Fritz Bruch (* 1854; † 11. Januar 1937[1][2]) war ein Bochumer Abenteurer und Gastwirt. Er war am Bau der Cable Cars in San Francisco beteiligt und nahm an einer Rettungsexpedition im arktischen Meer teil. Bruch entdeckte eine Landzunge im Nordosten der Wrangelinsel, die als „Bruch Spit“ nach ihm benannt wurde.[3][2] Heute erinnert die Straße Bruchspitze in Altenbochum an „Bochums größten Abenteurer“[1].

Leben

Fritz Bruch wuchs als Kind von Gastwirten im Bochumer Stadtteil Altenbochum auf. Im Alter von 15 Jahren soll er von zuhause ausgerissen sein, und in Rotterdam als Schiffsjunge auf einem Dampfschiff[1] oder Segelschiff[4] angeheuert haben. Von 1869 bis 1894 bereiste er verschiedene Länder wie Australien, Japan, Hongkong, China, Tasmanien und die Philippinen.[5][2] Dabei verdiente er sich unter anderem als Goldgräber, Farmarbeiter, Matrose, Walfänger und Holzfäller. Anfang der 1880er Jahre wurde Bruch in New York Mitglied der amerikanischen Marine.[4][2][5]

Berrys Karte der Wrangelinsel von 1881

1881 schloss er sich als Bootsmannsmaat[3] einer Schiffs-Rettungs-Expedition der USS Rogers an, um die Mannschaft der verschollenen Jeannette in der Arktis zu suchen. Die 38-köpfige Besatzung (12 Offiziere und 26 Crew-Mitglieder, darunter „Frederick Bruch“)[6] erreichte trotz Stürmen und Packeis die Wrangelinsel vor der sibirischen Küste. Dort musste die Rettungsaktion wegen eines Brandes an Bord der USS Rogers abgebrochen werden.[2] Dennoch gelang der Expedition eine genauere Beschreibung der Wrangelinsel.[3] Im Nordosten der Insel entdeckte Fritz Bruch eine bis dahin auf Seekarten nicht verzeichnete Landzunge.[2][3] Der Kapitän der USS Rogers, Lieutenant Robert M. Berry, benannte die Landzunge zu Ehren Bruchs „Bruch Spit“ (Spit für Sandbank).[2] Die Bezeichnung Bruch Spit findet sich unter anderem auf einer alten Seekarte aus dem Nachlass von Fritz Bruch, die zeitweise im Stadtarchiv Bochum ausgestellt wurde.[2] In einem Reisebericht aus dem Jahr 1916 wird die Bruch Spit ebenfalls in einem Kapitel über eine Reise auf die Wrangelinsel erwähnt.[7]

Nach Recherchen der Historikerin Ingrid Wölk ist die Bruch Spit auf neueren Karten nicht mehr verzeichnet.[2] Dennoch wird der Name auch im 21. Jahrhundert noch wörtlich verwendet, etwa in einem Abschlussbericht des Alaska Department of Fish and Game aus dem Jahr 2019[8] sowie in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung aus dem Jahr 2022.[9]

Ab 1888 arbeitete Bruch als Vermesser[3] oder Vermessungshelfer[1] am Bau der Cable Cars in San Francisco und wurde später Betriebsleiter der Bahn. Als er Jahrzehnte später im Juni 1925 zu einer Reise nach San Francisco zurückkehrte, berichtete die US-Zeitung San Francisco Examiner unter der Überschrift „Back Home. Powell Line Builder Here“ über Bruch „aus Altenbochum an der Ruhr“.[4][1][2]

Ein übersetztes Zitat von Fritz Bruch aus dem Artikel lautet:

„An dem Sonntag, an dem ich eigentlich in der Kirche sein sollte, lief ich davon und heuerte auf einem holländischen Segelschiff an. Ich war damals fünfzehn Jahre alt. Meine Eltern waren untröstlich, bis mein erster Brief ankam. Ach, es ist interessant, die Welt zu sehen, bevor man sich niederlässt.“

