Esther Odermatt

Esther Odermatt (* 29. Dezember 1878 in Stans; † 3. September 1966 in Rüschlikon) war eine Schweizer Schriftstellerin, Philosophin und Pädagogin.

Leben

Als Esther Odermatt noch klein war, zog sie mit ihren Eltern und drei Geschwistern von Stans nach Rapperswil. Ihr Vater Wilhelm Odermatt führte dort eine Arztpraxis und setzte sich gemeinsam mit seiner Frau für soziale Gerechtigkeit ein. 1899 übersiedelten sie nach Zürich. Nach dem Besuch der Höheren Töchterschule studierte Esther Odermatt Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Zürich. Im Studium befreundete sie sich mit den Schriftstellern Eduard Korrodi, Fritz Enderlin und Albin Zollinger. Ihre Dissertation zum Thema Die Deminution in der Nidwaldner Mundart, die sie bei Albert Bachmann schrieb, wurde als «Musterbeispiel nachfühlender Deutung und klarer Darstellung komplizierter Tatbestände im Grenzgebiet zwischen Lautlehre und Wortbildung, zwischen eigentlicher Grammatik und Stilistik»[1] gelobt. In Berlin und Wien absolvierte sie Studienaufenthalte.

Von 1905 bis 1938 unterrichtete sie Deutsch an der Höheren Töchterschule der Stadt Zürich. Sie war Vorstandsmitglied des Schweizerischen Schriftstellervereins und später Mitglied der Literaturkommission der Stadt Zürich. Als begabte Rezitatorin war sie eine gefragte Vorleserin in kulturellen und literarischen Zirkeln. Gemeinsam mit Fritz Enderlin und zwei Basler Kollegen gab sie die Anthologie Deutsche Lyriker vom 16. bis ins 20. Jahrhundert und die Sammlung Deutsche Lyriker unserer Zeit heraus. Sie hielt in der Kriegs- und Nachkriegszeit für Frauenorganisationen zahlreiche Vorträge gegen den Nationalsozialismus und zu Schweizer Dichtern.[2] Ihre Verbundenheit mit dem Tessin (ihre Mutter Josephine Mariotti[3] war Tessinerin) kam in ihrer Novelle Die gelbe Kette zum Ausdruck.[4][5]

1958 erhielt sie eine Ehrengabe des Zürcher Regierungsrates für ihr literarisches Werk und ihre Verdienste als Pädagogin.

Schriften

  • Die Deminution in der Nidwaldner Mundart. Dissertation. Universität Zürich. Zürich 1903.
  • Die Seppe: eine Geschichte aus Unterwalden. Zürich 1916. Erschien auch als Fortsetzungsroman ab 1935 in der Zeitschrift Am häuslichen Herd (online).
  • Die gelbe Kette: Novelle. Zürich 1919. Erschien ab 1923 auch als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift Die Berner Woche (online).
  • Frau Menga: Novelle. Zürich 1926. Erschien ab 1933 auch als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift Die Berner Woche (online).
  • Deutsche Lyriker des 19. Jahrhunderts. Für schweizerische Mittelschulen ausgewählt von Dr. Fritz Enderlin und Dr. Esther Odermatt, Professoren an der Höheren Töchterschule Zürich, unter Mitwirkung ihrer Fachgenossen an der Anstalt. Zürich 1913.
  • Deutsche Lyriker vom 16. bis ins 20. Jahrhundert. Für Mittelschulen ausgewählt von Dr. Fritz Enderlin, Dr. Esther Odermatt, Zürich, Dr. Paul Gessler, Dr. Wilhelm Thürler, Basel. Zürich 1930.
  • Deutsche Lyriker unserer Zeit für Mittelschulen ausgewählt von Fritz Enderlin, Esther Odermatt, Paul Gessler, Wilhelm Türler. Zürich 1958.

Literatur

  • Die Dichter der Schweiz (= Literarisches Jahrbuch 1929). Hrsg. vom Verein Schweizerischer Literaturfreunde. Basel 1929, S. 61.
  • Schweizerisches Zeitgenossen-Lexikon. Bern 1932, S. 663.
  • Agnes Farner-Hasler: Zum Gedenken an Dr. Esther Odermatt: ein beispielhaftes Zürcher Frauenleben 1878–1966. In: Neue Zürcher Nachrichten, 10. September 1966 (online).
  • Beatrice von Matt (Hrsg.): Unruhige Landsleute. Schweizer Erzähler zwischen Keller und Frisch. Ein Lesebuch. Artemis, Zürich 1980, ISBN 3-7608-0521-3.
  • Inge Sprenger Viol: Esther Odermatt – Lehrerin, Autorin, Frauenrechtlerin. In: Nidwaldner Tagblatt, Band 7, Nr. 15, 20. Januar 1988 (online).
  • Doris Stump, Maya Widmer, Regula Wyss, unter Mitarbeit von Sabine Kubli: Deutschsprachige Schriftstellerinnen in der Schweiz 1700–1945. Eine Bibliographie. Limmat, Zürich 1994, ISBN 978-3-85791-214-6, S. 160.
  • Anna Stüssi: Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-bibliographisches Handbuch. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Band 11: Naaff – Pixner. Hrsg. von Heinz Rupp und Carl Ludwig Lang. Francke, Berlin/Stuttgart 1988, ISBN 3-317-01646-9, S. 546.
  • Maya Widmer: Esther Odermatt. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Version von 2008 (bearbeitet am 4. März 2009).

Einzelnachweise

  1. Inge Sprenger Viol: Esther Odermatt – Lehrerin, Autorin, Frauenrechtlerin. In: Nidwaldner Tagblatt. Band 7, Nr. 15, 20. Januar 1988 (e-newspaperarchives.ch).
  2. Esther Odermatt siebzigjährig. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 2795, 29. Dezember 1948 (e-newspaperarchives.ch).
  3. Dr. Esther Odermatt zum 85. Geburtstag. In: Nidwaldner Volksblatt. Band 98, Nr. 6, 18. Januar 1964 (e-newspaperarchives.ch).
  4. Esther Odermatt. In: Neue Zürcher Nachrichten. Band 34, Nr. 302, 29. Dezember 1938 (e-newspaperarchives.ch).
  5. Edith Huber-Picard: Dank an Esther Odermatt. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 3846, 13. September 1966 (e-newspaperarchives.ch).

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