Doris Brehm
Doris Brehm (* 10. Mai 1908 in Dresden als Doris Diez; † 15. Januar 1991 in Wien) war eine österreichische Übersetzerin und Schriftstellerin.
Leben
Doris Diez wurde 1908 in Dresden als Tochter des Kunsthistorikers Ernst Diez (1878–1961) und dessen Frau Beryl, geborene Ryder (1874–1951) geboren. Die Familie zog 1911 nach Wien, wo Doris aufwuchs und das Gymnasium besuchte. Bereits als Schülerin engagierte sie sich in der Vereinigung sozialistischer Mittelschüler. Sie fing an zu schreiben und begann eine Schauspielausbildung. Anfang der 1930er Jahre war sie als Schauspielerin unter anderem in Riga tätig. Sie heiratete 1931 den Bühnenbildner Johannes Brehm und folgte ihm an Theater in Danzig und Breslau. Nach der Scheidung kehrte sie 1935 nach Wien zurück.[1]
1938 eröffnete Brehm am Franz-Josefs-Kai in Wien eine private Leihbibliothek. Während der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich schloss sie sich dem kommunistischen Widerstand an. Ab 1941 war sie illegales Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) und gehörte zur Widerstandsgruppe um Laurenz Genner. Als sogenannte „U-Boot-Referentin“ organisierte sie Verstecke und Quartiere, Lebensmittel und auch falsche Papiere für untergetauchte Menschen, die als jüdisch oder aus politischen Gründen verfolgt wurden. Auch Deserteuren aus der Wehrmacht und Männern, die sich der Einberufung entzogen, half ihre Organisation. Sie selbst blieb während der gesamten NS-Zeit unentdeckt.[1] Noch im Mai 1945 veröffentlichte sie einen Zeitungsartikel, in dem sie die Situation der Wiener „U-Boote“ schilderte.[2]
Ab 1946 arbeitete Brehm als Journalistin, unter anderem für die Tageszeitung Neues Österreich. 1947 wechselte sie als Lektorin zum KPÖ-nahen Schönbrunn-Verlag, wo sie insbesondere internationale Literatur betreute und zahlreiche Werke aus dem Englischen und Französischen übersetzte. Das Jahr 1956 markierte für sie einen Einschnitt: Nach der Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands verließ sie gemeinsam mit mehreren Weggefährten die KPÖ und schied aus dem Schönbrunn-Verlag aus. Anschließend konzentrierte sie sich wieder auf ihre Tätigkeit als Leihbibliothekarin und freiberufliche Übersetzerin.[1]
Neben ihrer Übersetzertätigkeit veröffentlichte Brehm mehrere eigene Bücher, teilweise benutzte sie dabei die Pseudonyme Dierdre Diez und Dina Diez. Ihr autobiographisch geprägter Roman Eine Frau zwischen gestern und morgen (1955), der das Leben einer Frau während der NS-Zeit schildert, blieb zunächst weitgehend unbeachtet. Erst die kommentierte Neuausgabe von 2025 rückte Werk und Biographie erneut ins öffentliche Interesse. 1978 zog Brehm in ein Altersheim in Wien-Döbling. Sie starb 1991 in Wien. Ihr Nachlass blieb weitgehend unbeachtet; eine umfassende biographische Aufarbeitung erfolgte erst durch Katharina Prager und Bettina Balàka im Rahmen der kommentierten Neuausgabe ihres Romans.[1]
Veröffentlichungen
Als Verfasserin (Auswahl):
- Eine Frau zwischen gestern und morgen. Globus Verlag, Wien 1955. (Neuauflage Haymon Verlag, Innsbruck 2025, ISBN 978-3-7099-8253-2)
Als Übersetzerin aus dem Englischen (Auswahl):
- Erskine Caldwell: Gottes unfehlbare Hand. Universum, Zürich 1950. (Späterer Titel In Gottes sicherer Hand)
- Erskine Caldwell: Ein Haus im Hügelland. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1957.
- Arthur Miller: Brennpunkt. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1965. (=Rowohlt Jahrhundert, Band 11)
Als Übersetzerin aus dem Französischen (Auswahl):
- Colette: Sido. Zsolnay, Hamburg 1961.
- Colette: Neun von Colette. Zsolnay, Hamburg 1962.
- Colette: Bella-Vista und andere Erzählungen. Deutsche Buchgemeinschaft, Berlin 1964.
- Colette: Grüner Siegellack. Fischer Bücherei, Frankfurt a. M. 1964.
- Colette: Armande und andere Erzählungen. Dt. Buch-Gemeinschaft, Berlin 1965. (Übersetzet mit Luise Wasserthal-Zuccari)
- Françoise Parturier: Liebhaber für fünf Tage. Zsolnay, Hamburg 1962.
- Émile Zola: Germinal. Schönbrunn-Verlag, Wien 1949.
Weblinks
- Doris Brehm im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Katharina Prager und Bettina Balàka: „Zeitgemäßer wäre es...“ - die Welten der Doris Brehm. In: Doris Brehm: Eine Frau zwischen gestern und morgen. Haymon Verlag, Innsbruck 2025. (Biographisches Nachwort)
- ↑ Doris Brehm: Vor den Schergen der Gestapo untergetaucht : Wiener „U-Boote“ und ihre Schicksale. In: Neues Österreich, 5. Mai 1945, S. 2 (online bei ANNO).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Brehm, Doris |
| ALTERNATIVNAMEN | Diez, Doris (Geburtsname); Diez, Dierdre (Pseudonym); Diez, Dina (Pseudonym) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichische Übersetzerin und Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 10. Mai 1908 |
| GEBURTSORT | Dresden |
| STERBEDATUM | 15. Januar 1991 |
| STERBEORT | Wien |
Content Disclaimer
Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.
- The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
- There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
- It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
- Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
- Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.