Fritz Bruch, 1925: San Francisco Examiner

Nach seiner Rückkehr aus den USA übernahm Bruch ab 1893 die Gaststätte seiner Eltern in Altenbochum. Er führte die Gaststätte bis zu seinem Tod im Jahr 1937 fort.[1][3] Fritz Bruch starb am 11. Januar 1937 kurz bevor Journalisten ein Interview mit ihm auf Schallplatte aufzeichnen wollten.[3] Die Straße „Bruchspitze“ in Altenbochum wurde kurz nach seinem Tode nach ihm benannt.[1][3] Das Haus an der Wittener Straße 218, in dem sich einst die Gaststätte der Bruchs befand, ist bis heute erhalten. Die Vorderseite des Hauses hat Fritz Bruch in Anlehnung an seine Seefahrten und den Bau der Straßenbahn mit mehreren Ankern und Rädern verzieren lassen.[5]

Rezeption und Widersprüche

Der Nachlass von Fritz Bruch wurde dem Stadtarchiv Bochum übergeben und dort im Rahmen einer Ausstellung zeitweise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[2] Der Historiker Hans H. Hanke widmet Fritz Bruch ein Kapitel seines Buches Bochum auf den zweiten Blick.[1] Auch Ingrid Wölk stellt Bruchs Biografie in ihrem Buch Hundert sieben Sachen. Bochumer Geschichte in Objekten und Archivalien näher vor.[2]

Trotz der bis heute anhaltenden medialen Rezeption liegen rund um das Leben von Fritz Bruch mehrere, teils widersprüchliche Informationen vor. Während manche Quellen berichten, dass Bruch in San Francisco heiratete und Vater von zwei Kindern wurde,[1] geben andere an, dass er kinderlos starb.[2] Zudem werden in einigen Quellen für Fritz[3] Bruch die Vornamen Friedrich[2] und Frederick[4] genannt. Widersprüchlich erscheint zudem ein Vermerk aus dem Jahr 2013 auf dem Portal Westfälische Geschichte, wonach das Bochumer Stadtarchiv davon ausgehe, dass sich Bruch keinesfalls in der Arktis aufgehalten habe, sondern Gastwirt in Bochum gewesen sei.[10] Öffentliche Belege für diese Aussage des Stadtarchivs finden sich jedoch nicht.

Nachweise

  1. a b c d e f g h i Sven Westernströer: Bochums größter Abenteurer scheint heute fast vergessen. 17. August 2024, abgerufen am 30. Juli 2026.
  2. a b c d e f g h i j k l m n Abenteurer aus Altenbochum - Bochum. Abgerufen am 30. Juli 2026.
  3. a b c d e f g h i Stadt Bochum: Schaufenster Stadtgeschichte präsentiert Fritz Bruch – ein Abenteurer aus Bochum | Stadt Bochum. Abgerufen am 30. Juli 2026.
  4. a b c d San Francisco Examiner (Hrsg.): Back Home. POWELL LINE BUILDER HERE. San Francisco 1925.
  5. a b c Sven Westernströer: Diese fünf verborgenen Schätze in Bochum kennt kaum jemand. 29. Juni 2024, abgerufen am 30. Juli 2026.
  6. Logbuch der USS Rogers (Juni bis November 1881). Naval History Homepage, 18. Juli 2019, abgerufen am 9. August 2026.
  7. Bob Bartlett, Ralph T. (Ralph Tracy) Hale: The last voyage of the Karluk. Abgerufen am 30. Juli 2026 (englisch).
  8. Alaska Department of Fish and Game: Alaska Department of Fish and Game Endangered Species Grant. Alaska Department of Fish and Game, 2019, abgerufen am 1. August 2026.
  9. Ulyana V. Babiy, Valentina V. Salomashkina, Pavel S. Kulemeev, Marina V. Kholodova, Alexander R. Gruzdev, Eric V. Regehr: First evidence of a brown bear on Wrangel Island, Russia. In: Ursus. Band 33, 2022, ISSN 1537-6176, S. 1–8.
  10. Internet-Portal 'Westfälische Geschichte'. 25. März 2014, abgerufen am 30. Juli 2026.

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